Die erratische US-Handelspolitik verändert die Strategien deutscher Unternehmen weltweit. Während viele Firmen mit Produktionsstandorten in den USA ihre Präsenz vor Ort nach dem ersten Schock wieder ausbauen, reagieren Unternehmen, die aus dem Ausland in die USA exportieren, überwiegend mit einer verstärkten Suche nach neuen Absatzmärkten. Das zeigt die Sonderauswertung USA des AHK World Business Outlook Frühjahr 2026.
"Die US-Zollpolitik wirkt längst wie ein globales Umlenkungsprogramm für Investitionen und Handelsströme", sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. "Unternehmen suchen nach Stabilität und Planbarkeit. Wo beides fehlt, werden Märkte neu bewertet, Lieferketten angepasst und Investitionen verlagert."
Für die konjunkturelle Entwicklung in den USA erwarten die deutschen Unternehmen vor Ort eine Eintrübung. Durch die Krise im Nahen Osten und bestehende handelspolitische Verwerfungen bleibt das wirtschaftliche Umfeld sehr angespannt. Dahingegen macht sich unter einer Mehrheit (46 Prozent) der deutschen Unternehmen vor Ort auf die Geschäfte wieder mehr Zuversicht breit. Auch die Investitionsabsichten deutscher Unternehmen in den USA ziehen wieder an: 41 Prozent wollen ihren Kapitaleinsatz erhöhen. Trotz deutlicher Verbesserung bleiben beide Werte jedoch weiterhin unter ihrem langjährigen Durchschnitt. Hinzu kommt: Handelsbarrieren gelten inzwischen als größtes Geschäftsrisiko für die deutschen Betriebe in den Staaten.
Die AHK-Unternehmen in den USA reagieren auf die höheren Importkosten vor allem mit Preiserhöhungen (68 Prozent) und einer stärkeren Lokalisierung von Lieferketten und Produktion (40 Prozent). Obwohl Unternehmen, die bereits vor Ort aktiv sind, von ihrer vorteilhaften Position im US-Markt profitieren können, wollen immerhin noch 15 Prozent davon ihre Absatzmärkte stärker diversifizieren, um potenziellen Umsatzverlusten entgegenzuwirken.
Zugleich steigt der bürokratische Aufwand für deutsche Unternehmen in den USA massiv an. 59 Prozent berichten von zusätzlicher Belastung durch Zollverfahren, Ursprungsnachweise und Compliance-Anforderungen. Neun Prozent mussten dafür bereits zusätzliches Personal einstellen oder externe Berater beauftragen. "Die USA werfen Europa regelmäßig Überregulierung vor – treiben mit ihrer Zollpolitik aber selbst den bürokratischen Aufwand massiv nach oben", sagt Treier. "Für international tätige Unternehmen wird Handel dadurch nicht planbarer, sondern aufwendiger, kostspieliger und fehleranfälliger."
Die Folgen reichen weit über die Vereinigten Staaten hinaus. Weltweit hat mehr als jedes zweite deutsche Unternehmen mit US-Geschäft bereits Maßnahmen als Reaktion auf die amerikanische Handelspolitik ergriffen. 14 Prozent reduzieren ihr US-Geschäft, 15 Prozent orientieren sich an neuen Märkten, weitere 18 Prozent konzentrieren sich stärker auf etablierte oder heimische Absatzmärkte. Besonders deutlich zeigt sich dieser Trend bei deutschen Unternehmen in China, Südafrika und Teilen Asiens. Dagegen profitieren Länder mit engen Handelsabkommen mit den USA – etwa Mexiko oder Argentinien – teilweise von neuen Geschäftschancen. "Der US-Markt ist unter dem Strich gesehen durch die Handelspolitik weniger attraktiv für deutsche Unternehmen – das gilt vor allem für Exporteure", so Treier. "Das gilt aber auch für die Unternehmen vor Ort, die auf internationale Lieferketten angewiesen sind."
Grundlage der Sonderauswertung ist der AHK World Business Outlook Frühjahr 2026 mit Rückmeldungen von weltweit mehr als 4.500 deutschen Mitgliedsunternehmen. Insgesamt haben die deutschen Auslandshandelskammern rund 48.000 Mitgliedsunternehmen, davon über 2.000 in den USA.
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Veröffentlicht 15.05.2026
Pressekontakt
Julia Fellinger
Pressesprecherin