Die europäische Handelspolitik stärken, die nach wie vor bestehenden Hürden im Binnenmarkt abbauen und die überbordende Bürokratie spürbar verringern: Beim diesjährigen Europäischen Parlament der Unternehmen haben 700 Unternehmensvertreterinnen und -vertreter gegenüber den Institutionen der EU ihre dringlichsten Anliegen formuliert. Dabei wurde deutlich, dass sich der wirtschaftspolitische Kurs der Europäischen Union dringend ändern muss.
Dieser Beitrag war 2025 das Thema der Woche im Newsletter der KW 47.
"Trendwende in der europäischen Wirtschaftspolitik – jetzt!" Das war der Appell der Wirtschaft beim diesjährigen Europäischen Parlament der Unternehmen (EPdU) . Am 4. November kamen dafür in Brüssel 700 Unternehmerinnen und Unternehmer aus ganz Europa zusammen, um einen Tag lang in die Rolle von Europaabgeordneten zu schlüpfen.
In drei thematischen Sessions wurde eine Plenarsitzung simuliert, unter anderem mit Statements und Abstimmungen zu verschiedenen Themen. Der Dachverband der europäischen Industrie- und Handelskammern, Eurochambres, und seine Mitglieder organisierten das EPdU bereits zum siebten Mal. Die größte Unternehmerdelegation kam wie gewohnt aus Deutschland: Unter Leitung von Peter Adrian, Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer, beteiligten sich knapp 90 Unternehmerinnen und Unternehmer. Die Wortbeiträge und Abstimmungen machten deutlich, dass sich der wirtschaftspolitische Kurs dringend ändern muss.
Europas Handelspolitik stärken
Die EPdU-Teilnehmenden sprachen sich für mehr Freihandelsabkommen aus, um die Diversifizierung der Lieferketten zu erleichtern. 77 Prozent der Unternehmerinnen und Unternehmer berichteten von zusätzlichen Lieferkettenengpässen aufgrund der geopolitischen Spannungen. Die Mehrheit fühlt sich nicht ausreichend von der EU unterstützt, um geopolitische Nachteile auszugleichen, etwa durch neue Freihandelsabkommen.
Hürden im Binnenmarkt abbauen
Ein funktionierender Binnenmarkt ist für Europas Wirtschaftswachstum, Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit von entscheidender Bedeutung. Doch mehr als vier von fünf anwesenden Unternehmen gaben an, wegen vieler Hürden nicht frei innerhalb der EU agieren zu können. Eine Lösung sehen 84 Prozent der Teilnehmenden darin, Verstöße gegen Binnenmarktvorschriften effektiver zu ahnden.
Kein spürbarer Bürokratieabbau
Trotz der angekündigter Vereinfachungsagenda der EU-Kommission ist die Bürokratie in den Betrieben weiter extrem belastend: 93 Prozent der Unternehmen bestätigten, dass sich der Verwaltungsaufwand im letzten Jahr für sie nicht verringert habe. Drei Viertel der Unternehmerinnen und Unternehmer halten zum Beispiel die Nachhaltigkeitsberichterstattung für unverhältnismäßig: Sie erkennen darin kein geeignetes Mittel, um ökologische Verantwortung und wirtschaftliche Stärke sinnvoll zu verbinden.
Belastung durch Fachkräftemangel und Energiepreise
Die Unternehmen sehen sich mit großen Herausforderungen konfrontiert: Zum einen ist es für mehr als 80 Prozent schwieriger geworden, geeignete Fachkräfte zu rekrutieren. Zum anderen erschweren hohe Energiekosten für 96 Prozent der Betriebe die Vereinbarkeit von Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeitsinvestitionen.
Die Abstimmungsergebnisse machen deutlich, dass die angekündigten Bemühungen der EU-Kommission um Entlastungen noch längst nicht im Unternehmensalltag angekommen sind. Umso dringlicher ist der Appell an die EU-Politikentscheider, das Votum des EPdU ernst zu nehmen und umzusetzen.
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Veröffentlicht 10.11.2025
Aktualisiert 22.12.2025
Kontakt
Jana Paratz
Referatsleiterin Beziehungen zu Eurochambres, Politikkontakte
Susanne Schraff
Pressesprecherin