Die Schifffahrt steht unter erheblichem Transformationsdruck: Strengere Klimavorgaben auf europäischer und internationaler Ebene bewirken ein Umdenken bei Reedereien und Häfen, während Unternehmen gleichzeitig auf leistungsfähige und verlässliche Logistikwege angewiesen sind. Der Nationale Aktionsplan klimafreundliche Schifffahrt (NAPS) soll den Rahmen setzen, um Klimaschutz und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu verbinden.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Nationale Aktionsplan klimafreundliche Schifffahrt verfolgt aus Sicht der Wirtschaft grundsätzlich richtige Ziele – Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und Technologieoffenheit -, er lässt aber noch konkrete und verbindliche Umsetzungsmaßnahmen vermissen; Formulierungen wie "prüfen" oder "sich einsetzen für" ersetzen keine messbaren Ziele.
- Der NAPS setzt bislang einen starken Schwerpunkt auf Antriebe, Kraftstoffe und Förderprogramme, während Wasserstraßeninfrastruktur und Klimaresilienz – insbesondere die ganzjährige Schiffbarkeit des Rheins – deutlich zu kurz kommen.
- Etwaige Förderinstrumente sollten mehrjährig planbar, technologieoffen und bürokratiearm gestaltet sein; kleinere Unternehmen dürfen durch Nachweis- und Verwaltungsanforderungen nicht unverhältnismäßig belastet werden.
- Einheitliche europäische und international abgestimmte Regelwerke sind die Grundvoraussetzung für einen wettbewerbsneutralen Markthochlauf klimafreundlicher Technologien.
- Digitalisierung und Automatisierung – einschließlich perspektivisch autonomer Schifffahrt – sollten stärker als strategische Zukunftsoption im Plan verankert werden.
Hintergrund
Im NAPS bündelt das Bundesverkehrsministerium Maßnahmen zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen in der deutschen See- und Binnenschifffahrt. Der Aktionsplan umfasst Handlungsfelder wie Regulierung, Energieversorgung, Flottenmodernisierung, Infrastruktur, Digitalisierung und grüne Schifffahrtskorridore. Parallel dazu werden auf Ebene der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) Verhandlungen über ein globales Net-Zero-Rahmenwerk geführt, das weltweit einheitliche Klimavorgaben für die Schifffahrt schaffen soll.
Da Schiffe und Transportketten grenzüberschreitend operieren, sind einheitliche europäische und internationale Regeln entscheidend, um Wettbewerbsverzerrungen zulasten deutscher Unternehmen zu vermeiden. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Situation am Rhein, wie abhängig die Binnenschifffahrt von einer ganzjährig verlässlich nutzbaren Wasserstraßeninfrastruktur ist – ein Aspekt, der im bisherigen Entwurf zu wenig Gewicht hat. Einnahmen aus dem Emissionshandel der Schifffahrt sollen nach Ansicht der DIHK transparent und zweckgerichtet für die Dekarbonisierung des Sektors eingesetzt werden.
DIHK-Forderungen
- Internationale Regelharmonisierung vorantreiben: Die Bundesregierung sollte sich auf europäischer Ebene und in der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation für einheitliche, verbindliche Vorgaben zum Einsatz klimaneutraler Energieträger einsetzen, um strukturelle Wettbewerbsnachteile für deutsche Unternehmen zu vermeiden.
- Wasserstraßeninfrastruktur als Priorität verankern: Der NAPS sollte die Rhein-Schiffbarkeit, die Modernisierung von Schleusen, die Förderung flachwassergängiger Schiffe sowie Maßnahmen zur Abladeoptimierung am Mittelrhein und zur Niedrigwasserresilienz deutlich stärker gewichten.
- Binnenhäfen und Bahnanbindungen stärken: Binnenhäfen als multimodale Knotenpunkte und der Ausbau von RailPort-Infrastruktur sollten stärker gefördert werden, um resiliente Lieferketten zu sichern und Straßengüterverkehr zu entlasten.
- Verlässliche und mehrjährig planbare Förderung sicherstellen: Förderinstrumente sollten langfristig kalkulierbar sein und Investitions- sowie Betriebskostenlücken schließen – sowohl für Zieltechnologien als auch für geeignete Übergangslösungen.
- Bürokratie in Förderverfahren reduzieren: Digitale Anträge, eine zentrale Ansprechstelle, verbindliche Entscheidungsfristen und die Wiederverwendung bereits verifizierter Daten sollten Standard werden.
