Hohe Energiekosten bringen viele Unternehmen zunehmend an ihre Belastungsgrenze. Das zeigt das Energiewendebarometer 2026 der IHK-Organisation, an dem sich rund 3100 Unternehmen aus allen Branchen und Regionen beteiligt haben.
Krisen und strukturelle Herausforderungen
Peter Adrian
"Globale Krisen treffen auf weiterhin ungelöste strukturelle Herausforderungen am Wirtschaftsstandort Deutschland. Das hält die Energiekosten hoch", erklärt DIHK-Präsident Peter Adrian. "Die Folgen sind sinkende Wettbewerbsfähigkeit, aufgeschobene Investitionen und die Verlagerung von Produktionskapazitäten ins Ausland."
Für knapp die Hälfte der Unternehmen sind die Stromkosten innerhalb der vergangenen zwölf Monate erneut gestiegen. Bei Gas und Öl berichten sogar zwei Drittel von höheren Belastungen. Nach zwei Jahren der Erholung vom Tiefstand 2023 fällt das DIHK-Energiewende-Barometer deshalb auf seiner Skala von minus 100 bis plus 100 wieder auf einen negativen Wert von minus elf Punkten zurück. Mehr als 40 Prozent der Unternehmen sehen ihre Wettbewerbsfähigkeit durch die Energiewende beziehungsweise die damit verbundenen Energiekosten beeinträchtigt. In der Industrie gilt das für rund zwei Drittel der Betriebe, im Handel 40 Prozent.
Die Folge: Deutschland verliert Unternehmen und Investitionen. Rund ein Drittel der Unternehmen verschiebt Investitionen in seine Kernprozesse. Jeder vierte Betrieb stellt Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen zurück, weil die finanziellen Spielräume fehlen. Investitionen in Forschung und Innovation werden von 16 Prozent der Unternehmen aufgeschoben. "Es ist besorgniserregend, dass hohe Energiekosten inzwischen nicht nur die laufende Geschäftstätigkeit belasten, sondern auch Zukunftsinvestitionen verhindern", sagt Adrian. "Wer heute nicht investiert, verliert morgen an Innovationskraft, Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit."
Jeder fünfte Betrieb erwägt Verlagern oder Einstellen der Produktion
Besonders deutlich wird die Entwicklung beim Blick auf die Einstellung wirtschaftlicher Aktivitäten in Deutschland und die Verlagerung ins Ausland: Rund 20 Prozent aller Unternehmen beschäftigen sich damit, haben entsprechende Maßnahmen bereits umgesetzt oder befinden sich in der Umsetzung. In der Industrie liegt der Anteil bei etwa 40 Prozent, bei großen Industrieunternehmen sogar bei rund 60 Prozent. Dort gibt etwa ein Drittel an, Verlagerungsmaßnahmen bereits umzusetzen.
"Die Unternehmen stehen hinter dem Ziel der Klimaneutralität. Gleichzeitig sehen sie sich mit Energiekosten konfrontiert, die im internationalen Wettbewerb zunehmend zum Nachteil werden", sagt Adrian. "Die Kosten der Energiewende drohen der Transformation selbst im Weg zu stehen. Um aus dieser Abwärtsspirale herauszukommen, braucht es neue Ansätze in der Energiepolitik: weniger staatliche Detailsteuerung, mehr Markt und wettbewerbsfähige Energiepreise."
Bei den energiepolitischen Prioritäten steht für die Betriebe der Infrastrukturausbau an erster Stelle. Vier von fünf Unternehmen fordern mehr Priorität und Verlässlichkeit beim Ausbau der Energieinfrastruktur. Knapp drei Viertel wünschen sich ein stärkeres finanzielles Engagement des Staates beim Aufbau einer zukunftsorientierten Infrastruktur. Eine Senkung der Steuern und Abgaben auf den Strompreis befürworten 78 Prozent der Unternehmen. Ebenfalls rund drei Viertel sind der Meinung, dass Wirtschaftlichkeit, Freiwilligkeit und Technologieoffenheit die Leitprinzipien der Energieeffizienzpolitik sein sollten.
Transformation erleichtern, Kosten senken – und das rasch
"Die Unternehmen erwarten verlässliche Rahmenbedingungen, eine leistungsfähige Infrastruktur und international wettbewerbsfähige Energiepreise", erklärt Adrian. "Das ist sind Grundvoraussetzungen dafür, dass Unternehmen in Deutschland investieren, Arbeitsplätze sichern und Innovationen vorantreiben. Wenn Energie dauerhaft teurer und die Regulierung enger ist als bei unseren internationalen Wettbewerbern, verlieren wir schrittweise Wertschöpfung und industrielle Substanz."
Entscheidend seien jetzt schnelle Maßnahmen, die die Transformation der Unternehmen erleichtern und die Kosten senken. Dazu gehörten eine sofortige Stromsteuersenkung für alle, klare Regelungen zur Beschleunigung von Netzanschlüssen und des Baus von Infrastruktur sowie ein deutlicher Abbau von Regulierung. "Nur wenn Dekarbonisierung und Wettbewerbsfähigkeit gemeinsam gedacht werden, kann die Transformation erfolgreich sein."
Hintergrund
Für das Energiewende-Barometer 2026 hat die DIHK im Juni 2026 rund 3.100 Unternehmen aus Industrie, Handel, Dienstleistungen und Bauwirtschaft befragt. Die Ergebnisse sind regional und branchenbezogen gewichtet und repräsentativ für die gewerbliche Wirtschaft in Deutschland. Das Barometer bildet die Stimmung der Unternehmen vor Ort zur Energiewende und ihren wirtschaftlichen Auswirkungen ab
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- Publikation
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Energiewende-Barometer 2026
- Zusammenfassung
- Das 15. Energiewende-Barometer 2026 wirft ein Schlaglicht auf die Umsetzung von Energiewende und Klimaschutz in den Betrieben. An der Umfrage haben vom 8. bis zum 29. Juni 2026 rund 3.100 Unternehmen teilgenommen.
- Informationen
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Dateiformat: PDF (barrierefrei)
Dateigröße: 1 MB
Stand: Juli 2026
Seitenumfang: 11 Seiten
- Relevant im Themenfeld:
- Wirtschafts- und Finanzpolitik
- Schwerpunkte:
-
- Digitalisierung
- Handel
Veröffentlicht 27.07.2026
Pressekontakt
Julia Löffelholz
Pressesprecherin