Geopolitische und technologische Veränderungen, Nachhaltigkeitsanforderungen, Energiekrisen, zunehmender Protektionismus und die Erosion multilateraler Regelwerke hätten die internationale Arbeitsteilung von Grund auf geändert, heißt es in den "Leitlinien für die internationale Handelspolitik", die das DIHK-Präsidium im Januar 2024 einstimmig beschlossen hat und die sowohl in Berlin als auch in Brüssel vorgelegt wurden.
Insbesondere dem weltweiten Trend zur Abschottung müsse die EU entschieden entgegentreten, mahnt die DIHK, denn: Protektionismus schaffe keine Arbeitsplätze. Deutschlands international eng vernetzte Wirtschaft sei davon unmittelbar betroffen, schließlich hänge jeder vierte deutsche Arbeitsplatz am Außenhandel, in der Industrie sogar jeder zweite.
EU-Handelsstrategie fit machen
Freier Handel und Investitionsoffenheit bleiben dem DIHK-Positionspapier zufolge "entscheidende Mittel zum Erhalt und zur Mehrung von Wohlstand". Daher müsse der Einsatz für offene Märkte und gute Handelsregeln weiterhin die politische Agenda prägen – "innerhalb wie außerhalb der EU". Gleichzeitig müsse sich Europa für eine sich zunehmend entkoppelnde Weltwirtschaft rüsten und souveräner aufstellen.
"Mit Blick auf die Europawahl 2024 gilt es, die EU-Handelsstrategie fit für die neue Weltlage zu machen und sie oben auf die Agenda der neuen EU-Kommission zu rücken", so die Autoren des Papiers. "Nur mit einer EU, die auch an dieser Stelle entschlossen und geschlossen auftritt, haben unsere Unternehmen im internationalen Wettbewerb eine hörbare Stimme."
Grafik Handelspolitik 2023 Zunahme Hemmnisse
Als entscheidende Instrumente, um Handel und Investitionen abzusichern und neue Märkte zu eröffnen, braucht es nach Einschätzung der DIHK unbedingt neue Handelsabkommen, etwa mit Mercosur, Indien und Indonesien. Die aktuellen geopolitischen Herausforderungen erfordern dringend eine Neuausrichtung der internationalen Handelspolitik, wobei offene Märkte und gute Handelsregeln von zentraler Bedeutung für Wohlstand und Arbeitsplätze in Deutschland sind.
Starkes Bekenntnis nötig
Entsprechend fordert die DIHK von der EU ein starkes Bekenntnis zu Wettbewerbsfähigkeit, Multilateralismus und Lieferkettensicherheit. Sie müsse ihre Handelsstrategie an die neue Weltlage anpassen und als souveräner Akteur auftreten, um die Interessen der Unternehmen im internationalen Wettbewerb zu wahren.
2021 waren nur 44 Prozent des EU-Außenhandels durch Handelsabkommen abgedeckt. Umso wichtiger sind nach Einschätzung der Wirtschaft nun neue Verträge. Aber auch zu den wichtigen Themen digitaler Handel, Zoll, KMU-Unterstützung und Wirtschaftssicherheit enthält das Positionspapier Empfehlungen für die zukünftige EU-Handelspolitik.
Download
Das DIHK-Positionspapier ist hier abrufbar:
Leitlinien für die internationale Handelspolitik (PDF, 805 KB)
- Relevant im Themenfeld:
- Internationaler Handel
- Schwerpunkte:
-
- Außenwirtschaft
- Zoll
Veröffentlicht 17.01.2024
Aktualisiert 29.12.2025
Ansprechpartner
Klemens Kober
Referatsleiter Handelspolitik, transatlantische Beziehungen und EU-Zollfragen
Julia Fellinger
Pressesprecherin