Das Ende 2025 von der DIHK-Vollversammlung verabschiedete Positionspapier "Informations- und Medienvielfalt in Deutschland sichern" analysiert die tiefgreifenden Veränderungen der Medienmärkte, benennt wachsende Risiken für private Medienunternehmen und zeigt auf, welche medienpolitischen Rahmenbedingungen notwendig sind, um einen vielfältigen, unabhängigen und zukunftsfähigen Informationsraum zu erhalten.
Das Wichtigste in Kürze: Medienvielfalt und Wirtschaft
- Medienvielfalt sichert Entscheidungen
Unternehmen sind auf unabhängige, überprüfbare Informationen angewiesen – für Investitionen, Marktanalysen und Standortentscheidungen. - Regionale Berichterstattung ist Standortfaktor
In fast jedem zweiten Landkreis gibt es nur noch eine wirtschaftlich eigenständige Lokalzeitung. Das erschwert Standortmarketing und Fachkräftesicherung, vor allem in ländlichen Regionen. - Digitale Plattformen verschieben Märkte
Wenige globale Plattformanbieter bündeln einen Großteil der Werbeumsätze und Informationsströme. Das gefährdet die Geschäftsmodelle privater Medienunternehmen. - Kultur- und Kreativwirtschaft als Innovationsmotor
Mit rund 123 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung und einem Anteil von 3,3 Prozent an der Gesamtwirtschaft ist die Kultur- und Kreativwirtschaft ein bedeutender Wirtschaftssektor – und Treiber für digitale Innovation. - Ziel der DIHK
Verlässliche, praxisnahe medienpolitische Rahmenbedingungen, die Wettbewerb ermöglichen, Medienvielfalt sichern und Unternehmen einen fairen Zugang zu Informationen bieten.
Regionale Medien unter Druck
Die Medienangebote der Region haben für Unternehmen eine große Bedeutung. Sie spiegeln lokale Marktbedingungen, berichten über relevante Infrastrukturprojekte, begleiten Standortentscheidungen und verstärken die Sichtbarkeit von Betrieben vor Ort. In vielen Regionen ist die Medienvielfalt jedoch geschrumpft. Wo nur noch eine Lokalzeitung präsent ist oder journalistische Anbieter sich ganz zurückziehen, entstehen Informationslücken. Diese Entwicklungen verstärken Abkopplungstendenzen in strukturschwachen ländlichen Räumen und erschweren es, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen oder den Standort gegenüber Investoren zu positionieren.
"Unternehmen benötigen belastbare, unabhängige Informationen, um Investitionen zu planen, Risiken zu bewerten und Innovationen voranzutreiben."
Peter Adrian
-- DIHK-Präsident
Digitalisierung und Plattformdominanz
Welche Inhalte sichtbar sind und welche Informationsquellen genutzt werden, bestimmen zunehmend digitale Plattformen. Für eine wachsende Zahl von Unternehmerinnen und Unternehmern sind soziale Medien die am häufigsten genutzte Informationsquelle, gefolgt von lokalen Tageszeitungen und Fachmedien. Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit der Medienunternehmen von den Reichweiten und Algorithmen weniger großer Plattformanbieter. Die Plattform- und Aufmerksamkeitsökonomie verschiebt Werbebudgets und Einnahmenströme hin zu globalen Akteuren, die große Teile des digitalen Werbemarktes kontrollieren.
Öffentlich-rechtliche versus private Medien
Durch den Rundfunkbeitrag verfügen öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten über vergleichsweise stabile Finanzierungsstrukturen. Private Medienhäuser sind dagegen in hohem Maße von Werbeeinnahmen abhängig, die sich zunehmend in den digitalen Raum und auf internationale Plattformen verlagern. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk seine digitalen Angebote ausweitet, verschärft die Konkurrenzsituation im Netz weiter. Die DIHK fordert einen fairen Ausgleich, der den besonderen Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks schützt und zugleich private Medienunternehmen in ihren Geschäftsmodellen nicht unverhältnismäßig einschränkt.
Bürokratie, Regulierung und Förderzugang
Viele Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft sind mittelständisch geprägt und arbeiten mit dynamischen Projektzyklen. Komplexe Förderanträge, starre arbeitsrechtliche Vorgaben und unklare Regelungen zur Scheinselbstständigkeit erschweren es ihnen, schnell auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren. Auch die Ausgestaltung der Künstlersozialabgabe ist aus Sicht vieler Unternehmen nicht ausreichend trennscharf und verursacht zusätzlichen bürokratischen Aufwand.
Medienpolitischen Rahmen schaffen
Wie lässt sich nun die Informations- und Medienvielfalt sichern und gleichzeitig die wirtschaftliche Basis der Kultur- und Kreativwirtschaft stärken? Die DIHK-Vollversammlung hat sechs zentrale Impulse formuliert. Sie zielen auf einen medienpolitischen Rahmen, der Wettbewerb ermöglicht, Innovation fördert und Planungssicherheit für Unternehmen schafft.
Die DIHK-Forderungen
Download
Das komplette Papier ist hier im PDF-Format abrufbar:
Sicherung der Informations- und Medienvielfalt in Deutschland (PDF, 275 KB)
- Relevant im Themenfeld:
- Wirtschafts- und Finanzpolitik
Veröffentlicht 30.04.2026
Aktualisiert 01.05.2026
Ansprechpartner
Ben Lenger
Referatsleiter für interne und digitale Kommunikation