DIHK-Stellungnahme zum Advanced Materials Act

The EU Commission is planning the "Advanced Materials Act," which aims to provide a better regulatory framework for developing highly innovative materials. The DIHK considers the proposed reduction of sector-specific innovation obstacles important but advocates for a bureaucracy-light, practical, and technology-open approach that is accessible to all companies.

Advanced Materials are considered key building blocks for future technologies, clean energy, and Europe's technological sovereignty. They are used in applications like Cleantech, mobility, electronics, energy generation, construction, or space travel. The EU Commission aims to strengthen the development, market introduction, and recyclability of such materials – but should adapt the planned framework from DIHK's perspective.

Ob neue Batteriematerialien für die Elektromobilität, recycelbare Verbundstoffe im Bau oder biobasierte Kunststoffe in der Industrie – sogenannte "Advanced Materials" stecken in und hinter vielen Innovationen, die Europas Wirtschaft derzeit prägen. Gleichzeitig zeigt die Praxis: Zwischen Forschung, Markteinführung und breiter Anwendung liegen oft noch erhebliche Hürden. Genau hier möchte die Europäische Kommission mit einem für das vierte Quartal 2026 geplanten "Advanced Materials Act" ansetzen.

Die DIHK hat sich mit einer Vorab-Stellungnahme in die Vorbereitung zu diesem EU-Rechtsakt eingebracht. Sie unterstützt das Ziel, Innovationen im Advanced-Materials-Bereich zu stärken und regulatorische Hürden abzubauen, macht aber deutlich: Entscheidend ist die konkrete Ausgestaltung. Der neue Rahmen muss echten Mehrwert für Unternehmen schaffen und darf nicht zu zusätzlicher Komplexität oder verzögerten Markteinführungen führen.

Fortgeschrittene Werkstoffe spielen eine zentrale Rolle für Cleantech, Mobilität, Energie, Elektronik oder Raumfahrt. Der geplante EU-Rechtsakt soll Entwicklung, Skalierung und Kreislauffähigkeit verbessern. Aus Sicht der DIHK kann dies ein wichtiger Baustein für Wettbewerbsfähigkeit und technologische Souveränität sein – vorausgesetzt, bestehende Regelwerke werden sinnvoll ergänzt und nicht überlagert.

Hintergrund: Worum geht es beim Advanced Materials Act?

Die Europäische Kommission arbeitet im Rahmen ihrer Innovationsagenda an einem neuen Rechtsrahmen für "Advanced Materials". Ziel ist es, Europas Führungsrolle bei fortgeschrittenen Werkstoffen zu sichern und auszubauen. Diese Materialien zeichnen sich durch neue oder deutlich verbesserte Eigenschaften aus und sind für eine Vielzahl von Sektoren von strategischer Bedeutung – das Spektrum reicht von Cleantech und Energie über Elektronik, Hightech-Anwendungen oder Bau und Infrastruktur bis hin zur Raumfahrt.

Der Advanced Materials Act ist eingebettet in weitere EU-Initiativen zur Stärkung von Innovation, Start-ups und Scale-ups. Er soll:

  • Förder- und Innovationsprogramme bündeln,
  • regulatorische Prozesse straffen,
  • die Time-to-Market für neue Materialien verkürzen,
  • Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Nutzung von Ressourcen stärken,
  • EU-Produktionskapazitäten und Versorgungssicherheit verbessern.

Aus Sicht der DIHK ist dabei entscheidend: Der Rechtsakt muss sich stimmig in bestehende EU-Gesetze einfügen, Doppelregulierungen vermeiden und insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) den Zugang zu Innovation und Förderung erleichtern, statt zusätzliche Komplexität zu erzeugen.

Die wichtigsten DIHK-Forderungen

In ihrer Vorab-Stellungnahme zum geplanten Advanced Materials Act formuliert die DIHK zentrale Anforderungen entlang des gesamten Innovations- und Lebenszyklus fortgeschrittener Werkstoffe:

Praxisnahe, technologieoffene Forschungs- und Innovationsförderung

Fördermaßnahmen sollten sektorübergreifend, unbürokratisch und für Unternehmen jeder Größe zugänglich sein. Entscheidend ist ein besserer Transfer von Forschung in die Anwendung – etwa durch vereinfachte Nutzung öffentlich finanzierter Patente und stärkere Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft.

