Nach wie vor missbrauchen Betrüger die IHK-Organisation als Deckmantel für Phishing-Attacken – zuletzt mit dem Betreff "Betriebliche Steuerunterlagen". Hier erfahren Sie mehr über diese und weitere kriminelle Ansätze.
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Ein "Pro und Contra" zur DIHK-Positionierung in der Klimapolitik
Teuer, ineffizient, überreguliert – die aktuelle Energiepolitik in Deutschland bringt viele Unternehmen an ihre Belastungsgrenzen. Die DIHK setzt sich daher für eine neue Ausrichtung der Energiewende ein, die Klimaneutralität ermöglicht und wirtschaftlich tragfähig ist.
Auf Basis der Studie "Neue Wege für die Energiewende" hat sich die DIHK mit zwei Positionspapieren im November 2025 (PDF, 206 KB) und März 2026 (PDF, 117 KB) neu in der Klimapolitik positioniert. Kernforderungen sind eine stärkere internationale Koordination der Klimaziele, CO₂-Budgets statt jahresscharfer Vorgaben sowie ein klarer Fokus auf dem Emissionshandel als Steuerungsinstrument.
Doch kaum ein Thema wird in Deutschland so kontrovers diskutiert wie der richtige Weg zur Klimaneutralität. Auch unter den Unternehmen gibt es hier unterschiedliche Perspektiven. Zwei davon wollen wir hier zu Wort kommen lassen.
"Die Industrie steht unter erheblichem Druck. Hohe Strompreise, steigende CO₂-Kosten, eine zunehmende Regulierungsdichte sowie Unsicherheiten beim Ausbau der Energie- und Infrastruktur belasten die Wettbewerbsfähigkeit vieler Unternehmen. Für viele Betriebe ist der derzeitige Transformationspfad wirtschaftlich kaum darstellbar, obwohl sie ihren Beitrag zur Klimaneutralität leisten wollen.
Ob 'schnellere oder langsamere Energiewende' – der Ausbau erneuerbarer Energien, der Stromnetze und der notwendigen Infrastruktur ist sowohl klimapolitisch als auch zur Verringerung unserer Abhängigkeit von fossilen Energieimporten sinnvoll und notwendig. Entscheidend ist dabei, dass Erzeugung, Netzausbau, Speicher und Flexibilitäten sowie die Elektrifizierung industrieller Prozesse zeitlich und wirtschaftlich aufeinander abgestimmt werden.
Ob leistungsfähige Stromnetze, Wasserstoffinfrastruktur oder CO₂-Transportleitungen rechtzeitig zur Verfügung stehen, liegt weitgehend in der Verantwortung des Staates und der Netzbetreiber. Eine Infrastruktur sollte möglichst dem zusätzlichen Bedarf vorauslaufen und nicht erst entstehen, nachdem Unternehmen zur Umstellung ihrer Prozesse angehalten werden.
Auch bei den Stromkosten sind die Handlungsmöglichkeiten der Unternehmen begrenzt. Die Eigenversorgung stößt vielerorts an technische und wirtschaftliche Grenzen, während die Kosten für die Nutzung der Stromnetze erheblich bleiben. Nicht allein der Preis der erzeugten Kilowattstunde ist entscheidend, sondern die Gesamtkosten einer verlässlichen Stromversorgung.
Solange klimaneutrale Alternativen noch nicht ausreichend verfügbar sind, wird Erdgas insbesondere in industriellen Hochtemperaturprozessen auf absehbare Zeit weiterhin eine Rolle spielen, allerdings nur als Übergang. Denn gerade die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten erhebliche Preis- und geopolitische Risiken mit sich bringt. Ein schneller Ausbau heimischer erneuerbarer Energien und der dafür notwendigen Infrastruktur kann deshalb zugleich industrie-, energie- und sicherheitspolitisch sinnvoll sein.
In bestimmten Fällen können auch hochwertige internationale Klimaschutzprojekte einen Beitrag leisten, insbesondere wenn Emissionen andernorts zu wesentlich geringeren Kosten vermieden werden können als die letzten verbleibenden Tonnen CO₂ im Inland.
Das alles zeigt, dass wir über alternative und zugleich wirtschaftlich tragfähige Wege zur Klimaneutralität nachdenken müssen, wie sie unter anderem die DIHK gemeinsam mit Frontier Economics aufgezeigt hat. Maßnahmen wie die CO₂-Bepreisung setzen bereits wichtige Anreize. Zusätzliche staatliche Eingriffe sollten stets darauf geprüft werden, ob ihr Nutzen den entstehenden Aufwand tatsächlich rechtfertigt. Regulierung sollte daher dort eingesetzt werden, wo sie Investitionen ermöglicht oder Marktbarrieren beseitigt.
