Junger Mann bei der praktischen Arbeit im Elektro- und Metallbereich.

Zukunft der Metall- und Elektroberufe: Reformen erwünscht!

Die Anforderungen in den Werkhallen verändern sich rasant. Viele Unternehmen haben jedoch Zweifel, ob die heutigen Ausbildungsordnungen der Metall- und Elektroberufe noch ausreichend dazu passen. Eine IHK-Befragung zeigt, wo die Betriebe Reformbedarf sehen.

Die Industrie sucht händeringend Nachwuchs. Doch viele Betriebe sagen zugleich: Mit den heutigen Ausbildungsordnungen lassen sich die Anforderungen moderner Produktion immer schwerer vermitteln. Eine IHK-Umfrage unter 274 Unternehmen aus Südwestfalen macht deutlich, wo der Reformbedarf speziell bei den Metall- und Elektroberufen besonders groß ist. Durchgeführt wurde die Befragung von den IHKs Arnsberg Hellweg-Sauerland, Siegen und der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK).

Auch neue Kompetenzprofile spielen dabei eine Rolle: "Digitalisierung, Automatisierung, vernetzte Produktionssysteme und Künstliche Intelligenz verändern die Anforderungen an Fachkräfte", erklärt Ralf Geruschkat, Hauptgeschäftsführer der SIHK zu Hagen. "Gefragt sind heute neben soliden fachpraktischen Grundlagen zunehmend digitale Kompetenzen, interdisziplinäres Denken sowie eine gute Analyse- und Problemlösefähigkeit."

Aus diesem Grund wird aktuell eine grundlegende Neuordnung mehrerer Ausbildungsordnungen diskutiert. Dreizehn Metall- und Elektroberufe könnten davon betroffen sein, weiß Anja Schwarz, Referatsleiterin Forschungs- und Strukturfragen, Metall- und Elektroberufe bei der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). "Voraussetzung für eine Reform ist die Einigung der Sozialpartner - also von Arbeitgeberorganisationen und Gewerkschaften - auf gemeinsame Eckwerte. Wir als DIHK sind bei der Erarbeitung des Strukturvorschlags beteiligt und bringen Wünsche der Unternehmen in die Diskussion mit ein."

Betriebe wollen mehr Flexibilität

Die Umfrage zeigt, dass in den Betrieben der Handlungsdruck wächst: Viele Unternehmen beklagen einen Mangel an qualifizierten Nachwuchskräften. So konnten rund zwei Drittel der befragten Betriebe im vergangenen Jahr ihre Ausbildungsplätze nicht vollständig besetzen. Sie sehen in einer Modernisierung der Ausbildungsordnungen einen wichtigen Hebel, um die Attraktivität der Berufe zu steigern, den Anforderungen der Industrie gerecht zu werden und eine zukunftsfähige Ausbildung zu sichern.

SIHK Studien 2026

Quelle: "Zur Zukunft der Metall- und Elektroberufe. Eine Unternehmensbefragung". Durchgeführt von der IHK Arnsberg Hellweg-Sauerland, der IHK Siegen und der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK), 2026.


Sie wünschen sich dafür flexiblere und modularere Ausbildungsstrukturen: 82 Prozent der Betriebe befürworten eine gemeinsame Grundbildung mit anschließender Spezialisierung, 75 Prozent zertifizierbare Bausteine und 74 Prozent Wahlqualifikationen. Besonders großen Zuspruch erhält mit 86 Prozent eine Rückfalloption in einen zweijährigen Ausbildungsberuf, wenn das höhere Ausbildungsziel voraussichtlich nicht erreicht wird.

Anja Schwarz von der DIHK sieht in flexiblen und modularen Strukturen auch eine Möglichkeit für Betriebe, die Ausbildung an ihre Gegebenheiten anzupassen. Denn Metall- und Elektroberufe kommen in verschiedenen Branchen vor: "Die aktuellen und künftigen Bedarfe der Betriebe sind sehr unterschiedlich", erläutert sie. "Grund dafür können die Branche, die Betriebsgröße sowie Produkte und Produktionsprozesse sein. Die dreizehn Berufe, über die wir bei einer Neuordnung sprechen, treten nicht ausschließlich in der Metall- und Elektroindustrie auf. Auch in der Chemie, im Verkehrsbereich und sogar im Handwerk werden beispielsweise Mechatroniker ausgebildet."

