Verbände ermitteln H2-Marktindex 2026

Der Wasserstoffhochlauf braucht einen verlässlichen politischen Kurs, der Investitionen ermöglicht und tragfähige Märkte schafft.

04.11.2026 – Trotz Fortschritten bei der Infrastruktur und der Weiterentwicklung der Regulierung ist der Wasserstoffhochlauf ins Stocken geraten. Eine spürbare Belebung des Marktes ist derzeit nicht erkennbar, so die Erkenntnis von Vertretern der Industrie und Energiewirtschaft in ihrer seit 2023 jährlich durchgeführten Analyse zur Entwicklung des Wasserstoffmarktes in Deutschland. Der sogenannte H2-Marktindex liegt 2026 bei 41 von 100 möglichen Indexpunkten und hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert. 

Von den vier in der Analyse untersuchten Hauptrubriken konnte allein der Infrastrukturausbau einen Anstieg in der Bewertung verzeichnen. Er liegt nun bei 36 Indexpunkten (2025: 35 Indexpunkte und 2023: 24 Indexpunkte). In den im Folgenden beschriebenen Unterrubriken des Infrastrukturindex gibt es stärkere Aufwärtstrends. Keine Veränderung zum Vorjahr gab es beim Innovationsumfeld (55 Indexpunkte). Deutlich abgenommen hat der politisch-regulatorische Rahmen (minus 2 auf nunmehr 36 Indexpunkte), auch bei der Marktentwicklung (minus 2 auf nunmehr 35 Indexpunkte) ist ein Rückgang zu verzeichnen. 

Als wichtigster Treiber des Wasserstoffhochlaufs wird stakeholderübergreifend eine passende politische Zielsetzung genannt. Doch erkennen die Befragten einen stark abnehmenden politischen Willen bzw. vermissen Markstimuli. Hier ist das Vertrauen der Marktteilnehmer stark gesunken (minus 11 Punkte zum Vorjahr). Gleichzeitig wird die Attraktivität des Geschäftsfeldes Wasserstoff zunehmend pessimistischer wahrgenommen. Betrug der entsprechende Indexwert im Jahr 2023 noch 53, so sank dieser in den letzten drei Jahren auf nun 39 Punkte. Im Subindex Innovationsumfeld wird das Technische Regelwerk zunehmend positiv wahrgenommen. Der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr ist mit einem Plus von 11 Indexpunkten auf einen Wert von nun 60 so hoch wie nie zuvor. Die Bewertung fällt seit 2023 (43 Indexpunkte) kontinuierlich positiver aus.

Um den Wasserstoffmarkt in Deutschland voranzubringen, fordern die Verbände einen verlässlichen politischen Kurs, der Investitionen ermöglicht und tragfähige Märkte schafft. Nur durch technologieoffene Rahmenbedingungen, eine wirksame Förderung (z.B. CfDs) sowie gezielte Nachfrageimpulse wird Wasserstoff die klimafreundliche Transformation vorantreiben und die Resilienz sowie die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts stärken. 

Infrastrukturausbau (2026: 36 Indexpunkte, 2025: 35 Indexpunkte) 

Der Infrastrukturausbau ist die einzige Hauptrubrik, in der beim H2-Marktindex in diesem Jahr ein Anstieg verzeichnet werden konnte. Seit 2023 ist die Entwicklung durchweg positiv von damals 24 auf heute 36 Indexpunkte. Auch der Unterbereich Pipelineinfrastruktur sticht hervor. Hier betrug der Anstieg zum Vorjahr 2 Indexpunkte, seit 2023 von damals 31 auf heute 46 – ein Plus von 15 Indexpunkten. Die beiden anderen Bereiche Speicherinfrastruktur (31 Indexpunkte) und Importinfrastruktur (30 Indexpunkte) zeigen unveränderte Werte im Vorjahresvergleich. Ein Grund für diese insgesamt positive Entwicklung ist die politische Entscheidung zum Wasserstoff-Kernnetz. Auch die zahlungspflichtigen Kapazitätsreservierungen im Kernnetz von 3 GW auf 6 GW binnen 3 Monaten sind ein wichtiges Signal für den Hochlauf insgesamt. Mit Blick auf Import- und Verteilnetzinfrastrukturen sowie Speicher sehen die Vertreter der Industrie und Energiewirtschaft dringenden politischen Handlungsbedarf bei der Finanzierung. Zwar sind Import-Routen und Grenzübergangspunkte geplant, verfügen aber bisher weitgehend nicht über finale Investitionsentscheidungen (FIDs Final Investment Decisions). Ebenso stockt die Umsetzung kommerzieller Speicherprojekte. 

