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DIHK fordert strategischen Rahmen für digitale und technologische Souveränität

Deutschlands digitale Abhängigkeiten gefährden die wirtschaftliche Resilienz Deutschlands. Die DIHK legt einen umfassenden Forderungskatalog vor.

Deutschland und Europa verfügen über starke industrielle und wissenschaftliche Kompetenzen, scheitern aber systematisch an der Skalierung digitaler Technologien. Zentrale Bereiche des digitalen Ökosystems werden weitgehend von außereuropäischen Anbietern kontrolliert. Die DIHK hat in ihrer aktuellen Position "Digitale und technologische Souveränität – Potenziale nutzen, Wohlstand sichern, Geopolitik gestalten", die am 25. Juni 2026 vom Präsidium verabschiedet wurde, konkrete Forderungen formuliert, wie Deutschland und Europa diesen strukturellen Rückstand aufholen können – ohne dabei Innovation durch überbordende Regulierung auszubremsen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Stärken vorhanden, Skalierung fehlt: 
    Deutschland hat exzellente Forschung, Industriekompetenz und steigende Patentanmeldungen, es mangelt jedoch an Kapital, Genehmigungsgeschwindigkeit und Transfer-Strukturen.
  • Abhängigkeit ist das Problem: 
    Die Kontrolle über zentrale Ebenen des digitalen Technologie-Stacks liegt überwiegend bei außereuropäischen Anbietern, das gilt für Cloud-Lösungen oder künstliche Intelligenz ebenso wie für die öffentliche IT.
  • Regulierung bremst Innovation: 
    Die sich überschneidenden und nicht aufeinander abgestimmten Regelwerke – von der EU-KI-Verordnung bis zur Datenschutz-Grundverordnung – belasten vor allem den Mittelstand überproportional.
  • Offene Standards sind der Schlüssel: 
    Offene Schnittstellen und Standards ermöglichen Interoperabilität und damit die Möglichkeit, zwischen Anbietern zu wechseln. Damit machen sich Unternehmen weniger erpressbar. Open-Source-Infrastrukturen und digitale Identitäten (EUDI-Wallets, European Business Wallets) sind zentrale Voraussetzungen für eine souveräne digitale Wirtschaft.
  • EU muss Gestalter werden: 
    Europa sollte internationale Digitalstandards aktiv mitprägen, statt sie nur zu übernehmen, und digitale Handelsabkommen gezielt ausbauen.

Hintergrund

Der internationale Wettbewerb um digitale Schlüsseltechnologien – künstliche Intelligenz (KI), Halbleiter, Cloud-Infrastrukturen, Quantentechnologien und Cybersicherheitslösungen – hat sich zu einem zentralen Machtfaktor entwickelt. Führende Volkswirtschaften wie die USA und China investieren massiv, um globale Standards zu setzen. 

Für Deutschland geht es in diesem Umfeld nicht allein um Innovationswettbewerb, sondern um Fragen der wirtschaftlichen Resilienz, von Datenhoheit und strategischer Autonomie. Der DIHK-Digitalisierungsumfrage 2026 zufolge sehen sich deutsche Unternehmen besonders bei Office-Software, Hardware, Cloud und KI-Plattformen als stark oder vollständig abhängig von Anbietern aus dem Nicht-EU-Ausland. 

Dabei verfügt Deutschland über erhebliche Stärken: Die Zahl der Patentanmeldungen in digitalen Schlüsseltechnologien ist zuletzt deutlich gestiegen, und in Zukunftsfeldern wie der Quantentechnologie hat Europa den Rückstand zu den USA messbar verringert. Das Problem liegt weniger in fehlender Innovationskraft als in strukturellen Hemmnissen bei der Skalierung: Zu hohe Energiepreise, komplexe Genehmigungsverfahren, fragmentierte Förderlandschaften und unzureichende Wagniskapitalmärkte bremsen den Transfer von Forschung in marktfähige Lösungen aus. Die wachsenden geopolitischen Spannungen – insbesondere zwischen den USA und China – verschärfen diese Risiken, da deutsche Unternehmen zunehmend in globale Abhängigkeiten geraten, die als Druckmittel genutzt werden können.

