Klemens Kober (2.v.r.) beim rbb24 Inforadio

Zehn Jahre Brexit-Referendum: "Klare Lose-Lose-Situation"

Der Brexit hat Handel und Investitionen auf beiden Seiten des Ärmelkanals geschadet – das verdeutlichte Klemens Kober, bei der DIHK in Brüssel für Handelspolitik, transatlantische Beziehungen und EU-Zollfragen zuständig, in einer Debatte des rbb24 Inforadio.

Gemeinsam mit dem britischen Botschafter Andrew Mitchell (im Bild 2.v.l.) und der Politikwissenschaftlerin Birgit Bujard (r.) diskutierte Kober (2.v.r.) am 14. Juni in dem von Mirjam Meinhardt (l.) moderierten Forum "Bye Bye Britain? 10 Jahre Brexit-Abstimmung" über Stand und Perspektiven der Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich (UK) und Deutschland beziehungsweise der EU. 

Handelsdaten belegen den Schaden

Aus Wirtschaftssicht sei der Brexit "eine klare Lose-Lose-Situation", sagte Kober unter Verweis auf die Handelsdaten: So sei das UK, vor dem Brexit Deutschlands fünftwichtigster Handelspartner, zwischenzeitlich aus den Top Ten gefallen. Inzwischen habe es sich wieder etwas angenähert. 

Der DIHK-Experte berichtete von engen wirtschaftlichen Verflechtungen: Rund 2.500 deutsche Unternehmen seien im UK tätig, der Kapitalstock an Investitionen dort belaufe sich auf 153 Milliarden Euro. Eine solche Verflochtenheit funktioniere jedoch, besonders im Dienstleistungshandel, durch den Binnenmarkt, und mit dem Brexit sei hier Friktion entstanden. So müssten Unternehmen heute deutlich mehr Personal einsetzen, das sich mit Zollformalitäten beschäftige. Kober: "Das waren alles Sachen, die früher nicht nötig waren."

EU-UK-Gipfel könnte wichtige Abschlüsse bringen

Den Mitte 2025 unterzeichneten deutsch-britischen Kensington-Vertrag über Freundschaft und bilaterale Zusammenarbeit bewertet Kober als Zeichen dafür, dass beide Seiten den angerichteten Schaden erkannt hätten. "Dieses Zeichen an sich ist unheimlich wertvoll", sagte er. 

Vom bevorstehenden Gipfel zwischen EU und UK erhofft er konkrete Fortschritte: ein Veterinärabkommen zur Vereinfachung des Agrarhandels, eine Annäherung der Emissionshandelssysteme sowie den Abbau doppelter Zertifizierungen. Dringend sei außerdem eine Regelung für kurzfristige Geschäftsreisen: Wer technische Produkte liefere, müsse auch Schulung und Wartung erbringen können – das britische Sponsorship Scheme erschwere genau dies.

Vertrauen schaffen durch bessere Zusammenarbeit 

Die Hoffnung der deutschen Wirtschaft sei klar, so Kober: In den nächsten Jahren solle durch schrittweise bessere Kooperation so viel Vertrauen entstehen, dass UK und EU "Hand in Hand bei allen relevanten Themen" zusammenarbeiteten – ohne Friktionen im Hande und bei Investitionen.

Die gesamte Debatte zum Nachhören gibt es auf der Website des rbb24 Inforadio.

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Porträt Klemens Kober

Klemens Kober

Referatsleiter Handelspolitik, transatlantische Beziehungen und EU-Zollfragen

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Julia Fellinger

Pressesprecherin