Geldscheine hängen an einer Wäscheleine vor dem Reichstagsgebäude

Bundeshaushalt 2027: Investitionen, Sicherheit und steigende Finanzierungslasten

Der Regierungsentwurf für 2027 setzt Schwerpunkte bei Infrastruktur, Transformation und Verteidigung. Zugleich steigen Kreditaufnahme, Zinsausgaben und Sozialausgaben. Für Unternehmen kommt es darauf an, ob die geplanten Mittel zügig in produktive Investitionen fließen, private Investitionen mobilisieren und die Wettbewerbsfähigkeit stärken. Die Ansätze stehen noch unter dem Vorbehalt der parlamentarischen Beratungen.

Anfang September 2026 hat der Deutsche Bundestag die Beratungen über den Bundeshaushalt 2027 begonnen. Der Regierungsentwurf steht im Spannungsfeld von Investitionen, Sicherheitspolitik und wachsender Verschuldung. Der Bund plant Ausgaben von 555,4 Milliarden Euro, rund sechs Prozent mehr als 2026. Die Ansätze können sich im parlamentarischen Verfahren noch ändern.

Für Investitionen sind 2027 insgesamt rund 118 Milliarden Euro aus Kernhaushalt und Sondervermögen vorgesehen.

Verkehr: Größter Investitionsetat

Der geplante Etat des Bundesministeriums für Verkehr bliebe trotz eines Rückgangs gegenüber 2026 der größte Investitionsetat des Bundes. Im Kernhaushalt sind 26,4 Milliarden Euro veranschlagt, zusätzlich 17,7 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK).

Im Haushaltsentwurf sind insbesondere folgende Ausgabenbereiche vorgesehen:

  • Bundesfernstraßen: 10,7 Milliarden Euro.
  • Bundesschienenwege und Schienenverkehr: rund 3,7 Milliarden Euro im Kernhaushalt sowie zusätzliche Mittel aus dem Sondervermögen.
  • Kommunale Verkehrsverhältnisse: rund 2,1 Milliarden Euro.
  • Wasserstraßen und Schifffahrtsverwaltung: knapp zwei Milliarden Euro.

KTF: Entlastung und Transformation

Der Wirtschaftsplanentwurf des Klima- und Transformationsfonds (KTF) sieht 2027 Ausgaben von 38,9 Milliarden Euro vor. Das wären 4,1 Milliarden Euro beziehungsweise knapp zwölf Prozent mehr als 2026. Hinzu kommen Verpflichtungsermächtigungen von 37,2 Milliarden Euro für die Folgejahre.

Finanziert werden soll der Fonds vor allem durch rund 22,5 Milliarden Euro aus dem Emissionshandel. Hinzu kommen zehn Milliarden Euro aus dem SVIK und eine Rücklagenentnahme von 6,4 Milliarden Euro.

Der KTF soll stärker Wettbewerbsfähigkeit, Energiekostenentlastung und industrielle Transformation fördern. Energieintensive Unternehmen stehen im Fokus: Die Strompreiskompensation soll von vier auf fünf Milliarden Euro steigen. Neu geplant ist ein Industriestrompreis von 2,45 Milliarden Euro. Der Zuschuss zu den Übertragungsnetzkosten soll dagegen um 1,2 Milliarden auf 5,5 Milliarden Euro sinken.

Größter Einzelposten bleibt mit 12,6 Milliarden Euro die Förderung energieeffizienter Gebäude und erneuerbarer Energien im Gebäudebereich. Die Wasserstoffförderung soll deutlich steigen: 1,6 Milliarden Euro sind für den industriellen Einsatz, 1,25 Milliarden Euro für die Nationale Wasserstoffstrategie vorgesehen. Auch die internationale Wasserstoffkooperation soll mehr Mittel erhalten.

Weitere Schwerpunkte sind die Dekarbonisierung der Industrie, Lade- und Tankinfrastruktur sowie Elektromobilität. Für erstmals gesondert ausgewiesene CO₂-Differenzverträge sind 2027 zunächst 100 Millionen Euro und bis 2048 Verpflichtungsermächtigungen von 8,7 Milliarden Euro geplant. Vorbehaltlich der parlamentarischen Beschlüsse soll dies klimaneutrale Produktionsverfahren in energieintensiven Industrien langfristig absichern.

SVIK: Infrastruktur und Digitalisierung

Während sich die wirtschaftsbezogenen KTF-Maßnahmen überwiegend an Unternehmen richten, soll das SVIK den Investitionsstau bei öffentlichen Infrastrukturen abbauen und die klimaneutrale, digitale Transformation beschleunigen. Für 2027 sind 54,9 Milliarden Euro vorgesehen, rund 3,1 Milliarden Euro oder gut fünf Prozent weniger als 2026. Dennoch bliebe das SVIK das wichtigste zusätzliche Investitionsinstrument des Bundes.

Unverändert sind 8,33 Milliarden Euro für Länder und Kommunen nach dem Länder- und Kommunal-Infrastrukturfinanzierungsgesetz sowie zehn Milliarden Euro für den KTF vorgesehen. Die übrigen rund 36,6 Milliarden Euro verteilen sich auf acht Titelgruppen.