Forderungen der DIHK an die Politik

Häufig gestellte Fragen (FAQ) 

Was bedeutet "digitale Souveränität" konkret für mein Unternehmen? 

Digitale Souveränität bedeutet, dass Ihr Unternehmen digitale Technologien, Daten und Infrastrukturen selbstbestimmt nutzen kann – ohne von einem einzelnen Anbieter oder einem bestimmten Land abhängig zu sein. Praktisch heißt das: die Fähigkeit, Anbieter zu wechseln, eigene Daten zu kontrollieren, faire Vertragsbedingungen auszuhandeln und bei geopolitischen Krisen handlungsfähig zu bleiben.

Warum belastet die aktuelle EU-Regulierung vor allem den Mittelstand? 

Neue Regelwerke wie die KI-Verordnung oder der Data Act enthalten umfangreiche Dokumentations-, Nachweis- und Meldepflichten, die unabhängig von der Unternehmensgröße gelten. Großkonzerne können Compliance-Kosten auf viele Produkte verteilen; KMU tragen diese Last überproportional. Hinzu kommt, dass verschiedene Regelwerke nicht aufeinander abgestimmt sind, was zu widersprüchlichen Anforderungen und erheblicher Rechtsunsicherheit führt.

Was sind offene Standards, und warum fordert die DIHK sie so nachdrücklich? 

Offene Standards sind technische Spezifikationen, die öffentlich zugänglich sind und von jedem Anbieter genutzt werden können – im Gegensatz zu proprietären Schnittstellen einzelner Hersteller. Sie verhindern sogenannte Lock-in-Effekte, bei denen Unternehmen faktisch an einen einzigen Anbieter gebunden sind, weil ein Wechsel technisch zu aufwendig oder teuer wäre. Die öffentliche Verwaltung sollte hier mit gutem Beispiel vorangehen.

Was sind EUDI, und was haben Unternehmen damit zu tun? 

Wallets (European Digital Identity Wallets, European Business Wallets) sind digitale Identitäts-Anwendungen, mit denen natürliche Personen und Unternehmen ihre Identität und Nachweise sicher und grenzüberschreitend digital nutzen können – etwa für Behördengänge, Vertragsabschlüsse oder die Kundenauthentifizierung. Die DIHK setzt sich dafür ein, dass die Wallets für natürliche Personen konsequent mit Unternehmensidentitäten (European Business Wallets) verknüpft werden, um Bürokratie abzubauen und sichere Geschäftsprozesse zu ermöglichen.

Was hat die Rohstoffversorgung mit digitaler Souveränität zu tun? 

Alle digitalen Technologien – von KI-Rechenzentren über Quantencomputer bis hin zu Mobilfunknetzen – setzen physische Hardware voraus, die auf kritische Rohstoffe wie Gallium, Germanium oder Seltene Erden angewiesen ist. Deutschland und Europa beziehen diese Materialien überwiegend aus wenigen Drittstaaten, die in geopolitischen Spannungen Exportbeschränkungen als Druckmittel einsetzen können. Digitale Souveränität ist daher auch eine Frage der Rohstoff- und Lieferkettensicherheit.

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Die komplette DIHK Position zum Thema finden Sie hier: 

Publikation
DIHK Position 2026 Digitale und technische Souveränität
Zusammenfassung
Wie lässt sich die digitale und technische Souveränität Deutschlands sichern? In einem im Juni 2026 vom Präsidium beschlossenen Positionspapier formuliert die DIHK zentrale Forderungen.
Informationen
Dateiformat: PDF (barrierefrei)
Dateigröße: 1 MB
Stand: Juni 2026
Seitenumfang: 16 Seiten

Relevant im Themenfeld:
Schwerpunkte:
  • Digitalisierung
  • Industrie
  • Außenwirtschaft
  • Cybersicherheit
  • Rohstoffe
  • Lieferketten

Ansprechpartner

Siefert, Arian_quad

Arian Siefert

Referatsleiter Wirtschaft digital

Katrin, Sobania_quad

Dr. Katrin Sobania

Referatsleiterin Informations- und Kommunikationstechnologie | E-Government | Postdienste | IT-Sicherheit