Euro-Münzen als Zahnräder

Was bringt die Spar- und Investitionsunion?

Aufschwung braucht Kapital. Die europäische "Savings and Investmentunion" soll bessere Bedingungen für die Unternehmensfinanzierung schaffen. In einer Position von April 2026 unterbreitet die DIHK-Empfehlungen für den Prozess.

Geopolitische Unsicherheiten, Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Klimatransformation: Die Unternehmen in Deutschland stehen unter starkem Wettbewerbsdruck und haben einen hohen Investitionsbedarf. Doch der Weg zu frischem Geld ist steiniger als nötig und könnte innerhalb der Europäischen Union deutlich geebnet werden.

Mit der Savings and Investmentunion (SIU) will die EU deshalb einen integrierten europäischen Kapitalmarkt schaffen, der Unternehmen in allen Wachstumsphasen Zugang zu ausreichendem und günstigem Kapital bietet. Dabei sollen private Ersparnisse produktiv genutzt, Risiken effizient geteilt, Bürokratie abgebaut und die internationale Wettbewerbsfähigkeit Europas nachhaltig gestärkt werden. 

Der Handlungsbedarf ist offensichtlich: Die EU-Kapitalmärkte sind stark segmentiert und national orientiert. Im Vergleich zu den USA hinkt Europa bei der Marktkapitalisierung, also beim Umfang der an der Börse gehandelten Unternehmenswerte, bei Zahl und Umfang der Börsengänge (Initial Public Offering, IPO) und bei der Intensität des eingesetzten Wagniskapitals (Venture Capital, VC) hinterher. Als Konsequenz wählen viele europäische Start-ups und Scale-ups außereuropäisches Wagniskapital, um ihre Geschäftsmodelle zu skalieren und schnell zu wachsen.

Die EU Savings and Investmentunion in Kürze

Mit der Savings- and Investmentunion (SIU) entwickelt die EU ihre Pläne für eine Kapitalmarktunion weiter. Ziel ist, die hohen privaten Ersparnisse in Europa stärker in Produktivkapital zu lenken – also in Unternehmensfinanzierung, Infrastruktur, Innovation und digitale Transformationsprojekte – statt sie überwiegend auf Bankkonten zu parken. Dabei ist das Vorhaben kein einzelnes Gesetz, sondern ein mehrjähriger Prozess, der eine Vielzahl von Rechtsbereichen berührt und deren Gesetzgebungskompetenz teils auf EU-Ebene und teils in Verantwortung der Mitgliedstaaten liegt.

Kernpunkte:

  • Vertiefung der Kapitalmärkte, unter anderem Vereinfachung von Verbriefung und Venture-Capital-Regeln
  • Stärkere Beteiligung von Kleinanlegern (Retail Investment Strategy, verbesserter Anlegerschutz, mehr Transparenz)
  • Bessere Verknüpfung von Sparen und Investieren über EU-weit standardisierte Spar- und Anlagekonten (EU-SIAs)

Integrierter Kapitalmärkte versprechen viele Vorteile

Dabei würden Unternehmen und Standorte in Deutschland und Europa von den Vorteilen großer, integrierter Kapitalmärkte deutlich profitieren: Denn diese verbessern die Kapitalallokation, also die Lenkung von Mitteln hin zum besten Einsatzzweck, sie fördern Innovation, erleichtern den Strukturwandel und steigern die Produktivität. Eine höhere Marktliquidität senkt Finanzierungskosten und verbessert die Reaktionsfähigkeit von Unternehmen. 

Dass Kapitalmärkte die Risiken über Ländergrenzen hinweg aufteilen, könnte sich als wichtiger Stabilitätsanker im Euroraum erweisen. Und nicht zuletzt müssen VC- und Wachstumsfinanzierungen zukünftig über ein ausreichendes Volumen verfügen, um jungen, wachstumsstarken Unternehmen vor allem in der Spätphase eine rasche Skalierung zu ermöglichen.

DIHK-Empfehlungen 

Damit der SIU maximale Ergebnisse erzielen kann, empfiehlt die DIHK einen pragmatischen und ausgewogenen Ansatz, der die etablierten, bewährten Stärken der nationalen Wirtschaftsstrukturen respektiert und mit einem geringen Maß an regulatorischen Eingriffen auskommt. Die Kernpunkte: 

  • Standortattraktivität erhöhen
    Die besten Finanzierungsbedingungen helfen nicht, wenn Unternehmen nicht frei agieren können. Deswegen braucht es über alle Bereiche hinweg proportionale Regulierung, eine geringere Steuerbelastung, niedrigere Energiekosten und ein schnellerer Zugang zu Fachkräften.
  • Finanzierungsinstrumente verbreitern: 
    Unternehmen profitieren, wenn sie aus einem Finanzierungsmix wählen können: Es braucht eine Mischung aus Kreditfinanzierungen, außerbörslichem/börslichem Eigenkapital und Anleihen für Unternehmen, sodass diese je nach individueller Situation die richtige Finanzierungslösung finden.
  • Private Ersparnisse mobilisieren: 
    Die finanzielle Bildung muss verbessert werden. Gerade mit Blick auf die Altersvorsorge kann der Staat die Nutzung einfacher Produkte (ETF-Sparpläne, Fonds) noch stärker fördern.
  • Verbriefungsmarkt fördern: 
    Verbriefungen sind das Bindeglied zwischen Kapitalmärkten und Kreditmärkten. Um das volle Potenzial des Verbriefungsmarktes zu heben, sollte die EU-Verbriefungsverordnung entschlackt werden.
  • Kosten des Kapitalmarktzugangs senken: 
    Es braucht eine proportionale Regulierung für kleine und mittlere Unternehmen, einfachere Prospekte, digitale Prozesse, harmonisierte Berichterstattung und mehr Market Making durch Finanzintermediäre, die Liquidität an den Märkten bereitstellen.
  • Steuerliche Anreize für Eigenkapital schaffen: 
    Die steuerliche Benachteiligung von Eigenkapital sollte abgeschafft werden.
  • Nicht-börsennotiertes Eigenkapital stärken: 
    Eine stärkere Öffnung des VC-Marktes für institutionelle Investoren und bessere Exit-Märkte, die Investoren den Verkauf von Unternehmensanteilen ermöglichen (vor allem über IPOs in Europa) können das Volumen des Wagniskapitalmarktes signifikant erhöhen. Attraktive Mitarbeiterbeteiligungsregime spielen insbesondere im Start-up Bereich eine wichtige Rolle.

Download

Das komplette DIHK-Papier mit Details gibt es hier zum Download:

DIHK-Position 2026 "Auf dem Weg zur Savings and Investment Union" (PDF, 457 KB)

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Schwerpunkte:
  • Finanzierung

Ansprechpartner

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Alexander Dern

Referatsleiter Unternehmensfinanzierung und Finanzmärkte