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Vier DIHK-Vorschläge für effizienten und wirksamen Klimaschutz
Wie lässt sich Klimaschutz ambitioniert, international abgestimmt und wirtschaftlich tragfähig gestalten? In einem Vorschlagspapier identifiziert die DIHK den Emissionshandel sowie die Internationalisierung, Elektrifizierung und Energiepolitik als wesentliche Stellschrauben.
Hohe Energiepreise, überbordende Bürokratie, staatliche Detailsteuerung, unklare Infrastrukturentwicklung: Die deutsche Energiepolitik stellt viele Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen. Während der Iran-Konflikt die Öl- und Gaspreise in neue Höhen treibt, wird immer klarer, dass die Energiewende in ihrer aktuellen Ausgestaltung eine enorme Kostenbelastung verursacht. Die DIHK hat konkrete Vorschläge für einen effizienten und wirksamen Klimaschutz entwickelt.
Klimaschutz bleibt für die deutsche Wirtschaft ein zentrales Anliegen. Die Unternehmen bekennen sich klar zur Klimaneutralität und treiben sie mit viel Eigeninitiative voran. Angesichts der Folge des Krieges im Nahen Osten auf die Energiepreise ist es umso wichtiger, Wege zur Klimaneutralität weiter zu beschreiten, um dadurch auch Abhängigkeiten von fossilen Energieträgern zu verringern. Klar ist aber auch: 78 Prozent Öl, Gas und Kohle an unserer Energieversorgung lassen sich nicht über Nacht ersetzen.
"Die Energiewende hat sich festgefahren. Sie ist zu teuer, zu kompliziert, zu ineffizient. So wie es aktuell läuft, geht es nicht weiter"
Peter Adrian
-- DIHK-Präsident
Der bisherige Weg führt nicht zum Ziel
Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass der bisher eingeschlagene Weg zur Klimaneutralität nicht ausreicht, um das Ziel zu erreichen, und wirtschaftlich kaum tragfähig ist. Viele Betriebe geraten angesichts hoher Kosten, langer Verfahren, Unklarheiten bei der Entwicklung neuer Infrastrukturen und international ungleicher Rahmenbedingungen an ihre Belastungsgrenzen – mit wachsender Sorge um Wettbewerbsfähigkeit und Akzeptanz, wie auch das IHK-Energiewende-Barometer zeigt. Vor diesem Hintergrund legt die DIHK Vorschläge vor, die Klimaschutz wirksamer und effizienter machen.
Vier Ansatzpunkte
Klimawandel ist ein globales Problem. Der deutsche Weg zur Klimaneutralität braucht deshalb eine internationale Einbettung. Die EU-Kommission ist vor diesem Hintergrund zu Recht dabei, die Emissionshandelspfade zu strecken und Mehremissionen gegenüber dem Status quo aufgrund der Wettbewerbssituation der Industrie zu ermöglichen. Für den Übergang zur Klimaneutralität benötigen die Unternehmen Zeit, da neue Infrastrukturen für Strom, Wasserstoff und CO₂ erst entstehen und hohe Kosten die Wettbewerbsfähigkeit belasten.
Für die DIHK bleibt der Emissionshandel das zentrale Klimaschutzinstrument. Mit Preissignalen ermöglicht er, Emissionen dort reduzieren, wo dies am günstigsten und effektivsten ist. Entscheidend sind jedoch eine langfristige Perspektive und klare Rahmensetzung. Sind die Ziele zu ambitioniert, rechnen Akteure von vorneherein mit politischen Eingriffen in den Markt. Das schwächt das Vertrauen in den Emissionshandel als marktliches Instrument. Die DIHK unterstützt die Einführung des zweiten europäischen Emissionshandels (ETS2) im Jahr 2028 als zentrales Klimaschutzinstrument in den Bereichen Wärme und Verkehr. Die EU sollte ihn aber von Anfang an mit einem realistischen Zielpfad und einem Carbon-Leakage-Schutz ausstatten. Denn auch in diesem Bereich sind Unternehmen abhängig von externen Faktoren wie Infrastrukturen und Energiepreisen.
