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Nachhaltigkeitsberichterstattung leicht(er) gemacht – ein freiwilliger Standard für KMU

Um ihren Nachhaltigkeitsberichtspflichten nachzukommen, fordern größere Betriebe zunehmend Informationen von ihren oft kleinen Zulieferern an. Mit dem "Voluntary Standard" bietet die EU nun einen Rahmen, der das Beantworten von Datenanfragen entlang der Wertschöpfungskette erleichtern soll.

Immer häufiger werden die Unternehmen in Deutschland um Informationen zu ihren Nachhaltigkeitsanstrengungen gebeten. Geschäftspartner, Banken und Investoren erfragen etwa, wie hoch die CO₂-Emissionen eines Betriebes sind oder ob es einen Verhaltenskodex für die Lieferkette gibt. Gerade kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stellt das vor einen enormen Arbeitsaufwand, denn sie müssen dafür häufig unterschiedliche Fragebögen ausfüllen und ähnliche Informationen mehrfach bereitstellen. Obwohl viele von ihnen selbst gar keiner gesetzlichen Nachhaltigkeitsberichterstattungspflicht unterliegen, sind sie immer häufiger mit Informationsanforderungen auch aus ihren Liefer- und Wertschöpfungsketten konfrontiert.

Für Erleichterung soll der "Voluntary Standard" (VS) sorgen: Mit diesem fakultativen Standard steht nun erstmals ein europaweit einheitlicher Rahmen für die freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung zur Verfügung. Ziel des VS ist es, Unternehmen mit bis zu 1.000 Beschäftigten eine verhältnismäßige und standardisierte Möglichkeit zur Bereitstellung von Nachhaltigkeitsinformationen zu bieten. Gleichzeitig sollen in den Liefer- und Wertschöpfungsketten die Datenanforderungen von gesetzlich berichtspflichtigen Unternehmen an ihre selbst nicht berichtspflichtigen Geschäftspartner begrenzt werden. Nach der für Herbst 2026 erwarteten Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union werden diese Wertobergrenzen ab 2027 gelten. Der Standard selbst kann allerdings schon jetzt angewendet werden.

Praxisorientierter Aufbau für KMU 

Der VS orientiert sich an den europäischen Nachhaltigkeitsberichterstattungsstandards für größere Unternehmen, den sogenannten "European Sustainability Reporting Standards” (ESRS). Er ist jedoch deutlich einfacher ausgestaltet und umfasst zwei Module: Im "Basismodul" werden grundlegende Informationen zu Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen angegeben. Daran anknüpfend beinhaltet der VS ein "Zusatzmodul" mit weitergehenden Angaben, etwa zu Strategie, Klimarisiken oder Menschenrechten. Diese Informationen werden beispielsweise häufig von Banken beziehungsweise Investoren benötigt. Unternehmen können je nach Größe mit dem Basismodul starten und ihre Berichterstattung schrittweise erweitern.

Anders als bei den Standards für größere Unternehmen verzichtet der VS auf die doppelte Wesentlichkeitsanalyse. Auch sollen einige Angaben nur dann gemacht werden müssen, wenn sie tatsächlich relevant sind. Dadurch soll die freiwillige Berichterstattung insbesondere für kleinere Betriebe praktikabel bleiben.

Informationsanforderungen sind beschränkt 

Besonders wichtig ist der VS als Grundlage für den sogenannten "Value Chain Cap". Dabei handelt es sich um eine Obergrenze für die Nachhaltigkeitsinformationen, die gesetzlich berichtspflichtige Betriebe von selbst nicht berichtspflichtigen Unternehmen in ihrer Wertschöpfungskette für die eigene Nachhaltigkeitsberichterstattung verlangen dürfen. Dabei werden für Firmen mit bis zu zehn Beschäftigten und für Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitenden unterschiedliche Anforderungen definiert.

Diese Begrenzung der Inhalte soll den "Trickle-down-Effekt" eindämmen, also die Weitergabe von umfangreichen gesetzlichen Berichtspflichten innerhalb der Lieferketten an nicht berichtspflichtige Betriebe. Der VS soll so für mehr Rechtssicherheit und Verhältnismäßigkeit sorgen.

Akzeptanz entscheidet über Entlastung 

Die IHK-Organisation sieht die breite Anerkennung des Standards als entscheidende Voraussetzung für seinen Erfolg. Banken, Investoren, Fördermittelgeber und öffentliche Auftraggeber sollten den VS als gemeinsamen Referenzrahmen für die Abfrage von Nachhaltigkeitsinformationen nutzen. Werden hingegen weiterhin zahlreiche individuelle Fragebögen und zusätzliche Daten verlangt, droht die angestrebte Standardisierung auszubleiben, die Belastungen würden fortbestehen.

Den Standard jetzt kennenlernen 

Für viele KMU werden Nachhaltigkeitsinformationen eine Rolle bei Finanzierung und Geschäftsbeziehungen spielen. Der VS bietet die Chance, entsprechende Anforderungen auf einer einheitlichen Grundlage zu erfüllen und gleichzeitig den Aufwand für die Datenerhebung zu begrenzen.

Damit der Standard seine Wirkung entfalten kann, sollte er möglichst frühzeitig in der betrieblichen Praxis berücksichtigt werden. Welche Unternehmen den VS nutzen können, wie der Standard aufgebaut ist und welche Bedeutung der "Value Chain Cap” für die Praxis hat, erläutert die DIHK in einem Webinar am 9. Oktober 2026.

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Porträtfoto Cornelia Upmeier

Cornelia Upmeier

Referatsleiterin CSR | Sonderprojekte

Porträtbild Annika Böhm, Referatsleiterin Gesellschafts- und Bilanzrecht

Annika Böhm

Referatsleiterin Gesellschafts- und Bilanzrecht