Der Weg zur Klimaneutralität im Gebäudesektor bleibt ein Kraftakt: Ambitionierte Ziele treffen auf einen anhaltenden Bau- und Sanierungsstau, steigende Energie- und Materialkosten, lange Genehmigungsprozesse sowie eine große Heterogenität des Gebäudesektors. Bei der DIHK-Konferenz „Aufbruch im Gebäudesektor: Klimaneutral. Wirtschaftlich. Zukunftsfähig.“ diskutieren heute (28. Mai) Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Politik, wie sich Neubau, Sanierung und Wärmewende trotz hoher Kosten, komplexer Regeln und Fachkräftemangel wirtschaftlich und zukunftsfähig umsetzen lassen. „Die Unternehmen stehen zum Ziel der Klimaneutralität. Entscheidend ist jetzt, dass die Transformation im Gebäudesektor machbar, bezahlbar und investitionsfähig organisiert wird“, sagt DIHK-Präsident Peter Adrian anlässlich der Konferenz. „Um Klimaneutralität im Gebäudesektor zu erreichen, braucht es die richtige Balance zwischen dem notwendigen schrittweisen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und praxistauglichen Regelungen“.
Mit verschiedenen Gesetzesinitiativen hat die Bundesregierung den Gebäudesektor zuletzt verstärkt ins Visier genommen: Nachdem im letzten Jahr bereits der sogenannte Bauturbo in Kraft getreten ist, wurden in den vergangenen Wochen weitere zentrale Vorhaben und Reformen angestoßen – von der Novelle des Baugesetzbuchs über die Wärmeplanung bis hin zum Gebäudemodernisierungsgesetz. „Die Vielfalt der Bau- und Immobilienbranche und die großen Herausforderungen im Gebäudesektor erfordern flexible, technologieoffene Lösungen“, sagt Adrian. Das Gebäudemodernisierungsgesetz setze hierzu sinnvolle Impulse: „Es ist richtig, dass die Bundesregierung die starren Vorgaben für Heizungen abschafft und viel mehr Wahlfreiheit ermöglicht. Damit diese Wahlfreiheit in der Praxis funktioniert, müssen ungeklärte Fragen zum Beispiel zur Ausgestaltung der sogenannten Bio-Treppe, zur Kostenverteilung zwischen Mietern und Vermietern oder zum Entwicklungspfad nach 2040 schnell geklärt werden.“ Gleichzeitig brauche es schlanke, praxistaugliche Nachweise sowie klare Zertifizierungsregeln, damit klimafreundliche Optionen tatsächlich planbar werden. Zentral sei deshalb, dass die Bundesregierung die Verfügbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Effizienz klimafreundlicher Brennstoffe im Blick behalte: „Bei Biomethan und biogenen Brennstoffen sind Mengen und Kosten heute nicht verlässlich planbar. Die Bundesregierung muss daher schnell handeln, sonst werden Gas- und Ölheizungen zur Kostenfalle“, so Adrian.
Grundsätzlich gelte es, EU-Vorgaben, wie die der Gebäudeeffizienzrichtlinie, in Deutschland ohne nationale Verschärfungen umzusetzen und bestehende Spielräume für schlanke und praxistaugliche Regelungen zu nutzen. „Die Zielrichtung Klimaneutralität des Gebäudesektors unterstützen wir, aber die Umsetzung muss sich an technischer und wirtschaftlicher Realisierbarkeit orientieren“, sagt Adrian. „Der zweite europäische Emissionshandel sollte für den Gebäudesektor als marktwirtschaftliches und technologieoffenes Instrument wirksam greifen können und nicht durch ambitionierte nationale Sonderregelungen ausgebremst werden.“ Auf europäischer Ebene solle sich die Bundesregierung zudem für praktikablere Vorgaben einsetzen. Andernfalls drohten überzogene Neubaustandards, Renovierungs- und Solarpflichten. Dies würde zu erheblichen Investitionsrisiken für Unternehmen führen. „Mindestens genauso wichtig ist, Verfahren zu beschleunigen: Genehmigungen und Planung müssen schneller, digitaler und verlässlicher werden, sonst scheitert die Wärmewende an Zeit und Bürokratie.“
Ziel müsse eine ganzheitliche und bezahlbare Transformation im Gebäudesektor sein. „Zentral sind jetzt verlässliche und rechtssichere Rahmenbedingungen, um zügig Planungssicherheit für Unternehmen zu schaffen. Wichtige regulatorische Entscheidungen dürfen nicht erneut über Monate, gar Jahre hinaus verzögert werden.“
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Veröffentlicht 28.05.2026
Pressekontakt
Julia Löffelholz
Pressesprecherin