Die Geschäftserwartungen im Auslandsgeschäft hellen sich leicht auf, bleiben aber insgesamt negativ. 69 Prozent der 2.400 international aktiven Unternehmen, die sich an der Umfrage im Februar 2026 beteiligt haben, berichten von steigenden Handelshemmnissen – ein Allzeithoch. Besonders die US-Zollpolitik, neue Exportkontrollen sowie komplexe Regulierung aus Deutschland und der EU setzen die exportorientierte deutsche Wirtschaft unter Druck. Lichtblicke gibt es in Indien und Teilen Lateinamerikas.
Wesentliche Ergebnisse aus der Umfrage
- Risikofaktor Handelshemmnisse:
- 69 Prozent der Unternehmen melden eine Zunahme von Handelshemmnissen, ein Höchststand in der Geschichte der Erhebung.
- 66 Prozent dieser Betriebe sind von höheren Zöllen betroffen, vor allem im Geschäft mit den USA
- Risikofaktor Binnenmarktregulierung:
- 83 Prozent der Befragten sehen hausgemachte Hürden aus Deutschland und der EU als Belastung für ihr Auslandsgeschäft
- Märkte:
- US-Markt: Geschäftslage und -erwartungen drehen tief ins Negative (Saldo Lage: minus 23 Punkte, Perspektive: minus 27 Punkte)
- Indien und Lateinamerika: positive Geschäftsperspektiven, in Indien liegt der Erwartungssaldo bei plus 17 Punkten
Hürden im Welthandel wachsen
Die Umfrageergebnisse zeigen deutlich, dass sich der Welthandel weiter vom Prinzip des freien, regelbasierten Handels entfernt. Zölle, Exportkontrollen, Sanktionen, Local-Content-Vorgaben und hausgemachte Regulierung aus Europa belasten Lieferketten, Investitionen und Marktzugänge. Der Anteil der Unternehmen, die eine Zunahme von Handelshemmnissen wahrnehmen, ist mit 69 Prozent so hoch wie nie zuvor. Das entspricht einem Anstieg um 11 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr.
"Der freie Welthandel bekommt immer tiefere Risse"
Dr. Volker Treier
-- Außenwirtschaftschef | Mitglied der Hauptgeschäftsführung
Besonders stark im Fokus stehen derzeit die Folgen der US-Handelspolitik. 66 Prozent der Unternehmen, die von steigenden Handelshemmnissen betroffen sind, nennen höhere Zölle als Belastung. Von diesen wiederum sehen 86 Prozent die USA als zentrale Problemregion. Zollerhöhungen, sektorale Sonderzölle und die handelspolitische Unsicherheit führen dazu, dass die Vereinigten Staaten für die deutsche Wirtschaft zunehmend vom Leitmarkt zum Risikofaktor werden, das zeigt auch eine Sonderauswertung der Umfrage zu den USA.
Neben Zöllen spielen nicht-tarifäre Handelshemmnisse eine zentrale Rolle. 51 Prozent der hiervon betroffenen Unternehmen berichten von zusätzlichen lokalen Zertifizierungsanforderungen, 37 Prozent von verstärkten Sicherheitsauflagen. 35 Prozent sehen sich durch verschärfte Exportkontrollregime eingeschränkt, 30 Prozent nennen Sanktionen als eigenständiges Handelshemmnis.
Parallel dazu rücken strategische industriepolitische Instrumente in den Vordergrund. 19 Prozent der Unternehmen, die hier Hürden sehen, berichten von einer Zunahme von Local-Content-Vorschriften, also der Pflicht, einen bestimmten Anteil der Wertschöpfung vor Ort zu erbringen. Besonders häufig wird dies aus den USA, China, der Asien-Pazifik-Region und Indien gemeldet.
Hausgemachte Hemmnisse
Ohnehin entstehen Belastungen im Auslandsgeschäft nicht nur durch Maßnahmen anderer Staaten: 83 Prozent der international aktiven Unternehmen sehen hausgemachte Hürden aus Deutschland und der EU als Herausforderung. Dabei geht es um Regelungen, administrative Vorgaben und nationale Besonderheiten, die das internationale Geschäft erschweren, obwohl der europäische Binnenmarkt eigentlich auf dem Abbau tarifärer und nicht-tarifärer Handelshemmnisse beruht.
49 Prozent der betroffenen Betriebe sehen sich durch Gesetze zu Sorgfalts- und Berichtspflichten in Lieferketten belastet – genannt werden insbesondere die Corporate Sustainability Reporting Directive, die Corporate Sustainability Due Diligence Directive und das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz. Die Anforderungen betreffen dabei nicht nur große, unmittelbar berichtspflichtige Unternehmen. Viele kleine und mittlere Unternehmen sehen sich als Zulieferer in der Pflicht, umfangreiche Informationen zu Nachhaltigkeit, Lieferantenstrukturen und Risiken entlang der Wertschöpfungskette bereitzustellen.
