TdW_Symbolbild

Ein Jahr Hightech Agenda Deutschland: viel versprochen, viel noch offen

Sechs Zukunftstechnologien soll die Hightech Agenda der Bundesregierung von 2025 voranbringen und die Innovationsdynamik hierzulande langfristig steigern. Ein Jahr später sieht die Wirtschaft noch Nachbesserungsbedarf: Viele Vorschläge seien zu unkonkret und zu wenig mittelstandsorientiert.

Deutschland will bei Künstlicher Intelligenz (KI), Mikroelektronik und weiteren Schlüsseltechnologien wieder zur internationalen Spitze aufschließen. Mit der "Hightech Agenda Deutschland” (HTAD) hat das Bundeskabinett dafür vor rund einem Jahr einen ambitionierten innovationspolitischen Fahrplan vorgelegt: Sechs Zukunftstechnologien,fünf strategische Forschungsfelder und neun zentrale Hebel sollen dazu beitragen, dieInnovationsdynamiklangfristig zu erhöhen.Inzwischen verdeutlichen erste Roadmaps, wohin die Reise gehen soll. Damit die strategischen Ambitionen auch erfolgreich in die Praxis umgesetzt werden können, besteht aus Sicht der Wirtschaft aber noch Nachbesserungsbedarf.

Überblick über den Status quo

Flankiert wird die Förderung der sechs Schlüsseltechnologien (KI, Biotechnologie, Quantentechnologie, Fusion und klimaneutrale Energieerzeugung, Mikroelektronik sowie Technologien für die klimaneutrale Mobilität) von wiederum neun definierten Hebeln. Dabei handelt es sich um strategische Instrumente, die Forschung schneller in marktfähige Innovationen überführen sollen. Durchdie Kombination von gezielter Technologieförderung und Stärkung der Innovationsstrukturen schaffen sie die Voraussetzungen für nachhaltige Wertschöpfung, wirtschaftliches Wachstum und technologische Souveränität.In Partnerdialogen mit verschiedenen Stakeholdern wurden zum Jahresbeginn erste Roadmaps erstellt. Auf dieser Grundlage verfasste die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) zusammen mit den rund 140 Innovations- und Technologieberatern und -beraterinnen der Industrie- und Handelskammern (IHKs) im Juni dieses Jahres dasDiskussionspapier Hightech Agenda Deutschland - Roadmaps und Hebel im Praxischeck (PDF, 168 KB). Es liefert Empfehlungen für die weitere Ausgestaltung der HTAD.

Roadmaps im Praxischeck

Bislangwurden sechs Roadmapszu den jeweiligen Schlüsseltechnologien veröffentlicht.Weitere sind in Planung, wobei offenbleibt, wie viele insgesamt entwickelt werden. Die Roadmaps enthalten richtige Impulse, um Wirtschaft und Wissenschaft stärker zu vernetzen. Initiativen, die den Zugang von kleinen und mittleren Unternehmen zu Forschungsinfrastrukturen verbessern sollen, flankieren die ambitionierten Maßnahmen. Grundsätzlich bieten die vorgestellten Ansätze die Chance, durch diese Technologien neue Wachstumsimpulse in Deutschland zu setzen.

Allerdings sind viele Vorschläge noch zu unkonkret und zu wenig mittelstandsorientiert. So sollten Erfolgskriterien unbedingt präzisiert werden: Bau- und Genehmigungsverfahren müssen beschleunigt, der Strompreis für den Mittelstand gesenkt und Tools zum strategischen Schutz von geistigem Eigentum bereitgestellt werden. Die Roadmaps sollten zudem die Innovationspolitik der EU ergänzen und daher mit europäischen Initiativen abgestimmt sein. Angekündigte, aber noch nicht veröffentlichte Roadmaps sollten schnell auf den Weg gebracht werden, damit die Hightech Agenda ihre Wirkung in der Breite der technologischen Innovationsfelder entfalten kann. Die konkreten Forderungen zu den einzelnen Roadmaps sind im Diskussionspapier aufgeführt.

Hebel im Praxischeck

Die neun geplanten Hebelsollen maßgeblich die Entwicklung der Schlüsseltechnologien und der Wachstumsfelder vorantreiben.Aus Sicht der deutschen Wirtschaft muss die HTAD nicht nur definierte Kerntechnologien stärken, sondern auch den Innovationsstandort in seinen Strukturen. In ihrem Diskussionspapier plädiert die DIHK unter anderem dafür, das Innovationsfreiheitsgesetz und das Bundeserprobungsgesetz schneller umzusetzen. Außerdem sollten die Innovationsförderprogramme gestärkt und verstetigt sowie die Forschungsinfrastruktur weiter ausgebaut werden.

Grundsätzlich gilt: Die HTAD sollte vor allem auf einen schnelleren Wissens- und Technologietransfer abzielen, der moderne und agile Förderinstrumente sowie bessere Finanzierungsbedingungen verbindet. Auch aktuelle Innovationshemmnisse sollten stärker abgebaut werden. Im DIHK-Innovationsreport (PDF, 1 MB) gaben 68 Prozent der Unternehmen an, dass unnötige Bürokratie die Innovationsaktivitäten ausbremsen.

Nächster Schritt: zielgerichtete Realisierung

Eine schnelle, verbindliche und ausreichend finanzierte Umsetzung wird maßgeblich über den Erfolg derHightech Agenda entscheiden. Damit sie gelingt, sollte die HTAD stärker an den Bedürfnissen der Unternehmen ausgerichtet werden. Das IHK-Netzwerk begleitet diesen Prozess konstruktiv und unterstützt gerne dabei, die vorgesehenen Maßnahmen weiterzuentwickeln und zu konkretisieren.

Relevant im Themenfeld:
Schwerpunkte:
  • Digitalisierung

Ansprechpartner

Littmann, Lukas

Lukas Littmann

Referatsleiter Innovationspolitik

Gewinnus, Susanne_test

Dr. Susanne Gewinnus

Referatsleiterin Industrie- und Forschungspolitik