Und schließlich sollte sich eine erfolgreiche Energiewende nicht nur an installierten Kapazitäten und erreichten Emissionsminderungen messen lassen, sondern auch daran, ob industrielle Wertschöpfung und Investitionen während dieser Transformation erhalten beziehungsweise neu geschaffen werden können. Entscheidend ist, dass wir die Klimaziele erreichen, ohne dabei die industrielle Basis unseres Landes zu gefährden. Denn nur eine wirtschaftlich starke Industrie wird auch künftig in der Lage sein, die Transformation zu finanzieren und umzusetzen."
"Contra-Beitrag hin oder her: In einigen Punkten kann ich die energie- und klimapolitischen Positionen der DIHK gut mitgehen. Ein planbar steigender CO₂-Preis ist das richtige zentrale Steuerungsinstrument beim Klimaschutz. Und auch die Forderung nach einer schnelleren Elektrifizierung des deutschen Energiesystems teile ich vollauf.
Allerdings gibt es auch klare Differenzen: erstens bei der von der DIHK geforderten Abschaffung von Erneuerbaren-Zielen – der Ausbau von Wind und Solar braucht weiter einen klaren staatlichen Ordnungsrahmen, ansonsten würde viel zu wenig in die Transformation investiert. Und zweitens bei der Frage nach dem deutschen Klimaneutralitätsziel und damit der Festlegung des Zieljahres 2045. Dies muss zwingend erhalten bleiben. Nicht nur aus Klimaschutzerwägungen, sondern genauso aus wirtschaftspolitischen wie Resilienz-Gründen.
Zunächst einmal finde ich befremdlich, dass sich eine Körperschaft des öffentlichen Rechts bei der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe des Klimaschutzes so deutlich gegen den bisherigen Konsens stellt – und dies auch im Namen von Unternehmen tut, die zwar verpflichtend Mitglied sind, die aber dazu nie befragt wurden und oft grundsätzlich anderer Meinung sind. Ja, jedes Unternehmen hat die Möglichkeit, sich über seine regionale IHK einzubringen und damit auch mittelbar Einfluss auf die DIHK-Positionierung zu nehmen. Der notwendige Aufwand ist aber gerade für viele kleine und mittlere Unternehmen nicht zu leisten, daher sehe ich die bisherigen Legitimationsmechanismen für eine solch entscheidende Frage als nicht ausreichend.
Ganz unabhängig vom Vorgehen finde ich die Neupositionierung aber auch inhaltlich falsch.
Erstens leidet Deutschlands Glaubwürdigkeit in Europa gegenüber den europäischen Partnern bei einem Verschieben des Zieljahres 2045, da sich diese auf den Beitrag zum gemeinsam festgelegten europäischen Klimaschutzziel verlassen, den Deutschland als größter europäischer CO₂ Emittent zugesagt hat.
Zweitens sprechen ganz eigennützige wirtschaftliche Gründen dagegen. Die DIHK fordert zurecht beim CO₂-Preis einen verlässlichen, planbaren Rahmen ohne dauernde politische Eingriffe. Das gilt genauso für den Klimaschutz insgesamt. Ja, 2045 ist ambitioniert, aber die Stagnation der vergangenen Jahre hat doch eindrücklich gezeigt, dass das zuletzt gefahrene deutsche Wirtschaftsmodell basierend auf billigem russischen Gas und Exporten vor allem nach China dringend ein Update braucht – und eine ambitionierte Energiewende wäre genau ein solcher nötiger Impuls. Daher sehe ich das Klimaneutralitätsziel 2045 nicht als ökonomische Belastung, sondern als Investitions- und Innovationstreiber. Die DIHK sollte ihre starke Position meines Erachtens eher dazu nutzen, für eine politisch starke Unterstützung von wissensbasierten und heimischen Technologien mit Zukunft zu werben, statt diese als Kostenbelastung darzustellen.
Zumal ich das Argument angeblich zu hoher Kosten nicht teile. In einer friedliebenden Welt könnte man vielleicht noch so argumentieren, aber der Ukraine- und Irankrieg haben in den letzten Jahren doch gezeigt, wie massiv fossile Energiepreise bei Krisen ansteigen und wie erpressbar Deutschland durch seine fossilen Energieimporte aktuell noch ist. Ich bin leider überzeugt, dass es auch in den nächsten Jahren weitere internationale Krisen geben wird. Der einzige zukunftsfähige Schutz gegen solche Energie-Kostenexplosionen und für mehr Resilienz sind die erneuerbaren Energien.
Die Antwort auf die teuren Energiepreise der letzten Jahre ist also kein langsamerer Ausbau erneuerbarer Energien, sondern ein schnellerer!"