Internationale Klimaschutzprojekte können ein Hebel sein, um Emissionen global mit hoher ökologischer Wirkung, aber auch ökonomisch effizient zu senken. Unternehmen sollten aus solchen Projekten Zertifikate – analog zu freien Zuteilungen im Emissionshandel – oder Gutschriften erhalten, die sie für die eigene Transformation anrechnen oder mit denen sie handeln können. Das kann zusätzliches privates Kapital für den internationalen Klimaschutz aktivieren.
Um global Einsparpotenziale zu erschließen, sollte das europäische Emissionshandelssystem zudem mit anderen Systemen verknüpft werden. Deutschland und die EU sollten sich hierzu für einheitliche Standards und Nachweissysteme einsetzen.
Deutschland hat einen strukturellen Nachteil bei natürlichen Ressourcen: Andere Länder haben größere Potenziale bei Wasserkraft, Sonnen- und Windenergie oder verfügen über kostengünstigere Biomasse. Unsere erneuerbaren Energien sind also im Standortvergleich häufig teurer. Das verlangt umso mehr Effizienz bei ihrer Nutzung und Integration in das Energiesystem.
Für viele Unternehmen ist die Elektrifizierung der einzig mögliche Weg, um betriebliche Klimaneutralität zu erreichen. Unternehmen treffen dabei auf zwei zentrale Hindernisse: Die Strompreise sind hoch und auf neue Stromnetzanschlüsse müssen sie viele Jahre warten. Die Bundesregierung sollte deshalb die Strompreise senken, zum Beispiel durch die versprochene Stromsteuersenkung für alle und die Übernahme weiterer Abgaben und Umlagen in den Bundeshaushalt.
Zudem braucht es einheitliche Regeln und Fristen für Stromnetzanschlüsse. Dazu zählen die Modernisierung des Netzanschlussvergabeverfahrens, die optimale Auslastung vorhandener Netzkapazitäten, sowie die Vereinfachung und Harmonisierung von Antragsverfahren. Bereits heute sind vielerorts die Anschlusskapazitäten bis 2029 ausgeschöpft. Das muss sich ändern.
Die Energiewende ist ein langfristig angelegter Prozess, der von einem hohen Maß an Unsicherheit gekennzeichnet ist. Politische Zielkonflikte, aufwendige Regulierung, kleinteilige Detailsteuerung und bürokratische Prozesse führen zu unnötiger Verlangsamung und Mehrkosten für die Wirtschaft. Um Entscheidungen auf Bundesebene besser aufeinander abzustimmen, sollte ein Koordinierungsgremium wie ein Staatssekretärsausschuss Beschlüsse der Bundesregierung vorbereiten und die Umsetzung begleiten. Eine stärkere Koordinierung ist vor allem auch im Hinblick auf die deutschen Interessen bei EU-Entscheidungen notwendig.
Für die Weiterentwicklung der Klima- und Energiepolitik ist ein umfassendes und unabhängiges Monitoring erforderlich. Die Monitoringinstrumente sollten durch den Vergleich von Strom-, Gas- und Wasserstoffpreisen mit europäischen Wettbewerbern und die Erfassung der Gesamtsystemkosten des nationalen Energiesystems erweitert werden.
Downloads
Diese Vorschläge basieren auf zwei Beschlüssen der DIHK-Vollversammlung von 2025 und 2026, die hier abrufbar sind:
Neue Berechnungen zeigen: Die bisherige Ausrichtung der Energiewende birgt für alle Branchen in Deutschland bis 2049 erhebliche Belastungen. Kosten in Billionenhöhe sind eine Herausforderung für Unternehmen, Wettbewerbsfähigkeit und Standortqualität. Für eine wirtschaftlich tragfähige...