Von den in den USA aktiven Unternehmen kommen im Befragungszeitraum 16. März bis 10. April 2026 widersprüchliche Signale. Nach dem Zollschock des vergangenen Jahres bewerten die Betriebe ihre aktuelle Situation wieder deutlich besser. Gleichzeitig verharren die Erwartungen der deutschen Betriebe an die konjunkturelle Entwicklung vor Ort im negativen Bereich. Mit den Kosten, die ihnen durch die US-Zollpolitik entstehen, gehen die Unternehmen strategisch um.
Einige Ergebnisse aus der Umfrage
- Gute aktuelle Geschäftslage: 43 % (zum Vergleich: Vorumfrage 39 %)
- Optimistische Geschäftserwartungen: 46 % ( zum Vergleich: Vorumfrage 31 %)
- Konjunkturerwartungen: 24 % positiv, 30 % negativ
- Höhere Investitionsabsichten: 41 % (zum Vergleich: Vorumfrage 26 %)
- Beschäftigungspläne: Personalaufbau 35 %, Personalabbau 10 % (zum Vergleich: Vorumfrage 19 %)
- Handelsbarrieren als Risiko: 56 % (zum Vergleich: weltweit 22 %)
Die Geschäftslage deutscher Unternehmen in den USA hat sich seit dem Tiefpunkt im Herbst 2025 merklich stabilisiert. 43 Prozent der Befragten berichten von einer guten Lage (Saldo: 31 Punkte), nach 39 Prozent im Vorjahr. Auch die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate sind deutlich aufgehellt: 46 Prozent der Befragten blicken optimistisch voraus, nach nur 31 Prozent im Herbst 2025.
Dennoch liegen beide Werte weiterhin unter dem langjährigen Durchschnitt für die USA-Standorte. Der Blick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung bleibt trüb: Nur 24 Prozent der Unternehmen erwarten eine konjunkturelle Verbesserung vor Ort, während 30 Prozent mit einer Verschlechterung rechnen. Der Saldo der Konjunkturerwartungen beträgt minus 6 Punkte.
"Die US-Zollpolitik wirkt längst wie ein globales Umlenkungsprogramm für Investitionen und Handelsströme."
Dr. Volker Treier
-- Außenwirtschaftschef | Mitglied der Hauptgeschäftsführung
Zollbürokratie kostet Zeit und Geld
Die US-Zollpolitik schlägt nicht nur auf Preise und Lieferketten durch – sie erzeugt auch erheblichen administrativen Mehraufwand. 59 Prozent der deutschen Unternehmen in den USA schätzen diesen Aufwand als moderat oder sogar erheblich ein. 9 Prozent mussten bereits zusätzliche Stellen schaffen oder externe Berater beauftragen.
Besonders komplex sind die Vorgaben bei Stahl- und Aluminiumzöllen. Zwar haben jüngste Anpassungen in diesem Bereich die Bürokratiekosten leicht reduziert – dafür sind durch neue Berechnungsregeln die eigentlichen Zollkosten für viele Unternehmen gestiegen. Hinzu kommen fortbestehende Nachweispflichten zum Ursprung des verbauten Stahls und Aluminiums.
Reaktionen gehen auch zulasten der US-Verbraucher
Auf die Zollpolitik der Trump-Regierung reagieren die Betriebe mit einem breiten Bündel strategischer Maßnahmen – dabei gehen sie pragmatisch vor. Das deutlichste Signal: Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) erhöhen ihre Preise, um gestiegene Importkosten aufzufangen. Die Zolllast wird damit überwiegend an US-amerikanische Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben.
Parallel dazu intensivieren die Unternehmen ihre lokale Wertschöpfung: Rund 40 Prozent richten ihre Lieferketten stärker auf lokale Bezugsquellen aus. Knapp ein Drittel (32 Prozent) setzt auf das Prinzip "local for local" – also Produktion in den USA für den US-Markt. Nur 8 Prozent planen eine Verringerung ihres US-Engagements; kein einziges Unternehmen erwägt einen vollständigen Rückzug.
US-Handelspolitik mit weltweiten Folgen
Etwas mehr als die Hälfte der im Rahmen des AHK World Business Outlook Frühjahr 2026 befragten deutschen Unternehmen weltweit (51 Prozent) haben US-Geschäft. Dabei betrifft die Handelspolitik der USA die Unternehmen an ihren Auslandsstandorten weltweit. Trotz des Urteils, mit dem der US Supreme Court im Februar einen zentralen Baustein des bestehenden Zollregimes der Trump-Administration für rechtswidrig erklärt hat, bestehen zahlreiche Zölle fort. Gleichzeitig drohen neue Abgaben.
In der Folge fährt jedes zweite US-aktive Unternehmen sein US-Geschäft herunter oder richtet sich auf andere Märkte aus. 14 Prozent dieser Betriebe verringern ihr US-Geschäft, 18 Prozent konzentrieren sich stärker auf ihre heimischen und etablierten Märkte, 15 Prozent richten ihren Blick auf neue alternative Absatzmärkte und diversifizieren ihre Geschäftsaktivitäten. 39 Prozent der Unternehmen mit US-Geschäft nehmen keine strategischen Veränderungen vor; nur 11 Prozent wollen ihre Aktivitäten in den USA ausbauen.
Downloads
Hier gibt es die kompletten Umfrageergebnisse in deutscher und englischer Fassung:
AHK World Business Outlook Frühjahr 2026: Sonderauswertung USA (PDF, 943 KB)
AHK World Business Outlook Spring 2026: Special Analysis USA (PDF, 939 KB)
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Veröffentlicht 15.05.2026
Ansprechpartnerin
Lola Marie Machleid
Referatsleiterin Internationale Konjunktur