Die deutsche Wirtschaft muss sich auf eine neue Wettbewerbsrealität einstellen. Chinesische Hersteller konkurrieren längst nicht mehr nur über den Preis, sondern haben qualitativ und technologisch enorm aufgeholt. Die deutschen Unternehmen stecken deshalb aber nicht den Kopf in den Sand, sondern suchen aktiv nach eigenen Antworten.
Die DIHK hat im Juli und August 2026 rund 1.300 Unternehmen aus Industrie, Handel und dem Dienstleistungssektor zu ihrer Einschätzung der Situation und zu ihren Strategien befragt.
Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick
- Zwei Drittel der Unternehmen spüren zunehmend die Konkurrenz durch chinesische Wettbewerber
35 Prozent der Betriebe bewerten den Wettbewerbsdruck als stark oder sehr stark. Besonders betroffen sind die Industrie und in China engagierte Unternehmen. - Der Wettbewerbsdruck wird im EU-Binnenmarkt stärker wahrgenommen als in Drittmärkten.
Industrieunternehmen stehen vor allem im EU-Binnenmarkt, Handelsbetriebe insbesondere im Inland unter Druck. Unternehmen mit Investitionen beziehungsweise Standorten in der Volksrepublik spüren die Konkurrenz am stärksten im chinesischen Binnenmarkt. - Innovation ist die wichtigste Antwort auf den zunehmenden Wettbewerb
Ein Rückzug aus umkämpften Geschäftsfeldern kommt für 88 Prozent der Betriebe nicht infrage. Stattdessen setzen 60 Prozent der Unternehmen auf Produktinnovation, 50 Prozent auf Kostensenkung, 39 Prozent verstärken die Suche nach neuen Absatzmärkten, um dem zunehmenden Wettbewerb aus China zu begegnen, 31 Prozent kooperieren mit chinesischen Partnern. - Die Unternehmen erwarten vor allem ein geeintes Vorgehen Europas
67 Prozent der Befragten fordern, dass die EU geschlossen gegenüber China auftritt, 60 Prozent finden, die EU sollte strategische Abhängigkeiten reduzieren, 49 Prozent wünschen sich den Ausschluss chinesischer Unternehmen von kritischer Infrastruktur, und 36 Prozent plädieren für eine stärkere Beschränkung des EU-Binnenmarktes. - Wettbewerbsverzerrungen mit stärkeren EU-Maßnahmen begegnen
55 Prozent der Unternehmen stimmen stärkeren handelspolitischen Maßnahmen gegenüber China zu oder eher zu – auch dann, wenn sie selbst von negativen Konsequenzen betroffen wären. 37 Prozent lehnen dies eher oder vollständig ab.
Breite der Wirtschaft betroffen
Eine wachsende Konkurrenz durch chinesische Wettbewerber verzeichnen zwei Drittel der antwortenden Unternehmen. Besonders hoch ist die Betroffenheit in der Industrie, wo 83 Prozent der Betriebe von zunehmendem Wettbewerbsdruck berichten; 50 Prozent spüren diesen sogar stark oder sehr stark. Im Handel nehmen 73 Prozent eine wachsende Konkurrenz wahr, während andere Dienstleister, Verkehrs- und Logistikunternehmen mit jeweils rund einem Drittel deutlich seltener betroffen sind.
Neben der Branche spielt auch die Art der Geschäftsbeziehung zu China eine Rolle dafür, wie stark der Wettbewerb spürbar ist: Von den Unternehmen mit Investitionen oder eigenen Standorten in China nehmen 88 Prozent Konkurrenzdruck wahr, gefolgt von Betrieben mit Exportgeschäft nach China (86 Prozent) beziehungsweise mit Importgeschäft aus China (82 Prozent). Unter den Betrieben ohne direkte Geschäftsbeziehungen mit der Volksrepublik spüren immerhin 38 Prozent die wachsende Konkurrenz chinesischer Wettbewerber.
Innovation statt Rückzug
Um sich zu wappnen, ergreifen die Unternehmen Maßnahmen zur Stärkung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit: 60 Prozent setzen auf Produktinnovation, 50 Prozent auf Kostensenkung. 39 Prozent suchen verstärkt nach neuen Absatzmärkten. 31 Prozent der Unternehmen kooperieren mit chinesischen Partnern; bei Betrieben, die Waren und Vorleistungen aus China beziehen, sind es sogar 49 Prozent. 19 Prozent der deutschen Unternehmen planen aufgrund der wachsenden chinesischen Konkurrenz eine Verlagerung ihrer Investitionen, unter den bereits vor Ort engagierten Betrieben sind es mit 38 Prozent doppelt so viele. Ein Rückzug aus ihrem bisherigen Geschäftsfeld kommt dagegen nur für 12 Prozent der Betriebe infrage.
Wirtschaft erwartet ein geschlossenes Europa
Die Mehrheit der Unternehmen wünscht sich europäische Handlungsfähigkeit im Umgang mit der wachsenden Konkurrenz aus China und eine Strategie, die Europa resilienter macht: 67 Prozent der Befragten sprechen sich für ein gemeinsames außenwirtschaftliches Auftreten der EU aus. 60 Prozent geben an, die EU sollte strategische Abhängigkeiten reduzieren, 49 Prozent wünschen sich mehr Schutz der kritischen Infrastruktur.
