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Aus- und Weiterbildung: Wettbewerbsfähigkeit ist eine Kompetenzfrage

Neue Technologien eröffnen der deutschen Wirtschaft enorme Wachstumschancen, doch Wertschöpfung entsteht erst durch Menschen, die diese Technologien auch anwenden können. Die DIHK mahnt deshalb, die Berufliche Bildung zu stärken, und zeigt konkrete Ansätze auf, wie das gelingen kann.

Fast eine halbe Million junger Menschen schlagen in Deutschland zum Ausbildungsstart 2026 ein neues Kapitel auf. Einige haben ihre Ausbildung bereits im August begonnen, viele weitere starten im September. Mit dieser Zukunftsentscheidung stellen die Berufseinsteiger nicht nur ihre persönlichen Weichen. Der Erfolg der dualen Ausbildung hierzulande beeinflusst auch die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland.

KI ersetzt keine berufliche Handlungskompetenz

Denn die Unternehmen stehen vor tiefgreifenden Transformationsaufgaben: Künstliche Intelligenz (KI), Digitalisierung, Klimaschutz und demografischer Wandel verändern Geschäftsmodelle, Produktionsprozesse und Arbeitsabläufe. KI und Digitalisierung können dabei erhebliche Wachstumschancen eröffnen und Wohlstand sichern, weshalb Wettbewerbsfähigkeit häufig aus dieser technologischen Perspektive betrachtet wird. Technologie allein erzeugt jedoch keine Produktivität. Wertschöpfung entsteht erst durch Menschen, die Technologie anwenden können.

Außerdem lässt die derzeitige Debatte über künstliche Intelligenz bisweilen einen zentralen Punkt außer Acht: Auch sehr leistungsfähige Technologie ersetzt noch keine berufliche Handlungskompetenz. KI-gestützte Roboter können absehbar keine Rohre für das Kühlsystem einer Chipfabrik verlegen, keine technische Anlage warten und keine Mahlzeit in einer Betriebskantine zubereiten. Gerade in einer Welt, in der Wissen immer leichter verfügbar wird, gewinnt dessen praktische Anwendung immer mehr an Bedeutung. 

Wettbewerbsfähigkeit stärken heißt Berufliche Bildung fördern

Mit Blick auf den demografischen Wandel und den wachsenden Fachkräftemangel kann es sich Deutschland nicht leisten, Potenziale ungenutzt zu lassen. Diskussionen über Innovation und Digitalisierung sollten daher dringend um die Kompetenzdimension ergänzt werden. Wenn Kompetenzen zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor werden, müssen Aus- und Weiterbildung mit der Geschwindigkeit technologischer Veränderungen Schritt halten. Dafür braucht es moderne Berufsschulen, digitale Infrastruktur und die Qualifizierung von Lehrkräften.

Gleichzeitig stehen Ausbildungsunternehmen vor vielen Herausforderungen. Insbesondere sieht jeder zweite Betrieb bei seinen potenziellen Azubis Mängel im Arbeits- und Sozialverhalten. Damit wachsen die Anforderungen an diejenigen, die eine Schlüsselrolle bei der Vermittlung beruflicher Handlungskompetenz einnehmen: die Lehrkräfte in den Berufsschulen und das Ausbildungspersonal im Betrieb. Deren Zeit und Ressourcen sind jedoch begrenzt. Sie sollten sich auf die Entwicklung beruflicher Kompetenzen konzentrieren können, anstatt zunehmend Defizite bei Basiskenntnissen oder sozialen Kompetenzen aufzufangen. 

Potenzielle Auszubildende müssen also bereits während der Schulzeit besser auf den Berufseinstieg vorbereitet werden. Dazu gehören auch eine systematische Berufsorientierung und regelmäßige Praxisphasen, wie sie jetzt bundesweit zum Standard werden müssen. Eine gleichwertige Beratung über berufliche und akademische Bildungswege muss zur Selbstverständlichkeit werden und die attraktiven Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten der Höheren Berufsbildung berücksichtigen. Fast drei Millionen junge Erwachsene in Deutschland verfügen nicht über einen anerkannten Berufsabschluss. Damit dieses Potenzial besser erschlossen werden kann, sind einfache, praxisnahe und flexible Qualifizierungswege erforderlich. 

Berufliche Bildungspolitik ist Wirtschaftspolitik

Für deutsche Unternehmen bedeutet die Qualifizierung junger Menschen eine Investition in die Zukunft. Trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen übernehmen sie bereits heute erhebliche Verantwortung. 

Jetzt braucht es Rahmenbedingungen, die das Engagement der Unternehmen wirksam unterstützen. Bund und Länder müssen gemeinsam handeln, Reformen beschleunigen und Berufliche Bildung stärker als strategischen Wettbewerbsfaktor begreifen. Die DIHK hat konkrete Vorschläge vorgelegt, wie es gelingen kann, Fachkräfte zu sichern, Übergänge in Ausbildung zu verbessern, Qualifizierungswege flexibler zu gestalten und Betriebe spürbar zu entlasten. Wer die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands stärken will, muss auch die Fachkräfte von heute und morgen stärken. 

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Kontakt

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Jan Schafft

Referatsleiter für Innovationen in der Beruflichen Bildung