Innovationsumfeld (2026: 55 Indexpunkte, 2025: 55 Indexpunkte) 

Das Innovationsumfeld bleibt mit 55 Indexpunkten gegenüber dem Vorjahr unverändert und ist damit weiterhin der am besten bewertete Bereich des Wasserstoffmarktes. Deutschland verfügt über eine starke Forschungs- und Innovationslandschaft, doch die breite industrielle Anwendung bleibt herausfordernd. Weiteren Entwicklungsbedarf sehen die Marktteilnehmer insbesondere bei der Wasserstofferzeugung, den Importtechnologien und der Wasserstoffnutzung. Gleichzeitig wird der technologische Entwicklungsstand zurückhaltender bewertet als im Vorjahr. Positiv entwickelt sich hingegen das technische Regelwerk: Im August 2026 waren bereits rund 670 Normen für Wasserstofftechnologien erfasst. Auch die seit 2020 deutlich gestiegenen Patentanmeldungen unterstreichen die Innovationsaktivität. Die Ergebnisse zeigen: An technologischen Entwicklungen mangelt es nicht, entscheidend ist, diese in wirtschaftlich tragfähige Anwendungen und Investitionen zu überführen. Dafür braucht es verlässliche Rahmenbedingungen, wettbewerbsfähige Wasserstoffpreise und eine stärkere Nachfrage. 

Politisch-regulatorischer Rahmen (2026: 36 Indexpunkte, 2025: 38 Indexpunkte) 

Die Bewertung des politisch-regulatorischen Rahmens ist weiter gesunken. Besonders deutlich zeigt sich dies beim wahrgenommenen politischen Willen, dessen Indexwert von 51 Punkten im Jahr 2023 auf 34 Punkte 2026 zurückging. Der rechtliche Rahmen verbesserte sich zwar leicht auf 39 Punkte, bleibt aber im negativen Bereich. Als größtes rechtliches Hindernis sehen 35 Prozent der Befragten die Überregulierung. Insbesondere die komplexen und kostenintensiven EU-Vorgaben für grünen Wasserstoff erschweren den Hochlauf; die angekündigte Überprüfung der Herstellungskriterien steht noch aus. Auch die Förderkulisse wird zunehmend schlechter bewertet: Ihr Indexwert sank seit 2023 von 40 auf 34 Punkte. Es gibt zwar diverse Förderprogramme auf nationaler und EU-Ebene. Diese erscheinen insgesamt aber kleinteilig und unübersichtlich. Die so bereitgestellten Mittel haben bisher nicht ausgereicht, um einen liquiden Wasserstoffmarkt zu entwickeln. 

Marktentwicklung (2026: 35 Indexpunkte, 2025: 37 Indexpunkte) 