Restriktivere handelspolitische Instrumente erhalten demgegenüber weniger Zustimmung: Insgesamt befürworten nur 36 Prozent der Unternehmen einen stärker begrenzten Zugang zum EU-Binnenmarkt – unter den Betrieben, die Druck auf dem Binnenmarkt spüren, sprechen sich allerdings 42 Prozent für eine stärkere Abschottung aus. 31 Prozent der Befragten wünschen sich einen stärker marktbestimmten Renminbi-Wechselkurs, ebenso viele stärkere Handelsschutzmaßnahmen. Zugleich befürworten 25 Prozent den Abbau gegenseitiger Handels- und Investitionshürden, 18 Prozent erleichterte Innovationspartnerschaften. 7 Prozent lehnen aus Sorge vor Gegenmaßnahmen zusätzliche Markteingriffe ab.
Die bevorzugten Maßnahmen unterscheiden sich dabei je nach Unternehmensausrichtung. Betriebe ohne China-Geschäft plädieren überdurchschnittlich häufig für den Abbau strategischer Abhängigkeiten (64 Prozent) und den Ausschluss chinesischer Unternehmen von kritischen Infrastrukturprojekten (54 Prozent). Unternehmen mit China-Export-Geschäft oder -Investitionen befürworten dagegen öfter den Abbau von Handels- und Investitionshürden (32 beziehungsweise 38 Prozent) sowie einen stärker marktbestimmten Wechselkurs (41 beziehungsweise 43 Prozent).
EU sollte handelspolitisch aktiver sein
Wie sollte die EU Wettbewerbsverzerrungen im Verhältnis zu China begegnen? Während sich 37 Prozent der Befragten stärkere handelspolitische Maßnahmen ablehnen oder eher ablehnen, sprechen sich insgesamt 55 Prozent der Unternehmen dafür oder eher dafür aus – auch dann, wenn sie dabei selbst von negativen Konsequenzen betroffen wären. Am häufigsten findet sich Zustimmung bei Betrieben ohne direktes China-Geschäft (58 Prozent), bei Unternehmen mit Export- oder Importgeschäft sind es 54 beziehungsweise 52 Prozent, bei Betrieben mit Investitionen oder Standorten in China nur 49 Prozent. In der Industrie votieren 59 Prozent für handelspolitische Eingriffe, im Handel nur 51 Prozent. Bemerkenswert: Selbst von den Unternehmen, die keinen direkten Wettbewerbsdruck durch China wahrnehmen, befürworten 46 Prozent stärkere handelspolitische Maßnahmen.
China-Wettbewerb geprägt von Preis- und Kostendruck
Aus den Freitextantworten der Unternehmen geht hervor, dass die Ursache der Wettbewerbsprobleme oft nicht allein in China gesehen wird, sondern auch in europäischen Standortnachteilen wie Bürokratie und Energiekosten. Gleichzeitig haben chinesische Hersteller in vielen Segmenten technologisch aufgeholt. Wo deutsche Unternehmen einen Qualitätsvorsprung haben, reicht dieser oft nicht aus, um den Kostennachteil auszugleichen. Die befragten Betriebe nannten insbesondere diese Punkte:
- Deutsche Unternehmen haben deutlich höhere Energie- oder Arbeitskosten als chinesische Wettbewerber.
- Deutsche und europäische Betriebe sind mit einer Vielzahl an Regulierungen konfrontiert.
- Die "China First"-Politik der chinesischen Regierung erschwert deutschen Unternehmen den Zugang zum chinesischen Markt.
- Der unterbewertete Renminbi und chinesische Subventionen verschaffen chinesischen Exporteuren unlautere Wettbewerbsvorteile.
- China kann eigene Unternehmen beim Zugang zu kritischen Rohstoffen bevorzugen.
- Deutsche Unternehmen sehen sich vielfach illegaler Produktnachahmung und dem Diebstahl geistigen Eigentums ausgesetzt.
Die Rückmeldungen zeigen allerdings auch, dass viele Unternehmen auf günstige Vorprodukte aus China beziehungsweise günstige Produktionsbedingungen in chinesischen Standorten angewiesen sind, um wettbewerbsfähig bleiben zu können.
Download
Die kompletten Umfrageergebnisse sind hier abrufbar:
- Publikation
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"Deutsche Wirtschaft im Wettbewerb mit China"
DIHK-Sonderumfrage von September 2026 - Zusammenfassung
- Im Zeitraum vom 20. Juli bis zum 10. August 2026 haben DIHK und der IHKs ihre Ausschussmitglieder befragt; 1.325 Unternehmen beteiligten sich an der Umfrage. Nach Wirtschaftszweigen verteilen sich die Antworten auf Industrie (55 Prozent), Baugewerbe (fünf Prozent), Handel (17 Prozent), Verkehr und Logistik (fünf Prozent), sonstige Dienstleister (18 Prozent) und Gastgewerbe (weniger als ein Prozent).
- Informationen
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Dateiformat: PDF (barrierefrei)
Dateigröße: 1 MB
Stand: September 2026
Seitenumfang: 12 Seiten
- Relevant im Themenfeld:
- Internationaler Handel
- Schwerpunkte:
-
- Außenwirtschaft
Veröffentlicht 03.09.2026
Ansprechpartner
Andrea Hideg
Referatsleiterin Ostasien (Greater China, Korea, Japan)
Klemens Kober
Referatsleiter Handelspolitik, transatlantische Beziehungen und EU-Zollfragen
Lola Marie Machleid
Referatsleiterin Internationale Konjunktur