Prüfungen stärker an der Praxis ausrichten

Weiterentwicklungsbedarf sehen die Unternehmen auch bei den Prüfungen. Sie wünschen sich praxisnähere Prüfungsformate, die berufliche Handlungskompetenz, digitale Anwendungen und reale betriebliche Prozesse stärker abbilden. Dabei werden projekt- und prozessorientierte Prüfungsanteile sowie digitale Prüfungsformate von der Mehrheit befürwortet. Nur die Hälfte der befragten Unternehmen betrachtet die heutigen Prüfungen als geeignet, um die tatsächlich benötigten beruflichen Kompetenzen abzubilden. Auch in der Ausbildung spielt Praxisorientierung eine große Rolle.

Doch stellt hier die Vermittlung im Umgang mit neuen Technologien die Unternehmen vor Herausforderungen: Nur die Hälfte sagt, dass sie dafür über eine ausreichende technische Ausstattung verfügen.

Bildungspartnerschaften gewinnen an Bedeutung

Vor diesem Hintergrund wird der Wunsch nach einer stärkeren Unterstützung durch überbetriebliche Bildungsstätten laut: Fast alle Unternehmen (93 Prozent) halten hier ein erweitertes Angebot für sinnvoll, um alle Ausbildungsinhalte vermitteln zu können, insbesondere zu Zukunftsthemen wie Digitalisierung, Automatisierung und moderne Produktionstechnologien. Sie sehen in überbetrieblichen Bildungsstätten wichtige spezialisierte Kompetenzzentren. Das unterstreicht die hohe Zustimmung zu Lernlaboren: 78 Prozent sprechen sich für die dauerhafte Integration in die Ausbildung aus. Denn als praxisnahe, didaktisch konzipierte Lernumgebungen können Azubis dort moderne Technologien und digitale Produktionsprozesse unter realitätsnahen Bedingungen erproben. So können Lernlabore ergänzen, wo Unternehmen aufgrund ihrer Spezialisierung oder begrenzter Ressourcen an Grenzen stoßen.

"Bildungspartnerschaften könnten an Bedeutung gewinnen", stimmt Anja Schwarz von der DIHK zu. "Gerade nach Neuordnungen wird es Betriebe geben, die eventuell noch nicht alle Ausbildungsinhalte in ihrer betrieblichen Ausbildung vermitteln können. Partnerschaften mit überbetrieblichen Bildungseinrichtungen sind für solche Fälle eine gute Lösung."

Die Ergebnisse der Umfrage der IHKs zeigen damit deutlich, dass Reformen notwendig sind, um eine zeitgemäße Ausbildung zu ermöglichen und die Zukunft der Industrieberufe zu sichern.

"Moderne Ausbildungsordnungen, praxisnahe Prüfungen, starke Berufsschulen und leistungsfähige Bildungsangebote müssen zusammenspielen."

Porträt Thomas Haensel

Thomas Haensel

-- Geschäftsbereichsleiter Menschen bilden der SIHK zu Hagen

Am Engagement der Unternehmen mangelt es nicht - sie formulieren sehr klar, was sie dafür benötigen: "Die Betriebe wollen ausbilden, aber sie brauchen dafür passende Rahmenbedingungen", resümiert Thomas Haensel, Geschäftsbereichsleiter Menschen bilden der SIHK zu Hagen, die Umfrageergebnisse. "Dazu gehören moderne Ausbildungsordnungen, praxisnahe Prüfungen, starke Berufsschulen und leistungsfähige überbetriebliche Bildungsangebote. Nur wenn diese Bausteine zusammenspielen, bleiben die Metall- und Elektroberufe attraktiv und zukunftsfähig. Daher appellieren wir mit Nachdruck an die Sozialpartner, ein Neuordnungsverfahren schnellstmöglich in die Wege zu leiten."

IHK-Berufsbildungsmagazin POSITION

Dieser Beitrag ist in Ausgabe IV/2026 des IHK-Berufsbildungsmagazins POSITION erschienen.

Das Magazin richtet sich vor allem an Ausbildende, Prüferinnen und Prüfer sowie Personalverantwortliche in den IHK-Mitgliedsunternehmen.

Relevant im Themenfeld:
Schwerpunkte:
  • Ausbildung
  • Qualifikation

Autorin

Sabine Biskup

Sabine Biskup

Redakteurin bei der UNIVERSUM Verlag GmbH