42 Prozent der Befragten, die hausgemachte Hürden wahrnehmen, verweisen auf Probleme bei der Abwicklung ihres Auslandsgeschäfts durch Ausfuhrbehörden, Zollstellen und Exportkontrollverfahren. Genannt werden komplexe und teils uneinheitlich ausgelegte Vorschriften, ein hoher Dokumentationsaufwand, verlängerte Durchlaufzeiten sowie länderspezifische Sonderanforderungen, etwa im Chinageschäft.
Weitere 39 Prozent nennen Vorgaben zu Verpackungen und Verpackungsabfällen als Hemmnis, insbesondere im Zusammenhang mit der geplanten Packaging and Packaging Waste Regulation und der erweiterten Herstellerverantwortung. 32 Prozent berichten von Herausforderungen bei der Umsetzung des CO₂-Grenzausgleichsmechanismus der EU. In der Praxis fehlen häufig verlässliche Daten zu Emissionsintensitäten, geeignete Zertifizierungsstrukturen und klare, handhabbare Berechnungsregeln. 28 Prozent der Unternehmen bereiten sich auf die EU-Entwaldungsverordnung vor, die ab Ende 2026 gilt, und stoßen dabei vor allem bei der Datenerhebung und der Anbindung an IT-Systeme an Grenzen.
Geschäftserwartungen verharren im Minus
Zwar haben sich die Erwartungen der international agierenden deutschen Unternehmen an ihre Auslandsgeschäfte im laufenden Jahr aufgehellt, angesichts des insgesamt schwierigen Umfelds bleiben sie unterm Strich aber negativ: 21 Prozent der Betriebe erwarten eine Verschlechterung, 16 Prozent eine Verbesserung. 63 Prozent der Befragten rechnen nicht mit einer Veränderung, sodass der Saldo aus "besser"- und "schlechter"- Bewertungen gegenüber dem Vorjahr von minus 8 auf minus 5 Punkte steigt.
Chancen in vielen Weltregionen
Dennoch zeigt die Umfrage viele – wenn auch regional höchst unterschiedliche – Chancen auf. In der Eurozone bewerten die Unternehmen ihre Geschäftslage leicht positiv, auch wenn die Geschäftserwartungen weiterhin knapp negativ sind. Wechselkurseffekte, eine schwächelnde Nachfrage und die hohe Regulierungslast bremsen hier die Dynamik. In anderen europäischen Ländern außerhalb der Währungsunion sowie in der Schweiz und in Norwegen bleibt die Lage stabil positiv, die Erwartungen drehen leicht ins Plus.
Deutlich negativer ist das Bild in China: Sowohl Geschäftslage als auch -erwartungen liegen im Minus. Konjunkturelle Schwäche, Lokalisierungsvorgaben und zunehmende Handelsbarrieren dämpfen die Perspektiven. Gleichzeitig rückt Indien stärker in den Fokus. Die aktuelle Geschäftslage wird überwiegend neutral bewertet, die Erwartungen fallen jedoch deutlich positiv aus. Das verhandelte Handelsabkommen zwischen der EU und Indien gilt als möglicher Hebel für den Abbau von Zöllen und den Ausbau der Lieferketten. Viele Betriebe sehen hier erhebliches Potenzial in Branchen wie Automobil, Maschinenbau, Chemie und Pharma.
Auch für Süd- und Mittelamerika sowie den Mercosur-Raum melden Unternehmen zwar derzeit noch eine eher schwache Geschäftslage, aber verbesserte Perspektiven. Das kürzlich unterzeichnete EU-Mercosur-Abkommen wird als Chance gesehen, Handelshemmnisse abzubauen, Lieferketten breiter aufzustellen und neue Absatz- und Beschaffungsmöglichkeiten zu erschließen.
Methodik
Die bundesweite Umfrage "Going International 2026" der DIHK wurde mit Unterstützung der bundesweit 79 IHKs erstellt. An der Befragung vom 2. bis zum 13. Februar 2026 beteiligten sich 2.400 auslandsaktive Unternehmen mit Sitz in Deutschland.
Branchen: Die Antworten stammen zu 55 Prozent von Industrieunternehmen, zu 3 Prozent aus dem Baugewerbe, zu 16 Prozent aus dem Handel. 13 Prozent sind Dienstleister und 13 Prozent Sonstige.
Größe: Auf Unternehmen mit bis zu 249 Beschäftigte entfallen 77 Prozent der Antworten, 9 Prozent der teilnehmenden Betriebe haben 250 bis 499 Beschäftigte, 5 Prozent 500 bis 999 Beschäftigte und 8 Prozent mehr als 1.000 Beschäftigte.
Downloads
Die kompletten Umfrageergebnisse gibt es hier in einer deutschen und einer englischen Fassung zum Download:
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Veröffentlicht 24.03.2026
Ansprechpartnerinnen
Lola Marie Machleid
Referatsleiterin Internationale Konjunktur
Julia Fellinger
Pressesprecherin