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Von der Stabilität zur Resilienz
Markus Brunnermeier, Professor an der Princeton University und Leiter des Bendheim Center for Finance, eröffnete mit einer nüchternen Diagnose: Die alte Weltordnung – regelbasiert, multilateral, mit den USA als Garant für Seewege und Sicherheit – sei vorbei. An ihre Stelle trete eine transaktionale, bilaterale Welt mit wachsender USA-China-Rivalität. Deutschland müsse lernen, in dieser Unordnung zu navigieren – nicht durch Absicherung des Status quo, sondern durch aktive Anpassungsfähigkeit.
Sein Kernkonzept: das Resilienzprinzip. "Nicht zurückfedern zum alten Status quo, sondern nach vorne federn, hin zum Neuen." Das "Pivoting" – das schnelle Umschwenken auf neue Technologien und Märkte – sei entscheidend. Das Stabilitätsdenken, das Risiken minimieren und Bestehendes erhalten wolle, funktioniere in einer Welt radikaler Disruption nicht mehr.
Als Belege nannte er den Skype-Effekt (europäische Erfindung, US-Skalierung) und den Nokia-Effekt: Europa war beim GSM-Standard führend, verpasste aber den Sprung zum Smartphone. Für Deutschland gelte: Der komparative Vorteil liege nicht in einzelnen Produkten, sondern in der Ingenieurskultur und Sozialpartnerschaft – also in Fähigkeiten, die auf Neues übertragbar seien.
KI-Strategie: Wertschöpfung in der Anwendungsschicht sichern
Konkret wurde Brunnermeier beim Thema künstliche Intelligenz. Europäische Foundation Models seien angesichts fehlender Kapitalmärkte kaum realisierbar – und auch nicht nötig. Entscheidend sei, die Wertschöpfung in die Anwendungsschicht zu verlagern, wo Europa mit Industrieexpertise, SAP und Datenbanken bereits stark aufgestellt ist.
Dafür schlug er eine Komodifizierungsstrategie vor: "Wenn LLMs [Large Language Models] im öffentlichen Bereich eingesetzt werden dürfen, müssen sie so standardisiert sein, dass man einfach von einem Modell zum anderen gehen kann." Niedrige Wechselkosten zwischen Anbietern würden Monopolmacht verhindern und die Wertschöpfung dorthin verschieben, wo Europa wettbewerbsfähig ist. Ergänzend forderte er Datengenossenschaften für den Mittelstand, damit kleinere Unternehmen die industriellen Datenschätze Deutschlands gemeinsam nutzen können.
Arbeitsmarkt, Finanzen, Verteidigung
Beim Arbeitsmarkt kritisierte Brunnermeier das deutsche Muster, Arbeitsplätze statt Arbeitnehmer zu schützen. Übertragbare Sozialversicherungsleistungen könnten Übergänge erleichtern und zu besserer Produktivität führen.
Zur globalen Finanzarchitektur warnte er vor der "Weaponisierung" der Fed-Swap-Lines, den reziproken Notfall- Liquiditätslinien zwischen der amerikanischen Zentralbank und anderen Zentralbanken: Die EZB sei auf diese Liquiditätslinien angewiesen, wenn europäische Banken in Dollarengpässe gerieten – und Trump könnte sie als Druckmittel einsetzen.
Für die Verteidigung plädierte er für Fertigungsagilität statt Bevorratung: Das finnische Modell der 3D-Drohnenproduktion zeige, wie militärische Resilienz in Zeiten technologischer Disruption aussehen könne.
Video
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Veröffentlicht 26.06.2026
Aktualisiert 29.06.2026