Container und Ladekräne in einem Hafen

AHK World Business Outlook Frühjahr 2026: Weltwirtschaft im Krisenmodus

Der Krieg im Nahen Osten verschärft die globale Unsicherheiten. Hohe Energiepreise und Lieferkettenstörungen belasten deutsche Unternehmen weltweit. Der AHK World Business Outlook zeigt im Mai 2026: Die Konjunkturerwartungen brechen ein, Investitionen werden zurückgefahren.

Der Konflikt im Nahen Osten und die Blockade der Straße von Hormus treffen deutsche Unternehmen an ihren internationalen Standorten hart. Über 4.500 auslandsaktive Unternehmen haben sich im Frühjahr 2026 an der Umfrage der Deutschen Auslandshandelskammern (AHKs) beteiligt – mit ernüchternden Ergebnissen: Die Konjunkturerwartungen rutschen deutlich ins Minus. Energiepreise steigen rasant, Lieferketten sind gestört, die Nachfrage bleibt unsicher. 

"Die Hoffnung auf eine konjunkturelle Erholung hat sich zerschlagen. Der Krieg im Nahen Osten führt uns einmal mehr vor Augen, wie anfällig global verflochtene Wertschöpfungsketten sind."

Volker Treier am Geländer 2022

Dr. Volker Treier

-- Außenwirtschaftschef | Mitglied der Hauptgeschäftsführung

Die Unternehmen reagieren mit Zurückhaltung: Investitionen werden gekürzt, Personalplanungen fallen vorsichtiger aus. Gleichzeitig passen die Betriebe ihre Strategien an und setzen zunehmend auf Diversifizierung von Lieferanten, Erschließung neuer Absatzmärkte und verstärkte lokale Produktion.

Wesentliche Ergebnisse auf einen Blick

Konjunkturerwartungen

  • 21 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer besseren Konjunktur (Herbst 2025: 26 Prozent)
  • 32 Prozent erwarten eine Abschwächung (Herbst 2025: 24 Prozent)
  • Der Saldo aus positiven und negativen Erwartungen sinkt von plus 2 auf minus 11 Punkte und liegt merklich unter dem Durchschnittswert von plus 1 Punkt

Geschäftslage

  • 39 Prozent der Unternehmen stufen ihre Geschäftslage als gut ein, 13 Prozent als schlecht
  • Der Saldo aus positiven und negativen Einschätzungen steigt von 25 auf 26 Punkte
  • Die aktuelle Geschäftslage liegt weiterhin unter dem langjährigen Durchschnitt (33 Punkte)

Geschäftserwartungen

  • 43 Prozent rechnen mit besseren Geschäften (Herbst 2025: 44 Prozent)
  • 15 Prozent gehen von einer Verschlechterung aus (Herbst 2025: 10 Prozent)
  • Der Saldo aus positiven und negativen Erwartungen sinkt von 34 auf 28 Punkte und liegt wieder unter dem langjährigen Durchschnitt von 33 Punkten

Geschäftsrisiken (Mehrfachnennungen möglich)

  • 46 Prozent nennen hohe Energiepreise (Herbst 2025: 19 Prozent, langjähriger Schnitt: 30 Prozent)
  • 44 Prozent sehen Nachfragerisiken (Herbst 2025: 47 Prozent)
  • 40 Prozent sind besorgt wegen Lieferkettenstörungen (Herbst 2025: 20 Prozent) - Verdoppelung
  • 37 Prozent nennen steigende Rohstoffpreise (Herbst 2025: 21 Prozent)

Investitionsabsichten

  • 31 Prozent planen höhere Investitionen (Herbst 2025: 29 Prozent)
  • 22 Prozent wollen ihren Kapitaleinsatz reduzieren (Herbst 2025: 16 Prozent)
  • Der Saldo sinkt von 13 auf 9 Punkte und liegt damit unter dem langjährigen Durchschnitt (14 Punkte)

Beschäftigungsabsichten

  • 31 Prozent planen, ihren Personalbestand zu erhöhen
  • 16 Prozent rechnen mit einem Rückgang
  • Der Saldo aus steigenden und sinkenden Beschäftigungsabsichten verschlechtert sich leicht von 16 auf 15 Punkte und bleibt unter dem langjährigen Durchschnitt von 21 Punkten

Lage leicht verbessert, Aussichten eingetrübt

In dieser Situation rechnen nur noch 21 Prozent der Unternehmen für die kommenden zwölf Monate mit einer besseren konjunkturellen Entwicklung an ihren internationalen Standorten, während 32 Prozent von einer Verschlechterung ausgehen. 

