Die Unternehmen in Industrie und Handel bilden trotz starken Gegenwinds weiter aus. Der weht ihnen gleich von mehreren Seiten ins Gesicht. Vielen Unternehmen macht die wirtschaftliche Lage nach sechs Jahren ohne faktisches Wachstum zu schaffen. Gleichzeitig fällt es Betrieben weiterhin schwer, passende Bewerberinnen und Bewerber zu finden. Diese Mixtur hinterlässt Spuren auf dem Ausbildungsmarkt, wie die DIHK-Ausbildungsumfrage 2026 mit Antworten von 14.000 Unternehmen aller Größen und aus allen Regionen zeigt.
Die Umfrage zeichnet ein differenziertes Bild. Zwar reduzieren derzeit mehr IHK-Ausbildungsbetriebe ihr Angebot an Ausbildungsplätzen, als sie es erweitern. Besonders angespannt ist die Lage bei Unternehmen mit negativen Geschäftserwartungen. Vier von zehn dieser Betriebe verkleinern ihr Ausbildungsangebot. Gleichzeitig bleibt die Ausbildungsbereitschaft insgesamt bemerkenswert stabil: Sieben von zehn Ausbildungsbetrieben bieten genauso viele oder sogar mehr Ausbildungsplätze an als im Vorjahr.
Helena Melnikov
DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov: "Angesichts der dramatischen Lage der deutschen Wirtschaft ist das ein starkes Signal. Es zeigt, dass Ausbildung für die Unternehmen auch in herausfordernden Zeiten höchste Priorität hat. Die Betriebe wissen, dass gut qualifizierte Fachkräfte entscheidend für ihren aktuellen und zukünftigen Erfolg sind."
Viele Bewerberinnen und Bewerber mit Defiziten bei Grundkompetenzen
Die größte Herausforderung auf dem Ausbildungsmarkt bleibt der Mangel an passenden Bewerberinnen und Bewerbern. Die Besetzungsprobleme verharren auf Rekordniveau. Im vergangenen Jahr konnte nahezu jeder zweite Ausbildungsbetrieb nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen – vor allem, weil keine geeigneten Bewerberinnen und Bewerber gefunden wurden. Zwei Drittel der Betriebe mit Besetzungsschwierigkeiten geben dies als Hürde an.
Unternehmen sehen besonders Defizite bei den Grundkompetenzen. Jeder zweite Ausbildungsbetrieb stellt weitverbreitete Schwächen beim Arbeits- und Sozialverhalten fest, etwa mit Blick auf die Belastbarkeit. Fast ebenso häufig werden unzureichende kognitive Kompetenzen genannt. Rund vier von zehn Unternehmen sehen zudem Defizite in Mathe, Deutsch oder wirtschaftlichem Grundwissen.
Gleichzeitig zeigen Betriebe eine hohe Bereitschaft, junge Menschen mit Unterstützungsbedarf zu fördern und die Bildungslücken der Azubis auf eigene Faust zu schließen. Drei Viertel der Unternehmen, die solche Defizite feststellen, sind offen für Auszubildende mit Startschwierigkeiten und unterstützen sie etwa durch Nachhilfe. "Angesichts des Fachkräftemangels ist jeder unbesetzte Ausbildungsplatz einer zu viel. Die Unternehmen leisten bereits weit mehr, als man von ihnen erwarten kann. Gerade kleine und mittlere Betriebe können aber nicht dauerhaft die Versäumnisse anderer Bereiche ausgleichen. Hier ist die Politik gefordert, die Voraussetzungen für erfolgreiche Bildungsbiografien zu stärken."
Strukturelle Reformen in Wirtschafts- und Bildungspolitik notwendig
Die Umfrageergebnisse verdeutlichen, wie dringend der Handlungsbedarf ist. "Die Berufliche Bildung ist ein Erfolgsrezept, sie braucht aber gute Rahmenbedingungen", so Melnikov. "Dazu gehören eine stärkere Wirtschaft ebenso wie ein Bildungssystem, das jungen Menschen die notwendigen Grundlagen für Ausbildung und Beruf vermittelt."
"Um den Ausbildungsbetrieben den nötigen Rückenwind zu geben, sind strukturelle Reformen in der Wirtschafts- und Bildungspolitik notwendig.” So müssten die Betriebe insgesamt mehr Freiraum für ihr unternehmerisches Handeln bekommen. Bürokratische Belastungen, überbordende Berichtspflichten und hohe Kosten, etwa für Energie, schwächten die Investitions- und Ausbildungsfähigkeit der Betriebe. "Die Bundesregierung hat wichtige Reformansätze auf den Weg gebracht. Jetzt kommt es darauf an, dass diese schnell und spürbar in der Praxis greifen."
Auch im Bildungsbereich sieht die DIHK-Hauptgeschäftsführerin dringenden Handlungsbedarf: "Immer weniger Schülerinnen und Schüler bringen die Grundkompetenzen mit, die für jede Ausbildung entscheidend sind. Wer dieses Fundament nicht hat, wird in seinem ganzen Berufsleben zu kämpfen haben. Wichtig ist für die Entwicklung auch, dass Schülerinnen und Schüler nicht nur vereinzelt, sondern wiederholt und systematisch Praxiserfahrungen in Unternehmen sammeln. Schulen sollten deshalb noch enger mit Unternehmen und beruflichen Schulen zusammenarbeiten. Das hilft jungen Menschen, ihre Stärken zu erkennen und fundierte Berufsentscheidungen zu treffen."
Duale Ausbildung als Karrierebasis
Die Umfrage unterstreicht zugleich die hohe Qualität und Attraktivität der dualen Ausbildung. Trotz der aktuellen Wirtschaftskrise übernehmen rund zwei Drittel der Betriebe alle ihre Absolventinnen und Absolventen. Mehr als 80 Prozent der Unternehmen wollen ihre ehemaligen Azubis sogar bei zukünftigen weiteren Qualifizierungen unterstützen. "Junge Menschen haben mit einer dualen Ausbildung hervorragende Berufs- und Karrierechancen. Das ist gerade in Umbruch- und Krisenzeiten ein hohes Gut", so Melnikov.
Download
- Publikation
-
DIHK-Ausbildungsumfrage 2026
- Zusammenfassung
- Die DIHK-Ausbildungsumfrage 2026 basiert auf einer Online-Umfrage, in der die IHKs vom 11. bis zum 29. Mai 2026 die Rückmeldungen von 14.058 Unternehmen eingesammelt haben. Sie behandelt das Angebot an Ausbildungsstellen in IHK-Betrieben, die Besetzung mit Auszubildenden sowie die Übernahme und weitere Qualifizierung von Absolventinnen und Absolventen. Schlaglichter wirft sie auf die Themen Defizite bei Grundkompetenzen, bezahlbarer Wohnraum für Azubis und Auszubildende aus Drittstaaten.
- Informationen
-
Dateiformat: PDF (barrierefrei)
Dateigröße: 2 MB
Stand: Juli 2026
Seitenumfang: 36 Seiten
- Relevant im Themenfeld:
- Fachkräfte
- Schwerpunkte:
-
- Ausbildung
Veröffentlicht 28.07.2026
Pressekontakt
Dominik Ohlig
Pressesprecher – Chef vom Dienst