"Netzanschlussverfahren müssen schneller, digitaler und unbürokratischer werden"

DIHK gibt Impulse für zukunftssichere Netzanschlüsse

19.02.2026 - Der Mangel an Netzanschlusskapazitäten bremst zunehmend den Wirtschaftsstandort Deutschland aus: Unternehmen müssen Elektrifizierungsprojekte verschieben, Neuansiedelungen bleiben aus und der Ausbau von Speicher- und Erzeugungstechnologien fällt zurück. „Die Engpässe bei den Netzanschlusskapazitäten sind nicht nur für die Netzbetreiber eine Herausforderung, sondern für alle Wirtschaftsbranchen ein wachsendes Problem“, erklärt Sebastian Bolay, Bereichsleiter Energie, Umwelt, Industrie bei der DIHK.

Die DIHK hat deshalb gemeinsam mit Vertretern aus Industrie, Gewerbe, Energiewirtschaft, Rechenzentren sowie Batterie- und Speicherbetreiber Vorschläge entwickelt, um der Netzanschlussproblematik zu begegnen. Das DIHK-Impulspapier „Zukunftssichere Netzanschlüsse“ setzt hierzu drei zentrale Forderungen in den Fokus: Die Modernisierung des Netzanschlussvergabeverfahrens, die optimale Auslastung vorhandener Netzkapazitäten, sowie die Vereinfachung und Harmonisierung von Antragsverfahren. 

„Bereits heute sind vielerorts die Anschlusskapazitäten bis 2029 ausgeschöpft. Ursachen sind zu langsamer Netzausbau, bürokratische und unzeitgemäße Verfahren, ein Mangel an Digitalisierung sowie fehlendes Personal. Hier müssen wir ran“, sagt Bolay. Neben einem konsequenten Netzausbau brauche es weitere Maßnahmen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmensstandorts einerseits und eine erfolgreiche Transformation des Energiesystems andererseits sicherzustellen.

Als ein zentrales Feld nennt das Impulspapier die Priorisierung von Netzanschlüssen. Denn bislang fehlen spezifische regulatorische und rechtliche Vorgaben zu deren Verteilung. „Je nach Projektart werden Anträge mal in Eingangsreihenfolge abgearbeitet, mal eigene Verfahren der Netzbetreiber genutzt. Das ist ineffizient und nicht transparent für die Kunden“, sagt Bolay. „Wir brauchen deshalb dringend einen bundesweit einheitlichen Rechtsrahmen, bei dem der Reifegrad und die Verbindlichkeit eines Projektes zum Zeitpunkt der Antragsstellung über die Priorisierung entscheiden.“ 

Weitere Potenziale sieht das Impuls-Papier in einer besseren Ausnutzung der vorhandenen Netzkapazitäten, zum Beispiel über finanzielle Anreize für flexible Netzanschlüsse. Mit einer durchgehenden Digitalisierung des Netzanschlussverfahrens könne zudem die Effizienz des Antragsprozesses gesteigert, Fristen festgelegt und Transparenz des Verfahrensstandes geschaffen werden. Gleichzeitig sei auch das Stromnetz selbst zu digitalisieren und für ein zukünftig dynamisches und regional differenziertes Netzentgelt fit zu machen. 

 Das DIHK-Impulspapier „Zukunftssichere Netzanschlüsse – Impulse für eine moderne Infrastrukturnutzung“ finden Sie hier.

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Julia Löffelholz

Pressesprecherin