"Wer Reformen aufschiebt, gefährdet Wohlstand, Wettbewerbsfähigkeit und das Vertrauen in unsere demokratischen Institutionen", sagte Melnikov auf Medienanfrage. Entsprechend besorgt bewertet sie den aktuellen Streit um den Vorschlag der Alterssicherungskommission, die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren abzuschaffen. Denn dieses Konstrukt setze "erhebliche Fehlanreize, vorzeitig aus dem Erwerbsleben auszuscheiden".
Schaden für Belegschaften und Rentenkasse
Durch die abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren verließen "jährlich mehr als 250.000 erfahrene Fachkräfte den Arbeitsmarkt, obwohl viele Betriebe händeringend Personal suchen", erläuterte die DIHK-Hauptgeschäftsführerin. "Das verschärft den Fachkräftemangel und belastet zugleich die Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung. Angesichts des demografischen Wandels können wir es uns wirtschaftlich nicht leisten, auf diese Arbeitskräfte zu verzichten."
"Langfristig wird die Finanzierung der Alterssicherung nur gelingen, wenn tragfähige Reformen und mehr Wirtschaftswachstum Hand in Hand gehen."
Dr. Helena Melnikov
-- Hauptgeschäftsführerin der DIHK
Melnikov: "Die Abschaffung dieser Regelung würde die Rentenkasse entlasten und dazu beitragen, dringend benötigte Fachkräfte länger im Erwerbsleben zu halten. Das stärkt Beschäftigung, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland."
Kommissionsvorschläge gehen in die richtige Richtung
Auch darüber hinaus gingen die Vorschläge der Rentenkommission "in wichtigen Punkten in die richtige Richtung", so die DIHK-Hauptgeschäftsführerin weiter. "Sie berücksichtigen die Folgen des demografischen Wandels, stärken die langfristige Finanzierbarkeit der gesetzlichen Rentenversicherung und setzen ein wichtiges Signal gegen die Frühverrentung."
Ihr dringender Appell: "Notwendige Reformen dürfen nicht weiter aufgeschoben werden. Gleichzeitig verbietet die aktuelle Wirtschaftslage zusätzliche Belastungen für die Unternehmen, etwa höhere Beitragslasten im Rahmen der verpflichtenden Kapitaldeckung."
Wahlfreiheit für Selbstständige
Auch bei der Altersvorsorgepflicht für neue Selbstständige plädiert die DIHK für Wahlfreiheit: "Selbstständige sollen selbst entscheiden können, ob sie in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen oder eine gleichwertige private Vorsorge nutzen", sagte Melnikov. "Langfristig wird die Finanzierung der Alterssicherung nur gelingen, wenn tragfähige Reformen und mehr Wirtschaftswachstum Hand in Hand gehen."
Deshalb sei es zwingend, dass der Reformkurs weiterverfolgt werde. Die Wirtschaft benötige neue Perspektiven, "dafür braucht Deutschland eine handlungsfähige und geeinte Bundesregierung".
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Veröffentlicht 11.09.2026