Vermeidung innovationshemmender Überregulierung

Die DIHK warnt ausdrücklich davor, neue, komplexe Anforderungen aufzubauen, die Markteinführungen verzögern. Erfahrungen aus stark regulierten Bereichen wie der Medizintechnik zeigen, wie schnell übermäßige Regulierung Innovation ausbremsen kann. Der geplante Rechtsakt sollte daher schlank und praxisnah bleiben.

Stärkung und Anerkennung neuer Recyclingtechnologien

Innovative Recyclingverfahren müssen rascher zugelassen und frühzeitig in Materialentwicklungen integriert werden. Bestehende Technologien dürfen nicht bevorzugt werden, wenn dadurch neue, effizientere Lösungen verdrängt werden. Nur so kann eine echte Kreislaufwirtschaft für fortgeschrittene Werkstoffe entstehen.

Beschleunigte Verfahren und weniger Bürokratie

Genehmigungs-, Zulassungs- und Testverfahren sollten deutlich vereinfacht und beschleunigt werden. Instrumente wie Reallabore und regulatorische Sandboxes können helfen, neue Materialien unter realen Bedingungen schneller zur Marktreife zu bringen.

Marktwirtschaftliche Ausgestaltung der Versorgungssicherheit

Maßnahmen zur Stärkung europäischer Produktionskapazitäten und zur Reduzierung von Abhängigkeiten sollten wettbewerbsneutral und ohne zusätzliche Berichtspflichten erfolgen. Unternehmen müssen ihre Investitions- und Risikostrategien weiterhin eigenständig gestalten können.

FAQ

Answers to Frequently Asked Questions

Welche Unternehmen sind vom Advanced Materials Act betroffen?
Adressiert werden Stakeholder entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von Forschungseinrichtungen und Start-ups über Hersteller und Verarbeiter bis hin zu Anwenderindustrien wie Energie, Halbleiter, Mobilität oder Bau. Auch Unternehmen, die innovative Materialien anderweitig einsetzen oder recyceln, könnten je nach Ausgestaltung einbezogen werden.

Welche Chancen bietet der geplante Rechtsakt für kleine und mittlere Unternehmen?

Kleine und mittlere Unternehmen könnten insbesondere von verbesserten Förderstrukturen, stärkerem Wissenstransfer und schnelleren Verfahren profitieren. Voraussetzung ist jedoch, dass Programme einfach zugänglich sind und bürokratische Hürden in der Praxis spürbar abgebaut werden.

Worin sieht die DIHK die größten Risiken?
Die DIHK warnt vor zusätzlicher regulatorischer Komplexität, Überschneidungen mit bestehenden EU-Regeln und neuen Anforderungen etwa bei Nachhaltigkeit, Transparenz oder Sicherheit, die Innovationsprozesse verlangsamen könnten.

Was bedeutet der Fokus auf Kreislaufwirtschaft konkret?
Unternehmen sollen "Advanced Materials" stärker wiederverwenden und recyclingfähig gestalten können. Dafür sind jedoch unter anderem eine funktionierende Rückhollogistik, Zugang zu hochwertigen Rezyklaten und die schnelle Anerkennung neuer Recyclingverfahren entscheidend.

Wie bewertet die DIHK Maßnahmen zur Versorgungssicherheit?
Die DIHK unterstützt das Ziel, Abhängigkeiten bei innovativen Werkstoffen zu reduzieren, betont jedoch: Instrumente wie gemeinsame Beschaffung oder Vorratshaltung müssen freiwillig, marktwirtschaftlich und ohne zusätzliche Bürokratie ausgestaltet werden.

Download

Die komplette DIHK-Stellungnahme vom 7. Januar 2026 mit Einzelheiten gibt es hier zum Download:

EU_DIHK-Stellungnahme Advanced Materials Act 2025 (PDF, 132 KB)

Relevant im Themenfeld:
Schwerpunkte:
  • Digitalisierung
  • Bürokratie

Ansprechpartner

Kramer, Lorenz_quad

Lorenz Kramer

Referatsleiter Wirtschaft in Europa