Die Europäische Kommission hat im Juli 2025 eine Konsultation zum neuen Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) 2028–2034 gestartet, der auch die externe Handelspolitik und Entwicklungsfinanzierung der EU neu ordnet. Das zentrale Instrument dafür ist die geplante Verordnung "Global Europe" (COM(2025) 551 final), die unter anderem die Nachfolge des bisherigen Nachbarschafts-, Entwicklungs- und Internationalen Kooperationsinstruments (NDICI) regeln soll.
Für deutsche Unternehmen ist die Ausgestaltung dieses Instruments von erheblicher praktischer Bedeutung: Es entscheidet darüber, ob und wie Betriebe – insbesondere kleine und mittlere Unternehmen – Zugang zu EU-Fördermitteln für internationale Projekte erhalten. Die DIHK hat zu dem Verordnungsentwurf eine Stellungnahme erarbeitet, die konkrete Nachbesserungen in zentralen Artikeln und Erwägungsgründen einfordert.
Hintergrund
Der Mehrjährige Finanzrahmen (MFR) 2028–2034 definiert die Grundlagen für die Außenfinanzierungspolitik der Europäischen Union für mehr als sieben Jahre. Das neue "Global Europe"-Instrument soll verschiedene bisherige Förderprogramme bündeln und unter anderem die Global-Gateway-Initiative – die europäische Antwort auf konkurrierende internationale Infrastrukturprogramme – finanziell absichern.
Bislang wird Global Gateway im Verordnungsentwurf von Juli 2025 jedoch nur am Rande erwähnt, ohne dass ein eigenständiger Finanzierungsmechanismus oder ein Teilbudget vorgesehen wäre. Gleichzeitig zeigen Rückmeldungen aus der deutschen Wirtschaft, dass EU-Programme unter Global Gateway von Unternehmen bisher kaum als zugänglich wahrgenommen werden – unter anderem, weil Antragsverfahren und Fördervoraussetzungen unklar sind. Die Europäische Kommission hatte bereits im Frühjahr 2025 eine allgemeinere Konsultation zum neuen MFR durchgeführt, an der sich die DIHK ebenfalls beteiligt hatte.
Die wichtigsten DIHK-Forderungen
Global Gateway muss im Verordnungstext verankert werden:
Ein eigenes Teilbudget (Sub-Envelope) nach Vorbild des bisherigen Europäischen Fonds für nachhaltige Entwicklung Plus (EFSD+) ist notwendig, um die Initiative dauerhaft finanziell abzusichern.
Privatwirtschaft gehört in die Konsultationsprozesse:
Unternehmen müssen frühzeitig und verbindlich in die Planung und Umsetzung eingebunden werden, auch durch explizite Aufnahme in relevante Erwägungsgründe und Artikel der Verordnung.
Privatsektor in "Team Europe" aufnehmen:
Die Initiative "Team Europe" schließt bisher die Privatwirtschaft nicht als offiziellen Partner ein – das muss sich im neuen MFR ändern.
Ein-Schalter-Stelle für Unternehmensanträge:
Unternehmen brauchen einen klaren, einheitlichen Zugangspunkt für die Beantragung von EU-Außenfinanzierungsmitteln (One-Stop-Shop).
Mehr Flexibilität bei Entwicklungshilfequoten:
Eine Absenkung der ODA-Schwelle von 93 auf 90 Prozent (Artikel 6, Absatz 5) würde die Beteiligung des Privatsektors am Global-Europe-Instrument erleichtern.
FAQ
Antworten auf häufig gestellte Fragen
Worum geht es beim "Global Europe"-Instrument?
"Global Europe" ist der Arbeitstitel für das neue EU-Außenfinanzierungsinstrument ab 2028, das verschiedene bisherige Programme zur Förderung von Entwicklungszusammenarbeit, Nachbarschaftspolitik und internationaler Kooperation bündeln soll. Es ist Teil des Mehrjährigen EU-Finanzrahmens 2028–2034.
Was ist Global Gateway?
Global Gateway ist die Investitionsstrategie der Europäischen Union für Infrastruktur, Digitalisierung und Energieversorgung in Partnerländern weltweit. Sie soll europäischen Unternehmen helfen, Lieferketten zu diversifizieren, neue Märkte zu erschließen und internationale Partnerschaften aufzubauen. Für Betriebe, die in Drittländern aktiv sind oder es werden wollen, kann Global Gateway den Zugang zu EU-Fördermitteln und Garantien eröffnen.
Warum haben Unternehmen bislang Schwierigkeiten, auf Global-Gateway-Mittel zuzugreifen?
Laut Rückmeldungen aus der deutschen Wirtschaft sind die Förderprogramme unter Global Gateway bisher kaum als für den Privatsektor zugänglich wahrgenommen worden. Es fehlt an klaren Antragsverfahren, niedrigschwelligen Einstiegsmöglichkeiten und einer zentralen Anlaufstelle.
Was ist "Team Europe", und welche Rolle spielt der Privatsektor dabei?
"Team Europe" ist ein Zusammenschluss aus der Europäischen Kommission, EU-Mitgliedstaaten und europäischen Finanzinstitutionen, der EU-Außenmaßnahmen koordiniert und bündelt. Die Privatwirtschaft ist bislang kein offizielles Mitglied – die DIHK tritt dafür ein, das durch entsprechende Formulierungen in Artikel 11 zu ändern.
Was bedeutet die ODA-Schwelle – und warum fordert die DIHK deren Senkung?
Die ODA-Schwelle (Official Development Assistance) legt fest, welcher Anteil der Mittel aus dem Global-Europe-Instrument als öffentliche Entwicklungshilfe anrechenbar sein muss. Je höher dieser Anteil, desto enger sind die Einsatzmöglichkeiten für privatwirtschaftlich orientierte Projekte. Eine Senkung von 93 auf 90 Prozent würde mehr Spielraum für unternehmerisch getragene Vorhaben schaffen.
Download
Die DIHK-Stellungnahme vom 19. November 2025 finden Sie hier in englischer Sprache:
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DIHK-Stellungnahme zu Global Europe
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Dateiformat: PDF (barrierefrei)
Dateigröße: 128 KB
Stand: August 2026
Seitenumfang: 4 Seiten
- Relevant im Themenfeld:
- Internationaler Handel
- Schwerpunkte:
-
- Infrastruktur
- Außenwirtschaft
Veröffentlicht 19.11.2025
Aktualisiert 10.08.2026
Ansprechpartner
Sandra Zwick
Referatsleiterin Europapolitik, EU-Finanzierungsinstrumente, EU-Außenwirtschaftsförderung