DIHK fordert Nachbesserungen beim CO₂-Grenzausgleich 

Melanie Vogelbach: "Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit müssen Hand in Hand gehen"

Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) setzt sich für eine rasche Überarbeitung des europäischen CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) ein. Rückmeldungen aus der unternehmerischen Praxis zeigen, dass viele Betriebe mit hohem bürokratischem Aufwand, steigenden Kosten und fehlender Planungssicherheit kämpfen. Ohne Nachsteuerungen drohten Wettbewerbsverzerrungen, Verlagerungen von Lieferketten und ein schleichender Verlust industrieller Wertschöpfung in Europa. Grundlage sind zahlreiche Rückmeldungen aus Industrie, Handel und Logistik. "Die Unternehmen stehen ohnehin unter erheblichem Druck – durch schwierige Standortbedingungen, hohe Kosten und zunehmende Handelshemmnisse. Europäische Klimaschutzambitionen dürfen diese Belastungen nicht weiter verschärfen. Genau das erleben viele Betriebe aber derzeit mit dem CO₂-Grenzausgleich", erklärt Melanie Vogelbach, Leiterin des Bereichs für Internationale Handelspolitik bei der DIHK. 

Aus Sicht der DIHK ist ein wirksamer Schutz vor sogenanntem Carbon Leakage unverzichtbar. Gemeint ist die Verlagerung von Produktion in Länder mit geringeren Klimaschutzauflagen. Gerade energie- und rohstoffintensive Industrien sind auf faire Wettbewerbsbedingungen angewiesen, damit Investitionen und Wertschöpfung in Europa gehalten werden können. "Klimaschutz und Wettbewerbsfähigkeit müssen Hand in Hand gehen. Europa darf nicht riskieren, dass Produktion und Investitionen an andere Standorte abwandern. Dafür braucht es faire Wettbewerbsbedingungen", betont Vogelbach. 

Besonders kritisch bewertet die DIHK die bislang fehlende Lösung für Exporte. Während bestimmte Grundstoffimporte in die Europäische Union mit einem CO₂-Preis belastet werden, belasten diese erhöhten Inputpreise für nachgelagerte Wertschöpfungszweige die Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten. Hier sind Anbieter aus Ländern ohne vergleichbare CO₂-Kosten im Vorteil. Zudem müsse der CO₂-Grenzausgleich eng mit weiteren industriepolitischen Vorhaben der Europäischen Union abgestimmt werden, etwa den Maßnahmen zum Schutz der Stahlindustrie und dem geplanten Industrial Accelerator Act. "Ein zentraler Konstruktionsfehler des CBAM ist die fehlende Exportlösung. Europäische Unternehmen dürfen auf den Weltmärkten nicht mit zusätzlichen Lasten ins Rennen geschickt werden, während ihre Wettbewerber diese Kosten gar nicht tragen", sagt Vogelbach. 

Die Belastungen reichen nach den Erfahrungen der Unternehmen inzwischen weit über die Grundstoffindustrie hinaus. Betroffen sind auch nachgelagerte Wertschöpfungsstufen, Handelsunternehmen und exportorientierte Mittelständler. Viele Unternehmen berichten von zusätzlichen Dokumentationspflichten und erheblichem Umsetzungsaufwand. "Die Unternehmen brauchen keine zusätzliche Regulierungsspirale. Wer Klimaschutz wirksam gestalten will, muss Bürokratie begrenzen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit im Blick behalten. Gerade der Mittelstand ist auf praktikable und verlässliche Regeln angewiesen", so Vogelbach. 

Die DIHK fordert daher von Bundesregierung und EU-Kommission, Standardwerte realitätsnah auszugestalten, Zertifizierungsfristen zu verlängern und Nachweisketten grundlegend einfacher zu gestalten. Künftige Erweiterungen des Systems müssten mittelstandfreundliche, praxisnahe Prozesse als Grundlage haben. Vor allem braucht es schnell eine tragfähige Lösung für Exporte. "Die Transformation gelingt nur, wenn sie wirtschaftlich tragfähig bleibt. Europa muss beim Klimaschutz Vorreiter sein – aber nicht zum Standort mit den höchsten Lasten werden", mahnt Vogelbach. 

Weitere Informationen und das DIHK-Impulspapier "CBAM-Herausforderungen 2026" zum Download finden Sie hier.

Relevant im Themenfeld:
Schwerpunkte:
  • CBAM
  • Klima

Pressekontakt

Fellinger, Julia_test

Julia Fellinger

Pressesprecherin

Schraff, Susanne_test

Susanne Schraff

Pressesprecherin