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Digitale Prüfungen für eine moderne Berufswelt

Die IHK-Organisation treibt die Digitalisierung beruflicher Prüfungen voran – mit dem Ziel, Qualität, Praxisnähe und Effizienz deutlich zu steigern. Eine bundesweite Prüfungsplattform soll Papierprozesse ablösen, Prüfer entlasten und gleichzeitig Fairness sowie Rechtssicherheit sichern.

Tablets statt Papierstapel, Software statt Schreibblock: Unsere Arbeitswelt befindet sich schon lange im Wandel. Digitalisierung, vernetzte Prozesse und immer neue Technologien prägen den Berufsalltag. Damit verändern sich auch die Anforderungen an berufliche Prüfungen – weg von Füller und Rotstift hin zu digitalen Prüfungsplattformen.

Genau das treibt die IHK-Organisation nun im Ausbildungsbereich voran. Ziel ist es, die Prüfungsqualität auszubauen, Praxisnähe zu stärken und gleichzeitig Prüferinnen und Prüfer organisatorisch zu entlasten.

In der Fort- und Weiterbildung sind digitale Prüfungen mit jährlich mehr als 100.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern bereits erfolgreich im Einsatz. In der Ausbildung soll nun ähnlich umfassend digitalisiert werden. Klar ist dabei: Prüfungen müssen die Realität moderner Berufe abbilden, in denen digitale Anwendungen längst zum Alltag gehören. Nur so können sie auch künftig ein verlässliches Bild der vorhandenen beruflichen Handlungskompetenz zeichnen.

Antwort auf neue Anforderungen 

Berufliche Prüfungen sind ein zentraler Bestandteil der Fachkräftesicherung. Jährlich legen etwa 250.000 Auszubildende ihre Abschlussprüfungen bei den IHKs ab. Papierbasierte Prüfungen stoßen dabei zunehmend an ihre Grenzen. Digitale Formate eröffnen neue Möglichkeiten, etwa bei der Darstellung komplexer Aufgabenstellungen oder für eine leichtere Auswertung. Entscheidend ist dabei, dass die Digitalisierung keinem Selbstzweck dient. Sie sichert Qualität und Aussagekraft der Prüfungen.

Mehr Effizienz auf einheitlicher Plattform 

Die IHK-Organisation hat sich auf den Aufbau einer gemeinsamen, bundesweiten IHK-Prüfungsplattform verständigt, auf der perspektivisch alle schriftlichen IHK-Prüfungen digital durchgeführt und korrigiert werden sollen. Die so entstehende einheitliche technische Basis löst auch die vielen bereits bestehenden regionalen Einzellösungen ab.

Besonders bei den Korrekturen wird es spürbare Vorteile für Prüferinnen und Prüfer sowie für die IHKs geben. So verlieren beispielsweise unleserliche Handschriften ihren Schrecken, und die Fehlersuche lässt sich oft teilautomatisiert, in jeden Fall aber effizienter gestalten. Auch organisatorische und logistische Abläufe werden vereinfacht, und der Papieraufwand sinkt deutlich.

Gleichzeitig können digitale Verfahren für mehr Transparenz und Flexibilität im Prüfungsprozess sorgen. Ziel ist, dass sich Prüferinnen und Prüfer stärker auf ihre fachliche Bewertung konzentrieren und sich nicht mit organisatorischen Aufgaben aufhalten müssen.

Schrittweise Einführung mit klarer Begleitung 

Die Einführung digitaler Prüfungen erfolgt bewusst nach und nach. Die ZPA Nord-West (Zentralstelle für Prüfungsaufgaben) hat in einer 2023 gestarteten Pilotphase erfolgreich erprobt, wie Ausbildungsprüfungen digital umgesetzt werden können. Als eine der vier IHK-Aufgabenstellungseinrichtungen führte sie dafür bundeseinheitliche schriftliche Zwischenprüfungen in 13 ausgewählten kaufmännischen und kaufmännisch-verwandten Ausbildungsberufen durch. Nun sollen die schriftlichen Ausbildungsprüfungen sukzessive ganzheitlich digitalisiert werden und der Fokus auf der Entwicklung von neuen digitalen Aufgabenstellungen liegen. Begleitende Tests und Qualitätssicherungsmaßnahmen sind feste Bestandteile des Projekts.

Parallel werden Prüferinnen und Prüfer gezielt unterstützt, etwa durch Schulungen, Anleitungen und konkrete Ansprechpartner in den IHKs. So soll ein sicherer und reibungsloser Übergang vom analogen ins digitale System gewährleistet werden.

Hohe Anforderungen an Fairness und Rechtssicherheit 

Im digitalen Format gelten die gleichen hohen Standards wie bei konventionellen Prüfungen. Vergleichbarkeit, Fairness und Rechtssicherheit bleiben zentrale Maßstäbe. Es muss gewährleistet sein, dass bundesweit alle Auszubildenden nach denselben Regeln geprüft und bewertet werden. Auch beim Ablauf der Prüfung gilt es, Transparenz und rechtliche Eindeutigkeit sicherzustellen.

Gleichzeitig ist die Umsetzung sehr anspruchsvoll: Die Zielgruppen sind heterogen, nicht alle Prüflinge und Prüfer verfügen über vergleichbare digitale Kompetenzen. So ist zum Beispiel nicht jeder Auszubildende darin geübt, längere Texte am Computer zu tippen. Auch die technische Infrastruktur an den Prüfungsorten muss zuverlässig funktionieren, insbesondere bei einer hohen Teilnehmerzahl. Schließlich dürfen Prüfungen nicht ins Stocken geraten, nur weil zu viele Prüflinge gleichzeitig auf die Plattform zugreifen.

Vertrauen bleibt entscheidend 

Für die IHK-Organisation steht fest: Das Vertrauen in die Prüfungen muss unbedingt erhalten bleiben. Digitale Prüfungen sollen entlasten und keinesfalls zu Unsicherheiten oder Misstrauen führen. Umso wichtiger ist es, dass sie mindestens genauso fair, vergleichbar und rechtssicher ablaufen wie analoge Verfahren.

Wenn das gelingt, bietet das digitale Prüfen einen echten Mehrwert – für Prüflinge und Prüfer ebenso wie für Unternehmen und die Zukunft der beruflichen Ausbildung.
 

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  • Ausbildung

Ansprechpartnerin

Ziegler, Antje_quad

Antje Ziegler

Referatsleiterin Digitales Prüfen