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Dekarbonisierung und Wettbewerbsfähigkeit: Wie beides zusammen gelingt

Der Clean Industrial Deal der EU-Kommission soll Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit besser miteinander verbinden. Für Unternehmen in Deutschland und Europa eröffnet dies Chancen — vorausgesetzt, die Ziele werden pragmatisch und technologieoffen umgesetzt.

Die EU-Kommission hat mit dem Clean Industrial Deal ein Paket vorgelegt, das die Industrie stärken und gleichzeitig den grünen Umbau voranbringen soll. Aus Sicht der DIHK ist das ein wichtiger Schritt. Vieles klingt vielversprechend – doch ob der CID am Ende wirklich wirkt, entscheidet sich im Detail. Genau hier kommt es darauf an, was für die Unternehmen praktisch machbar ist und wo Hürden abgebaut werden müssen.

Die wichtigsten Aussagen im Überblick

  • Der Clean Industrial Deal setzt wichtige Impulse, die Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit verbinden sollen.
  • Hohe Energiepreise bleiben ein zentrales Problem – verlässliche und bezahlbare Energie wäre ein entscheidender Investitionsmotor.
  • Die Kreislaufwirtschaft bietet Chancen, braucht aber technologieoffene und praktikable Rahmenbedingungen.
  • KMU spielen eine Schlüsselrolle und benötigen einfache, unbürokratische Zugänge zu Förderung und Unterstützung.
  • Transformation gelingt nur mit einem ganzheitlichen, wirtschaftsnahen Ansatz, der Wertschöpfungsketten und Standortbedingungen voll berücksichtigt.

Einordnung des Clean Industrial Deal

Die EU-Kommission will mit dem CID mehrere bislang getrennt behandelte Themen zusammenführen: Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft, Energieversorgung, Wettbewerbsfähigkeit und Standortpolitik. Ziel ist es, den Green Deal wirtschaftlich abzusichern und gleichzeitig den industriellen Wandel zu beschleunigen.

Unternehmen in Deutschland betonen allerdings, dass die Wettbewerbsfähigkeit bereits heute spürbar unter hohen Energiepreisen, regulatorischer Unsicherheit und langsamen Planungsprozessen leidet. Der CID kann aus ihrer Sicht ein wichtiges Signal senden — wenn er auf praxistaugliche Lösungen setzt.

Energie und Kosten: Ein Schlüssel für Investitionen

Hohe Energie- und Produktionskosten gelten weiterhin als eines der größten Hemmnisse für den Standort Europa. Der CID adressiert dieses Problem, indem er Energieversorgung, Netzausbau und den Ausbau erneuerbarer Energien stärker verzahnt.

Aus Sicht der Wirtschaft ist entscheidend, dass Energie langfristig zu wettbewerbsfähigen Preisen verfügbar bleibt und Förderinstrumente so gestaltet sind, dass Unternehmen Planungssicherheit erhalten.

Kreislaufwirtschaft: Chancen und Grenzen

Die EU sieht im Übergang zu einer stärker zirkulären Industrie einen zentralen Baustein zur Sicherung von Versorgung, Rohstoffverfügbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit. Recycling und Wiederverwendung sollen deutlich gesteigert werden.

Die DIHK unterstützt diese Zielrichtung, betont jedoch: Für viele Branchen braucht es dafür technologieoffene Ansätze, moderne Infrastruktur und marktwirtschaftliche Anreize — statt detaillierter Einzelfestlegungen oder kleinteiliger Regulierung.

Mittelstand als Rückgrat der Transformation

Der Clean Industrial Deal hebt ausdrücklich hervor, dass auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) von Förderprogrammen, Beratungsangeboten und neuen Regelungen profitieren sollen. Das Motto „Think small first“ wird unterstrichen.

Aus Sicht der DIHK ist dies entscheidend: Viele KMU haben im Transformationsprozess weniger Ressourcen und benötigen einfache Zugänge, überschaubare Anforderungen und praxisnahe Unterstützung.

Ein ganzheitlicher Ansatz entscheidet

Die DIHK betont, dass Maßnahmen zur Dekarbonisierung und industriellen Transformation nur dann wirksam sind, wenn sie entlang der gesamten Wertschöpfungskette gedacht werden. Dazu gehören eine verlässliche Energie- und Rohstoffversorgung, eine leistungsfähige Infrastruktur und zügige Planungsverfahren ebenso wie Innovation und Technologieförderung. Auch Fragen der Finanzierung, der Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte sowie wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen im internationalen Vergleich spielen eine zentrale Rolle. 

Nur wenn all diese Faktoren gemeinsam berücksichtigt werden, kann der Clean Industrial Deal in der Wirtschaft tatsächlich Wirkung entfalten.

Relevant im Themenfeld:
Schwerpunkte:
  • Klima
  • Industrie
  • Kreislaufwirtschaft

Kontakt

Petri, Thorben_quer

Thorben Petri

Referatsleiter Europäische Wirtschaftspolitik