Container und Ladekräne in einem Hafen

WTO erhalten – Lieferketten absichern

Die Welthandelsorganisation WTO erfährt derzeit einen Epochenbruch: Hochzölle, protektionistische Deals und eine blockierte Streitbeilegung erschüttern das regelbasierte Handelssystem. Die DIHK legt Impulse für eine neue Welthandelsordnung vor.

Die exportorientierte deutsche Wirtschaft ist besonders stark auf verlässliche Regeln, offene Märkte und stabile Lieferketten angewiesen. Was sollten die Europäische Union und ihre Partner jetzt tun, um den Multilateralismus zu sichern?

Seit 1995 ist die Welthandelsorganisation in Genf die Grundlage für die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen ihrer aktuell 166 Mitgliedsländer, die für rund 98 Prozent des Welthandels stehen. Allerdings mit sinkender Durchschlagskraft: Neben dem WTO-System entsteht derzeit eine handelspolitische Realität der Unsicherheit, in der Protektionismus wieder salonfähig ist und das Recht des Stärkeren die Stärke des Rechts abzulösen droht. Im April 2025 bezifferte WTO-Generaldirektorin Ngozi Okonjo-Iweala den Anteil des Welthandels, der tatsächlich nach WTO-Regeln abgewickelt wird, auf 72 Prozent.

Für deutsche Unternehmen ist das mehr als ein abstraktes Problem. Denn die WTO steht für dringend benötigte Planungs- und Rechtssicherheit: Sie begrenzt Zollhöhen, regelt den Marktzugang, sichert geistiges Eigentum und bietet einen Mechanismus zur Streitbeilegung. 

Die zentralen Funktionen der WTO

  • Verhandlungsforum für weitere Handelsliberalisierungen
  • Überwachung der WTO-Abkommen und nationaler Handelspraktiken
  • Streitschlichtung bei Verstößen gegen WTO-Recht

DIHK-Vorschläge in fünf Handlungsfeldern

Vor diesem Hintergrund formuliert die DIHK in fünf zentralen Handlungsfeldern Vorschläge, wie die EU und ihre Partner die WTO an geoökonomische und technologische Realitäten anpassen können.

1. WTO erhalten und reformieren

Multilaterale Regeln stärken, WTO-Streitbeilegung reformieren, plurilaterale Abkommen voranbringen

2. Koalition für Freihandel und faire Regeln schmieden 

Verbündete für regelbasierten Handel gewinnen und Subventionsregeln nachschärfen

3. Digitalzölle verhindern 

E-Commerce-Moratorium dauerhaft sichern und digitale Handelsregeln vereinbaren

4. Nachhaltigkeit global statt unilateral vorantreiben 

Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsregeln global vereinbaren statt durch nationale Alleingänge neue Handelskonflikte zu erzeugen

5. Mittelstand mitdenken 

Bürokratische Hürden im Welthandel senken, handelsbezogene Regeln mittelstandsfreundlich gestalten und das  2013 getroffene Übereinkommen zur Erleichterung des Handels ("Trade Facilitation Agreement") stärken

Downloads

Detailliert beschreibt die DIHK diese Ansätze in ihrem Positionspapier von Januar 2026:
"Impulse für die neue Welthandelsordnung" (PDF, 891 KB)

 Eine englische Fassung gibt es hier:
"Impulses for a New World Trade Order" (PDF, 877 KB)

Neue Verhandlungen im März 2026 

14. Ministerkonferenz in Kamerun

Die nächste Gelegenheit, die Stärkung der Welthandelsorganisation voranzutreiben, bietet die 14. WTO-Ministerkonferenz vom 26. bis 29. März 2026 in Yaoundé, Kamerun. In diesem höchsten Gremium der WTO kommen die Handelsminister der Mitgliedstaaten zusammen, um die Zukunft des Welthandels zu diskutieren und wichtige Entscheidungen zu treffen.  

Die DIHK mahnt, zu diesem Anlass formale WTO-Reformverhandlungen mit einem konkreten Arbeitsprogramm zu starten. Prioritäten sieht sie in neuen Abkommen für aktuelle Themen und in Fragen des globalen Level Playing Field, also fairen Marktzugangsbedingungen. 

Kontakt

Mann im Haus der Deutschen Wirtschaft

Klemens Kober

Referatsleiter Handelspolitik, transatlantische Beziehungen und EU-Zollfragen

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Julia Löffelholz

Pressesprecherin