Rekord bei Handelshemmnissen – USA werden zum Bremsklotz, Chancen in Indien und Lateinamerika 

DIHK-Umfrage „Going International 2026“

24.03.2026 - Die internationalen Geschäfte deutscher Unternehmen geraten zunehmend unter Druck. Neue Handelshemmnisse erschweren ihre internationalen Aktivitäten und bremsen ihre Geschäftsentwicklung: Mehr als zwei Drittel der auslandsaktiven Unternehmen (69 Prozent) spüren eine Zunahme – so viele wie noch nie seit Beginn der Erhebung. Trotz einer leichten Stimmungsaufhellung bleiben die Geschäftserwartungen insgesamt im Minus. Das sind zentrale Ergebnisse der aktuellen DIHK-Umfrage „Going International 2026“, an der sich bundesweit 2.400 international aktive Unternehmen beteiligt haben. Die Befragung lief vom 2. bis zum 13. Februar 2026 und damit noch vor Beginn des Krieges im Nahen Osten. 

„Der freie Welthandel bekommt immer tiefere Risse“, sagt Volker Treier, Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). „Unsere Unternehmen stoßen weltweit auf mehr Zölle, mehr Auflagen, mehr Unsicherheit. Das bremst Wachstum und kostet Wettbewerbsfähigkeit. Hinzu kommt ganz aktuell der Krieg im Iran mit seinen Auswirkungen auf den internationalen Handel: Containerhandel und Luftfracht werden dadurch zusätzlich erheblich teurer.“ 

Zur Umfrage: Unternehmen, die im vergangenen Jahr mehr Handelshemmnisse in ihrem Auslandsgeschäft festgestellt haben, sehen sich vor allem mit höheren Zöllen konfrontiert. Knapp zwei Drittel dieser Betriebe berichten von steigenden Zollbelastungen – 86 Prozent von ihnen spüren die Auswirkungen besonders deutlich beim Handel mit den USA. Entsprechend stark hat sich die Stimmung eingetrübt.  Für viele deutsche Unternehmen ist das US-Geschäft eingebrochen, die Erwartungen für das laufende Jahr liegen auf einem Rekordtief. „Die USA entwickeln sich zum Risikofaktor“, so Treier. „Hohe Zölle, politische Volatilität und rechtliche Unsicherheiten machen eine langfristige Planung zunehmend schwierig.“ 

Neben Zöllen prägen vor allem nicht-tarifäre Handelsbarrieren den Alltag vieler Unternehmen: Besonders häufig genannt werden lokale Zertifizierungsvorschriften (51 Prozent) und strengere Sicherheitsanforderungen (37 Prozent). Auch Exportkontrollen stellen für mehr als ein Drittel der Unternehmen (35 Prozent) eine Herausforderung dar – besonders im US- (41 Prozent) und Chinageschäft (29 Prozent). 

Hausgemachte Hürden bremsen zusätzlich 

Doch nicht nur außerhalb Europas wachsen die Hemmnisse: 83 Prozent der Unternehmen sehen hausgemachte Handelshürden durch EU-Regulierungen als eine Belastung für ihr Auslandsgeschäft: Lieferkettenvorgaben, Berichtspflichten, Verpackungsregeln oder der CO₂-Grenzausgleich treiben Aufwand und Kosten in die Höhe. „Unsere Unternehmen stehen unter doppeltem Druck“, warnt Treier. „Während weltweit neue Barrieren entstehen, verschärfen wir in Europa die Regulierung sogar noch weiter. Das schwächt unsere Unternehmen im internationalen Wettbewerb zusätzlich.“ 

Gleichzeitig suchen viele Betriebe gezielt nach neuen Absatzmärkten. Besonders Indien und Teile Lateinamerikas rücken stärker in den Fokus. Das geplante EU-Indien-Abkommen sowie das unterzeichnete EU-Mercosur-Abkommen nähren Hoffnungen auf neue Wachstumsimpulse. „Diversifizierung ist längst keine strategische Option mehr, sondern eine Notwendigkeit“, so Treier. „Wer seine Märkte breiter aufstellt, wird widerstandsfähiger gegenüber politischen Risiken.“ 

Für Treier steht deshalb fest: „Unsere Unternehmen sind international wettbewerbsfähig – wenn man sie machen lässt. Entscheidend sind jetzt weniger Bürokratie und mehr Tempo bei Handelsabkommen. Nur mit besseren Rahmenbedingungen kann der Standort wieder an Attraktivität gewinnen.“ 

Die DIHK-Umfrage ist hier auf unserer Website zu finden.  

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Porträtbild Julia Fellinger, Pressesprecherin

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