Trotz konjunktureller Schwäche bleibt der Fachkräftemangel für viele Betriebe eine ernsthafte Belastung: Laut DIHK-Fachkräftereport 2025/2026 können 36 Prozent der Unternehmen Stellen längerfristig nicht besetzen. Die Westbalkanregelung ist dabei ein bewährter, vergleichsweise unbürokratischer Weg zur Gewinnung von Arbeits- und Fachkräften aus sechs Staaten Südosteuropas. Eine Halbierung des Kontingents würde diesen Weg empfindlich einschränken - zu einem Zeitpunkt, an dem das inländische Arbeitskräfteangebot demografisch schrumpft.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Bundesregierung will das Zuwanderungskontingent der Westbalkanregelung von 50.000 auf 25.000 pro Jahr halbieren.
- 36 Prozent der Unternehmen können Stellen laut DIHK-Fachkräftereport 2025/2026 längerfristig nicht besetzen, weil sie kein passendes Personal finden.
- Besonders betroffen wäre unter anderem das Baugewerbe: 54 Prozent der Baubetriebe sehen im Fachkräftemangel ein Risiko für ihre Entwicklung – bei einem geplanten Infrastrukturausbau aus dem Sondervermögen des Bundes.
- Mehr als die Hälfte der über die Westbalkanregelung Zugewanderten arbeiten laut BA mindestens als Fachkraft.
- Das inländische Arbeitskräfteangebot sinkt infolge der Demografie, die Zuwanderung aus Drittstaaten gewinnt daher weiter an Bedeutung.
Hintergrund
Die Westbalkanregelung ermöglicht Staatsangehörigen aus Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien die Aufnahme einer Beschäftigung in Deutschland – ohne dass ihre ausländische Berufsqualifikation formell anerkannt werden muss. Derzeit erlaubt ein jährliches Kontingent bis zu 50.000 Zustimmungen der Bundesagentur für Arbeit. Im Koalitionsvertrag hat sich die Bundesregierung auf eine Halbierung auf 25.000 verständigt; der vorliegende Referentenentwurf zur Neunten Verordnung zur Änderung der Beschäftigungsverordnung setzt dies nun um. Das Kontingent wurde zuletzt vollständig ausgeschöpft, was bei einzelnen Ländern bereits zu langen Bearbeitungszeiten und Ablehnungen geführt hat. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erwartet für 2026 einen Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials um 70.000 Personen, für 2027 sogar um 140.000 – bei gleichzeitig negativer Nettozuwanderung aus den EU-Staaten.
Forderungen der DIHK
- Das Kontingent der Westbalkanregelung von 50.000 Zustimmungen pro Jahr sollte erhalten bleiben und perspektivisch bei wieder anziehender Konjunktur eher ausgeweitet werden.
- Die Visumverfahren sollten deutlich beschleunigt werden, um Betrieben mehr Planungssicherheit zu geben und Bürokratie zu reduzieren.
- Die Aufteilung des Kontingents auf die einzelnen Westbalkanstaaten sollte überprüft und so optimiert werden, dass vorhandene Länderkontingente möglichst vollständig genutzt und Wartezeiten verkürzt werden.
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DIHK-Stellungnahme vom 15.10.2026 zum Referentenentwurf der Bundesregierung Neunte Verordnung zur Änderung der Beschäftigungsverordnung
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Dateiformat: PDF (barrierefrei)
Dateigröße: 262 KB
Stand: Oktober 2026
Seitenumfang: 4 Seiten
- Relevant im Themenfeld:
- Fachkräfte
- Schwerpunkte:
-
- Beschäftigung
Veröffentlicht 15.10.2026
Aktualisiert 16.10.2026
Ansprechpartner
Dr. Stefan Hardege
Referatsleiter Fachkräftesicherung, Arbeitsmarkt, Zuwanderung