Die aktuellen Zahlen zeigen aber auch: Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges im Nahen Osten sind noch nicht überall angekommen. Im Augenblick bewerten 39 Prozent der Betriebe ihre Lage als gut, 48 Prozent als befriedigend, 13 Prozent als schlecht. Damit hat sich die Lagebewertung gegenüber der Vorumfrage im Herbst im Durchschnitt nicht verschlechtert, sie fällt sogar etwas besser aus.

Wer ist besonders betroffen?

Bei den Erwartungen der Betriebe gibt es regional erhebliche Unterschiede: In China, den USA oder den Mercosur-Staaten blicken die Unternehmen aktuell vergleichsweise optimistisch auf die nächsten zwölf Monate, dagegen sind die Perspektiven in Asien und dem Nahen Osten deutlich eingetrübt.

Europa und Asien unter Druck

Eurozone: Nur 12 Prozent der Unternehmen erwarten eine bessere Konjunktur, 34 Prozent rechnen mit Verschlechterung. Italien ist besonders betroffen – das Land bezieht 35 Prozent seiner Erdgasimporte aus der Golfregion.

Asien-Pazifik (ohne China): 35 Prozent der Unternehmen sind pessimistisch. Länder wie Sri Lanka, Vietnam, Südkorea und Indien leiden unter hoher Energieimportabhängigkeit. In Vietnam sehen 80 Prozent der Unternehmen Lieferkettenstörungen als Geschäftsrisiko.

USA: Verhaltener Optimismus 

Obwohl die USA Nettoölexporteur sind, bleiben die Konjunkturerwartungen negativ (minus 6 Saldopunkte). Handelspolitische Unsicherheiten und die Rolle als Konfliktpartei im Nahen Osten belasten. Dennoch: Deutsche Unternehmen bauen ihre US-Standorte aus, um von "local for local"-Produktion zu profitieren.

China: Resilient, aber exportabhängig

China zeigt sich vergleichsweise stabil. Diversifizierte Ölimporte, strategische Reserven und deflationäre Tendenzen dämpfen kurzfristige Preisschocks. Dennoch: Die hohe Exportabhängigkeit bleibt ein Risiko. Die Konjunkturerwartungen liegen immerhin bei 2 Saldopunkten (Herbst 2025: minus 25 Punkte).

Süd- und Mittelamerika: Lichtblick dank Mercosur-Abkommen

10 Saldopunkte bei den Konjunkturerwartungen – die Region profitiert von der geografischen Distanz zur Golfregion, eigenen Ölvorkommen und dem Mercosur-Abkommen. 33 Prozent der Unternehmen erwarten eine Verbesserung, nur 23 Prozent rechnen mit Verschlechterung.

Golfregion: Geschäftslage bricht ein

In den Vereinigten Arabischen Emiraten fällt die Lagebewertung von 60 auf 8 Saldopunkte. Investitionsabsichten: minus 16 Punkte (Herbst 2025: plus 30 Punkte). Mitarbeiterentsendungen werden durch Sicherheitsrisiken erschwert.

Top-Risiko Energiepreise

Infolge des Nahost-Konflikts gewinnt das Geschäftsrisiko Energiepreise drastisch an Bedeutung: 46 Prozent der Unternehmen blicken mit Sorge auf die Preisentwicklung bei Öl, Gas & Co. – mehr als doppelt so viele wie in der Vorumfrage. Auf Platz zwei und drei der Geschäftsrisiken rangieren die Nachfrage (44 Prozent) und die Wirtschaftspolitik (42 Prozent) mit jeweils etwas weniger Nennungen als im Herbst 2025. Deutlich besorgter als zuvor sind die Unternehmen dagegen mit Blick auf Lieferkettenstörungen (40 Prozent) und steigende Rohstoffpreise (37 Prozent).

Wie die Betriebe gegensteuern

Die Unternehmen reagieren auf die zunehmenden geopolitischen Herausforderungen mit Maßnahmen zur Stärkung ihrer Resilienz. Zwei Drittel bauen ihr Lieferantennetzwerk aus oder planen dies. 76 Prozent setzen auf die Erschließung neuer Auslandsstandorte, 46 Prozent berichten von erhöhten Investitionen vor Ort.

Downloads

Neben dem kompletten Report in einer deutschen und einer englischen Fassung finden Sie hier auch den statistischen Anhang:

AHK WBO Frühjahr 2026  (PDF, 2 MB)

AHK WBO Spring 2026  (PDF, 2 MB)

Statistischer Anhang (PDF, 2 MB)

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  • Außenwirtschaft

Ansprechpartnerin

Machleid, Lola_quad

Lola Marie Machleid

Referatsleiterin Internationale Konjunktur