- Werft- und Industriekapazitäten strategisch sichern: Eine fundierte Kapazitätsanalyse sollte Grundlage für die Weiterentwicklung der europäischen Werft- und Industriestrukturen sein, um Engpässe bei Neubau, Nachrüstung und Abwrackung frühzeitig zu identifizieren.
- Rechtliche Hürden für Automatisierung gezielt angehen: Der NAPS sollte bestehende rechtliche und bürokratische Hemmnisse für automatisierte und perspektivisch autonome Schifffahrt benennen und einen Weg zu deren Abbau aufzeigen.
- Emissionshandel-Einnahmen zweckgerichtet verwenden: Die Einnahmen aus dem Emissionshandel-Anteil der Schifffahrt sollten transparent und nachvollziehbar für die Dekarbonisierung von Schiffen und Schiffskraftstoffen eingesetzt werden.
FAQ
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Nationale Aktionsplan klimafreundliche Schifffahrt, und wen betrifft er?
Der NAPS ist ein Strategiepapier des Bundesministeriums für Verkehr, das Maßnahmen zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen in der deutschen See- und Binnenschifffahrt bündelt. Betroffen sind nicht nur Reedereien und Hafenbetreiber, sondern auch Unternehmen aus Industrie, Handel und Logistik, die auf Schiffstransporte angewiesen sind – etwa für den Import von Rohstoffen oder den Export von Fertigwaren.
Warum kritisiert die DIHK die Ausführungen zum Bürokratieabbau?
Der Aktionsplan enthält zwar Absichtserklärungen zum Bürokratieabbau, unterlegt diese aber nicht mit konkreten Zielen, Fristen oder messbaren Erfolgsindikatoren. Zugleich könnten neue Nachhaltigkeitsanforderungen und Emissionsnachweise per se zusätzliche Dokumentationspflichten schaffen – was dem erklärten Entlastungsziel entgegenwirken würde.
Was bedeutet "technologieoffene Förderung" in der Praxis?
Technologieoffene Förderung bedeutet, dass Unternehmen nicht auf einen bestimmten Antrieb oder Kraftstoff festgelegt werden. Je nach betrieblichen Gegebenheiten können sie zwischen verschiedenen klimafreundlichen Optionen wählen – etwa Wasserstoff, Ammoniak oder Methanol als Zieltechnologien sowie geeigneten Übergangslösungen. Das vermeidet Fehlinvestitionen und erhält unternehmerische Flexibilität angesichts technologischer Unsicherheiten.
Welche Rolle spielt die Lage am Rhein für den Aktionsplan?
Der Rhein ist eine der meistbefahrenen Binnenwasserstraßen Europas und ein zentrales Rückgrat für Industrie- und Handelslogistik. Niedrigwasserphasen können den Gütertransport erheblich beeinträchtigen. Die DIHK setzt sich dafür ein, Maßnahmen zur Abladeoptimierung am Mittelrhein und zur Niedrigwasserresilienz als eigenständige Priorität im NAPS zu verankern – und den Plan stärker mit der "Perspektive nachhaltige Rheinschifffahrt 2030" zu verzahnen.
Was sind grüne Schifffahrtskorridore, und warum warnt die DIHK vor Nebenwirkungen?
Grüne Schifffahrtskorridore sind definierte Routen, auf denen klimafreundliche Antriebe und Kraftstoffe erprobt und gefördert werden sollen. Die DIHK hält sie für sinnvolle Erprobungsräume, warnt aber davor, dass daraus Nutzungs- oder Zugangsbeschränkungen für bestimmte Schiffstypen entstehen könnten. Die Teilnahme sollte freiwillig bleiben und keine Voraussetzung für den Zugang zu Häfen oder Wasserstraßen sein.
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Die DIHK-Stellungnahme vom 24. August 2026 ist hier abrufbar:
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DIHK-Stellungnahme NAPS
DIHK-Stellungnahme vom 24. August 2026 zum Entwurf des Nationalen Aktionsplans klimafreundliche Schifffahrt (NAPS) des Bundesministeriums für Verkehr
- Informationen
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Dateiformat: PDF (barrierefrei)
Dateigröße: 127 KB
Stand: September 2026
Seitenumfang: 6 Seiten
- Relevant im Themenfeld:
- Infrastruktur
- Schwerpunkte:
-
- Klima
- Verkehr
Veröffentlicht 24.08.2026
Aktualisiert 11.09.2026
Ansprechpartnerin
Tatiana Valyaeva
Referatsleiterin Energie- und Umweltpolitik – Bereiche Gebäude und Mobilität