Geschäftsmann am Laptop gestikuliert, eine Tasse in der Hand

Unternehmensnachfolge 2025: Mittelstand schlägt Alarm

Die Unternehmensnachfolge entwickelt sich zu einer der größten Herausforderungen für den deutschen Mittelstand. Innerhalb der nächsten zehn Jahre drohen bis zu 250.000 Betriebe wegzubrechen, weil sich keine geeignete Nachfolge findet – darunter auch Tausende wirtschaftlich gesunde Unternehmen. Besonders angespannt ist die Lage laut DIHK-Report Unternehmensnachfolge im Gastgewerbe, im Einzelhandel und im Verkehrsgewerbe.

Dieser Beitrag war 2025 das Thema der Woche im Newsletter der KW 31.

Die deutsche Wirtschaft steht vor einem dramatischen Wandel: Noch nie wollten so viele Unternehmer ihren Betrieb übergeben – doch Nachfolger sind Mangelware. Die Zahlen sind alarmierend: Bundesweit suchen laut Industrie- und Handelskammern (IHKs) rund 9.600 übergabebereite Unternehmen nach nur etwa 4.000 potenziellen Interessenten.

Das Ergebnis: Mehr als ein Viertel der Altinhaber erwägt bereits die komplette Schließung. Experten befürchten, dass in den kommenden zehn Jahren bis zu 250.000 Betriebe verschwinden könnten – darunter auch Tausende wirtschaftlich gesunde Unternehmen.

Gastro und Handel besonders betroffen

Die Krise trifft nicht alle Branchen gleich hart. Im Gastgewerbe, Einzelhandel und Verkehrsgewerbe herrscht akuter Nachfolgemangel: Auf einen Interessenten kommen drei bis vier Betriebe zum Verkauf. Selbst in der boomenden IT-Branche stehen zwei Unternehmen einem Nachfolger gegenüber.

Die Folgen sind bereits in den Innenstädten sichtbar: Leerstehende Geschäfte, verödende Zentren und wegbrechende Versorgungsstrukturen. Wenn der Gasthof auf dem Land schließt, verliert die Gemeinde nicht nur einen Wirtschaftsbetrieb, sondern auch ihren sozialen Mittelpunkt.

Demografie allein erklärt die Krise nicht

Zwar steigt demografisch bedingt die Zahl der Unternehmer im Rentenalter. Doch seit 2019 hat sich die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage nahezu verdoppelt. Über 50.000 Rückmeldungen aus IHK-Beratungen zeigen die wahren Gründe: anhaltende Rezession, gestiegene Energie- und Personalkosten, Fachkräftemangel und ausufernde Bürokratie schrecken potenzielle Nachfolger ab.

Selbst qualifizierte Fachkräfte entscheiden sich gegen die Selbstständigkeit – in Zeiten des Personalmangels können sie als Angestellte oft bessere Konditionen aushandeln.

IHKs kämpfen gegen den Trend

Trotz widriger Umstände zeigen die IHK-Bemühungen erste Erfolge: 2024 stieg die Zahl der Beratungen, und es meldeten sich wieder mehr Interessenten. Besonders in der Industrie wächst das Interesse an Übernahmen – manche suchen so einen Ausweg aus strukturschwachen Branchen.

Doch intensive Beratung allein reicht nicht. Die Politik muss die Rahmenbedingungen für Unternehmertum verbessern.

Fünf Schritte aus der Krise

Die DIHK hat aus der Beratungspraxis konkrete Lösungsvorschläge entwickelt:

One-Stop-Shop einführen Unternehmen sollen den gesamten Übergabeprozess bei nur einer staatlichen Stelle anzeigen können.

Bürokratie abbauen Gastronomen müssen sich mit Dutzenden Vorschriften gleichzeitig auseinandersetzen – von Brandschutz bis Denkmalschutz. Diese Regelungen gehören entschlackt, unverhältnismäßige Anforderungen gestrichen.

Genehmigungen beschleunigen Modernisierungen und Umbauten brauchen schnellere, unbürokratische Genehmigungen durch Fiktionen, Stichtagsregelungen und verkürzte Fristen.

Datenübernahme vereinfachen Die Weiterverwendung von Kunden- und Lieferantendaten muss unkompliziert und datenschutzkonform möglich werden.

Unternehmertum fördern Eine stärkere Verankerung im Bildungssystem kann mehr junge Menschen für die Selbstständigkeit begeistern.

Die Zeit drängt: Ohne schnelle politische Reformen droht dem deutschen Mittelstand ein historischer Kahlschlag.

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Kontakt

Evers, Marc_neu

Dr. Marc Evers

Referatsleiter Mittelstand, Existenzgründung, Unternehmensnachfolge