Eine verlässliche und nachhaltige Rohstoffversorgung ist für eine erfolgreiche und innovative Wirtschaft unabdingbar. Verwerfungen in den Lieferketten und Unterbrechungen in der Versorgung haben gravierende Folgen – für Politik und Unternehmen.
Dieser Beitrag war 2026 das Thema der Woche im Newsletter der KW 3.
Rohstoffabhängigkeiten – Deutschlands Achillesferse?
Als weltweit drittgrößte Volkswirtschaft ist Deutschland besonders auf eine stetige und bezahlbare Rohstoffversorgung angewiesen. Über 90 Prozent der metallischen Rohstoffe werden importiert. Geopolitische Verwerfungen und Exportbeschränkungen, zum Beispiel von chinesischer Seite bei kritischen Rohstoffen wie seltenen Erden, zeigen die Verletzbarkeit der deutschen Wirtschaft. Ganze Schlüsselzweige sind auf diese Rohstoffe angewiesen. Ohne solche kritischen Komponenten drohen in vielen Betrieben die Bänder stillzustehen. In einem durchschnittlichen E-Auto sind 5 Kilogramm seltene Erden verbaut – in einem modernen Windrad mindestens 250 Kilogramm.
Diversifizierung durch Kooperationen
Deutschland und Europa haben bereits viele Rohstoffpartnerschaften mit ressourcenreichen Ländern geschlossen. Diese sind allerdings kaum mit konkreten Projekten und Investitionen unterlegt. Die deutsche Rohstoffstrategie stößt hier an ihre Grenzen. Die Bundesregierung sollte sich auch in Fragen der Entwicklungszusammenarbeit und Handelspolitik enger mit der Wirtschaft austauschen und Pilotprojekte mit den Partnerländern vorantreiben. Dadurch würde die Versorgungslage hierzulande, aber auch die wirtschaftliche Entwicklung in den Partnerländern vor Ort nachhaltig gefördert.
Gleichzeitig ist es wichtig, dass die bestehenden Zielkonflikte hinsichtlich der Sorgfaltspflichten und einer resilienten Rohstoffversorgung gelöst werden: Hohe Bürokratiekosten und rechtliche Unsicherheiten durch EU-Sorgfaltspflichten erschweren es den Unternehmen, neue Bezugsquellen in risikoreichen Ländern aufzubauen und dort zu investieren.
Resilienz durch heimische Rohstoffe
Trotz hoher Importquoten ist Deutschland nicht per se ein rohstoffarmes Land. Initiativen der Bundesregierung und der EU-Kommission, wie der "Critical Raw Materials Act", zielen darauf ab, den heimischen Abbau und die Verarbeitung von Rohstoffen im jeweiligen EU-Mitgliedsland zu stärken. Doch es braucht mehr – dringend etwa die Reduzierung bürokratischer Hürden, die Einführung verbindlicher Fristen und die Einrichtung eines zentralen digitalen One-Stop-Shop, der Unternehmen durch Digitalisierung und Bündelung von Prozessen den Zugang zu Rohstoffen erleichtert.
Maßnahmen wie eine staatliche Bevorratung sind indes kritisch zu bewerten: Weitere Eingriffe des Staates in ohnehin volatile Märkte würde zu noch stärkeren Verzerrungen führen. Neue Preisspitzen könnten die Versorgungslage für die Betriebe und vor allem für kleine und mittlere Unternehmen am Ende sogar verschlechtern.
Kreislaufwirtschaft fördern
Bis 2030 sollen 25 Prozent des Bedarfs an kritischen Rohstoffen aus Recycling gedeckt werden. Damit Resilienz durch Wiederverwertung von Rohstoffen erhöht wird, müssen die versprochenen beschleunigten Genehmigungsverfahren, aber auch einfachere und transparentere Förderkriterien in die Praxis umgesetzt werden.
Um eine wettbewerbsfähige und skalierbare Kreislaufwirtschaft zu schaffen, sollten zudem die bestehenden Förder- und Innovationsprogramme für Rohstoffprojekte geöffnet werden. Deutschland nimmt bereits eine führende Rolle bei der Rohstoffgewinnung aus Halden ein – Potenziale wie diese gilt es stärker auszuschöpfen.
Finanzierungsangebot ausweiten
Resilienz hat ihren Preis. Der Rohstofffonds der Bundesregierung ist ein erster und wichtiger Schritt, um Investitionen in eine widerstandsfähige Versorgung zu flankieren. Public-Private-Partnerships sollten als weitere Bausteine genutzt werden. Länder wie Japan haben diesbezüglich bereits funktionierende Strukturen geschaffen, Deutschland und Europa müssen hier jetzt nachziehen. Zudem sollten die Vergabeverfahren des deutschen Rohstofffonds vereinfacht und die Betrauung des Fonds-Managements durch private Spezialisten geprüft werden.
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Veröffentlicht 13.01.2026
Aktualisiert 19.01.2026
Ansprechpartner
Phillip Flore
Referatsleiter Lieferkettendiversifizierung