Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) unterstützt das Ziel der EU-Kommission, die europäische Normung schneller und agiler zu gestalten. Dabei ist es wichtig, dass die bewährten Grundprinzipien von Transparenz, Qualität, Konsens und breite Stakeholder-Beteiligung erhalten bleiben. Kritisch sieht die DIHK eine mögliche Fragmentierung des Systems sowie den Aufbau von Parallelstrukturen, etwa durch sogenannte "Common Specifications".
Das Wichtigste in Kürze
- Bewährten Grundprinzipien des europäischen Normungssystems − die breite Beteiligung aller Stakeholder, die hohe Qualität sowie transparente und konsensbasierte Entscheidungsprozesse – sollten gewahrt bleiben.
- Die Einführung von Common Specifications als Alternative zu harmonisierten Normen wird aus mehrheitlicher Sicht der Unternehmen kritisch gesehen. Sie würden das bewährte, konsensbasierte öffentlich-private Partnerschaftsmodell untergraben und parallele Strukturen aufbauen.
- Vielmehr sollten bestehende Prozesse gezielt verbessert werden, insbesondere die Verfahren zur Annahme von Normungsaufträgen und der Veröffentlichung harmonisierter Normen.
- Der Prüfprozess durch die HAS-Consultants sollte effizienter und kooperativer gestaltet werden, um spätere, zeitaufwendige Korrekturschleifen zu vermeiden.
- Ein verbindlicher, transparenter Ablauf zur zeitnahen Veröffentlichung harmonisierter Normen im EU-Amtsblatt nach erfolgreicher Prüfung würde die Planungssicherheit für Unternehmen deutlich erhöhen.
- Die DIHK setzt sich dafür ein, mithilfe digitaler und KI-gestützter Werkzeuge sowie virtueller Beteiligungsformate Prozesse zu beschleunigen und dadurch insbesondere KMU und Start-ups die Mitarbeit zu erleichtern.
- Ein kostenfreier Zugang zu rechtsrelevanten Norminhalten würde Rechtssicherheit und Transparenz für Unternehmen erhöhen.
Hintergrund
Die Europäische Kommission hat im Sommer 2025 die Überarbeitung der Verordnung (EU) Nr. 1025/2012 ("EU-Normungsverordnung") eingeleitet. Die Verordnung legt die Grundregeln für das europäische Normungssystem fest. Ziel ist, die Normentwicklung zu beschleunigen und zu vereinfachen, die Beteiligung aller Interessengruppen zu verbessern, den Zugang zu Normen zu erleichtern und die internationale Rolle Europas zu stärken.
Der Konsultation vorausgegangen war eine Evaluation der Verordnung. Diese kam zu dem Ergebnis, dass das europäische Normungssystem grundsätzlich effizient und kohärent funktioniert, gleichzeitig aber auch vor zahlreichen Herausforderungen steht:
- Langwierige und komplexe Prozesse: Ein Normungsverfahren dauert im Durchschnitt rund sechs Jahre. Davon entfallen etwa drei Jahre auf die fachliche Ausarbeitung und Konsensbildung, während die übrige Zeit vor allem auf Abstimmungs-, Prüf- und Veröffentlichungsprozesse zurückgeht.
- KMU und Start-ups sind weiterhin unterrepräsentiert: Es fehlt häufig an Ressourcen, Kapazitäten und Fähigkeiten, sich auf europäischer, nationaler und internationaler Ebene wirksam an komplexen und zeitaufwändigen Normungsprozessen beteiligen zu können. Normungsexpertise und Finanzierung bleiben Herausforderung für Stakeholder.
- Zusätzliche Herausforderungen: Schnellere Technologiezyklen in den digitalen und grünen Bereichen, geoökonomische Entwicklungen und das Malamud-Urteil (Stichwort: freier Zugang zu harmonisierten Normen) erhöhen den Anpassungsdruck.
Mit der Konsultation hat die Europäische Kommission Anregungen für die Überarbeitung gesammelt. Die DIHK hat Ihre Vorschläge in einer Stellungnahme eingebracht. Der Entwurf einer überarbeiteten EU-Normungsverordnung wird laut Arbeitsprogramm der EU-Kommission im dritten Quartal 2026 erwartet.
Download
DIHK-Stellungnahme zur Konsultation über einen Vorschlag für eine Überarbeitung der Verordnung Nr. 1025 /2012 zur europäischen Normung ist hier abrufbar:
DIHK-Stellungnahme vom 10. Dezember 2025 (PDF, 132 KB)
- Relevant im Themenfeld:
- Innovation
- Schwerpunkte:
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- Digitalisierung
- Bürokratie
- Handel
Veröffentlicht 10.12.2025
Aktualisiert 22.12.2025
Ansprechpartnerin
Alena Kühlein
Referatsleiterin Dienstleistungswirtschaft