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EU-Handelsabkommen mit Südostasien im Blick

Südostasien zählt zu den dynamischsten Wirtschaftsregionen der Welt. Die DIHK unterstützt daher nachdrücklich ehrgeizige Verhandlungen der EU mit Thailand, Malaysia und den Philippinen über umfassende Handelsabkommen. In einem Positionspapier skizziert sie die Erwartungen der deutschen Unternehmen.

Die hiesige Wirtschaft schätzt Thailand, Malaysia und die Philippinen als bedeutende Standorte für Produktion, Zulieferung und Absatz. Viele Unternehmen aus Deutschland sind bereits vor Ort aktiv und nutzen die Region als Drehscheibe für den Handel in Asien. Gleichzeitig nimmt der Druck auf deutsche Betriebe zu, ihre Lieferketten breiter aufzustellen und strategische Abhängigkeiten zu verringern. Geopolitische Spannungen, protektionistische Tendenzen und eine geschwächte Welthandelsorganisation (WTO) erhöhen den Bedarf an stabilen, klaren und durchsetzbaren Regeln im Außenhandel.

Als aktuell größte Hürden im Geschäft mit den drei südostasiatischen Staaten nennen die Unternehmen Zölle und Abgaben, beschränkte Investitionsmöglichkeiten, regulatorische und technische Barrieren, Korruptionsrisiken und intransparente Genehmigungsprozesse. Eine wichtige Rolle spielen zudem spezifische Auflagen wie etwa eine umfassende Halal-Zertifizierung, der in Malaysia inzwischen auch Bereiche wie Chemie, Kosmetik und Logistik unterliegen. 

Zentrale Anliegen an die Abkommen

Entsprechend groß ist das Interesse an umfassenden EU-Handelsabkommen mit Thailand, Malaysia und den Philippinen. Sie sollten inhaltlich weit über reine Zollsenkungen hinausgehen und Transparenz, Planungssicherheit sowie Regeln für Investitionen, Dienstleistungen und digitale Geschäftsmodelle schaffen. Aus Sicht der gewerblichen Wirtschaft ist wichtig, dass die Marktöffnung gegenüber Unternehmen aus der EU mindestens dem entspricht, was zuletzt anderen wichtigen Partnern wie etwa den USA eingeräumt wurde – besser noch dieses Niveau überschreitet. 

Konkret sollten die Abkommen deshalb die folgenden Erwartungen der Wirtschaft erfüllen: 

  • Ambitionierte Marktöffnung: Abbau von Zöllen, Importabgaben und diskriminierenden Zugangsregeln für Waren und Dienstleistungen, klare und harmonisierte Regeln für den Warenursprung 
     
  • Rechtssicherheit und Planbarkeit: Klare Bestimmungen zu Investitionsschutz, Schutz geistigen Eigentums und Streitbeilegung, Verankerung international vereinbarter Standards bei Klima- und Umweltschutz und ILO-Kernarbeitsnormen  
     
  • Diversifizierung von Lieferketten: Bessere Rahmenbedingungen für sichere und breiter aufgestellte Lieferketten, etwa durch die Abschaffung von Exportverboten und -steuern 
     
  • Stärkung des regelbasierten Welthandels: Bekenntnis zum Erhalt und zur Reform der Welthandelsorganisation; keine Regelungen, die zentrale WTO-Grundsätze unterlaufen
     
  • Perspektive Region zu Region: Bilaterale Abkommen als Schritt hin zu einem späteren regionalen Abkommen zwischen der EU und dem südostasiatischen Staatenbund
     
  • Fachkräftemobilität: Leichtere temporäre Einreise zu Berufszwecken in beide Richtungen – unabhängig von der Qualifikation; schnelle und transparente Visa-Vergabe
     
  • Mittelstandskapitel: Erleichterungen für kleine und mittlere Unternehmen bei der Nutzung der Abkommen 

Das Zustandekommen der drei Abkommen wäre ein starkes Signal für offene Märkte und regelbasierten Handel sowie gegen Protektionismus und Abschottung. Darüber hinaus sollte die EU nach Auffassung der DIHK rasch weitere Abkommen im Indopazifik abschließen, etwa mit Australien. Auch eine schnellstmögliche Ratifizierung des EU-Mercosur-Abkommens würde deutsche Unternehmen bei der Diversifizierung ihrer Lieferketten unterstützen und Planungssicherheit im Außenhandel stärken.

Hintergrund

Von Gesprächen über ein Regionen-Abkommen zu bilateralen Verhandlungen

  • Bereits 2007 hatten die EU und die Vereinigung südostasiatischer Nationen, ASEAN, Verhandlungen über ein Region-to-Region-Abkommen aufgenommen, nach zwei Jahren aber wieder pausiert, um stattdessen bilaterale Abkommen voranzutreiben. 
     
  • Die 2013 gestartet Handelsverhandlungen der EU mit Thailand wurden 2014 nach der Machtübernahme der Militärs ausgesetzt und im September 2023 wieder aufgenommen. 
     
  • Die bilateralen Verhandlungen mit Malaysia, die 2010 begonnen hatten, wurden 2012 wegen unterschiedlicher Erwartungen pausiert und liefen im Januar 2025 wieder an. 
     
  • Mit den Philippinen verhandelt die EU seit Dezember 2015. Nach einer innenpolitisch bedingten Pause ab 2017 werden die Gespräche seit März 2024 fortgeführt.

Download

Das vollständige DIHK-Positionspapier gibt es hier zum Download:

Thailand, Malaysia und die Philippinen im Fokus (PDF, 533 KB)

Relevant im Themenfeld:
Schwerpunkte:
  • Außenwirtschaft

Ansprechpartner

Mann im Haus der Deutschen Wirtschaft

Klemens Kober

Referatsleiter Handelspolitik, transatlantische Beziehungen und EU-Zollfragen

20250207D8726

Katharina Wittke

Referatsleiterin Süd- und Südostasien, Pazifik