Größter Ausgabenblock der Bundessäule bleibt mit 17,7 Milliarden Euro die Verkehrsinfrastruktur. Gegenüber 2026 plant der Entwurf weniger Mittel für Schienenwege, Brücken- und Tunnelsanierung sowie das Zugsteuerungssystem ERTMS. Vorrang haben weiterhin Erhalt und Modernisierung bestehender Netze. Neu sind 1,2 Milliarden Euro für Erhalt und Ersatz der Bundeswasserstraßen.

Digitalisierung, Forschung und Energieinfrastruktur sollen an Bedeutung gewinnen. Für Digitalisierungsprojekte sind rund neun Milliarden Euro vorgesehen, darunter ein wesentlicher Teil für Mikroelektronik. Der Ansatz für Energieinfrastruktur soll auf 2,5 Milliarden Euro steigen; Schwerpunkte sind klimaneutrale Wärmenetze und die Modernisierung der Energieversorgung.

Die Mittel für Forschung und Entwicklung sollen von 1,07 auf 1,71 Milliarden Euro steigen. Für Infrastrukturen der Hightech-Agenda sind 623,1 Millionen Euro vorgesehen (2026: 368 Millionen Euro), ergänzt um Verpflichtungsermächtigungen von 2,06 Milliarden Euro. Für den strategischen Ausbau der Forschungsökosysteme plant der Entwurf 414,1 Millionen Euro (2026: 380,1 Millionen Euro) und 1,18 Milliarden Euro an Verpflichtungsermächtigungen. Die digitale Infrastruktur für verteilte Datenverarbeitung und Künstliche Intelligenz soll von zehn auf 250 Millionen Euro wachsen; hinzu kommen Verpflichtungsermächtigungen von 2,61 Milliarden Euro. Für Infrastrukturen des Forschungs- und Wissenschaftssystems sind 98,8 Millionen Euro (2026: 15,2 Millionen Euro) und Verpflichtungsermächtigungen von 2,09 Milliarden Euro vorgesehen.

Der Beitrag dieser Ansätze zum Industriestandort hängt davon ab, wie schnell Projekte und Programme umgesetzt werden und ob sie zusätzliche private Investitionen mobilisieren.

Verteidigung: Stärkster Ausgabenanstieg

Den stärksten geplanten Ausgabenanstieg verzeichnet das Bundesministerium der Verteidigung: Sein Etat soll von 82,7 auf 109,8 Milliarden Euro steigen.

Die vorgesehenen Mittel verteilen sich insbesondere auf:

  • Militärische Beschaffungen: 31,3 Milliarden Euro.
  • Betriebs- und Sachausgaben: 16,4 Milliarden Euro.
  • Personalausgaben: 18,5 Milliarden Euro.
  • Betreiberverträge: 10,9 Milliarden Euro.
  • Erhaltung von Wehrmaterial: 9,1 Milliarden Euro.

Hinzu kommen erhebliche Mittel aus dem Sondervermögen Bundeswehr.

Für verteidigungsrelevante Verkehrswege sind rund sechs Milliarden Euro vorgesehen. Teile dieser Investitionen wurden zuvor aus dem SVIK finanziert.

Soziales: Größter Ausgabenblock

Trotz höherer Investitions- und Verteidigungsausgaben bleibt der Sozialetat mit 201,5 Milliarden Euro der größte Ausgabenblock des Bundes. Gegenüber 2026 wäre dies ein Anstieg um etwa vier Milliarden Euro.

Damit bleibt die Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme die dominierende strukturelle Herausforderung des Bundeshaushalts.

Schulden und Zinsen steigen – Wirkung der Investitionen entscheidet

Der Entwurf sieht für den Kernhaushalt eine Nettokreditaufnahme von 118,7 Milliarden Euro sowie weitere kreditfinanzierte Ausgaben der Sondervermögen vor. Die Zinsausgaben sollen gegenüber 2026 um 11,6 Milliarden auf 41,9 Milliarden Euro steigen. Damit wird die fiskalische Tragfähigkeit zu einem zentralen Thema der Haushaltsberatungen.

Für die Unternehmen zählt nicht zuvorderst die Höhe der Mittel, sondern deren Wirkung. Der Entwurf finanziert zusätzliche Investitionen in Verkehr, Digitalisierung, Energie und Forschung vor allem über schuldenfinanzierte Sondervermögen, weniger über den Kernhaushalt. Bei Umsetzung der Planungen stiegen zugleich Verschuldung und Zinslast langfristig deutlich.

Entscheidend ist, finanzpolitische Spielräume für dauerhaftes Wachstum zu nutzen. Dafür braucht es schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, wettbewerbsfähige Energiepreise, produktivitäts- und standortorientierte Investitionen sowie eine spürbar bessere steuerliche Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.

Ansprechpartnerin

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Dr. Kathrin Andrae

Referatsleiterin Öffentliche Finanzen