Für 58 Prozent der Befragten ist die Marktentwicklung, also Angebot, Nachfrage und Marktpreis, die größte Herausforderung des Wasserstoffhochlaufs. Parallel wird die Marktentwicklung zunehmend negativer wahrgenommen. Seit der ersten Erhebung im Jahr 2023 (49 Indexpunkte) ist der Wert kontinuierlich gesunken, der Rückgang zum Vorjahr fällt mit 2 Indexpunkten jedoch moderater aus als 2025. Den aktuellen Stand des Markthochlaufs bewerten die Marktakteure mit 29 Indexpunkten als eher negativ. Gründe dafür sind unter anderem verzögerte Elektrolyseprojekte, ein geringes Angebot bei schwacher Nachfrage sowie hohe Energiekosten. Auch die Erwartung hinsichtlich der Attraktivität von Wasserstoff als Geschäftsfeld in den kommenden zwölf Monaten ist gesunken (41 Indexpunkte nach 44 im Vorjahr und 55 im Jahr 2023). Die inländischen Produktionsziele für 2030 gelten als nicht erreichbar, wodurch Importe weiter an Bedeutung gewinnen. Am kritischsten bewertet den Hochlauf (29 bis 35 Indexpunkte) die Industrie als potenzieller Abnehmer, am positivsten die Fernleitungsnetzbetreiber (51). Nicht technologische Herausforderungen, sondern die Wirtschaftlichkeit bremst den Hochlauf: Die Kosten für grünen Wasserstoff liegen weiterhin deutlich über dem, was Abnehmer zu zahlen bereit sind. Um diese Lücke zu schließen, fordern die Verbände, Midstreamer-Instrumente und CfDs bürokratiearm mit weiteren Mitteln auszustatten und weiterzuentwickeln, Investitionsrisiken zusätzlich staatlich abzusichern, grüne Leitmärkte pragmatisch zu gestalten und übergangsweise Book-and-Claim zu ermöglichen. 

Durchgeführt wurde die Online-Erhebung vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln gGmbH (EWI) im Auftrag des Energieeffizienzverbands für Wärme, Kälte und KWK (AGFW), der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW), der H2Global Stiftung, des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), von Power-to-X for Applications (VDMA) und des Verbands der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK). 

Der H2-Marktindex dient dazu, die Wahrnehmung von Marktakteuren bezüglich der Entwicklung eines Wasserstoffmarktes in Deutschland zu ermitteln. Der Index identifiziert Herausforderungen und mögliche Problemfelder im Markthochlauf und dient Entscheidungsträgern in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft als Handlungsgrundlage. Der Gesamtindex setzt sich aus den vier genannten Indizes zusammen, die ihrerseits weiter aufgeschlüsselt und in Unterindices unterteilt werden. 
 

Stimmen der teilnehmenden Verbände 

Frank Mattat, Hauptgeschäftsführer AGFW | Der Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK e. V.: „Für die Wärmewende brauchen wir alle verfügbaren klimaneutralen Optionen. Wasserstoff eröffnet die Perspektive, unsere Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen künftig treibhausgasneutral zu betreiben. Diese Anlagen leisten einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit im Stromsystem und in der leitungsgebundenen Wärmeversorgung. Deshalb braucht auch die Fernwärme einen verlässlichen Wasserstoffhochlauf und Rahmenbedingungen, die Investitionen in Anlagen und Infrastruktur ermöglichen.“ 

Dr. Sebastian Bolay, Bereichsleiter Energie, Umwelt, Industrie DIHK | Deutsche Industrie- und Handelskammer: „Wasserstoff ist für die klimaneutrale Transformation von Industrie und Energiesystem unverzichtbar. Damit dieser seine Schlüsselrolle für eine klimaneutrale Wirtschaft erfüllen kann, müssen Angebot, Nachfrage, Infrastruktur und Regulierung allerdings deutlich besser aufeinander abgestimmt werden. Unternehmen sind bereit zu investieren, sie benötigen dafür aber einen verlässlichen Entwicklungspfad, praxistaugliche gesetzliche Rahmenbedingungen und einen zügigen Ausbau von Netzen, Speichern und internationalen Importstrukturen.“ 

Prof. Dr. Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V.: „Die durchaus positiven Entwicklungen beim Kernnetz dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es Stimmen gibt, die den Rückbau der Verteilnetze fordern. Die Begründung: Dies sei eine logische Konsequenz der Elektrifizierung von Gebäudewärme. Dieser Ansatz greift zu kurz und vernachlässigt entscheidende Fakten. Das Verteilnetz mit rund 560.000 Kilometern Länge (davon rund 350.00 Kilometer in Anbindung zu Industrie, Gewerbe und Kraftwerken) wird auch zukünftig ein zentrales Asset der Energieversorgung sein. Verteilnetzbetreiber benötigen verbindliche finanzielle Absicherung bei der Gestaltung der Netztransformation.“ 

Markus Exenberger, Vorstandsvorsitzender der H2Global Stiftung: „Der H2-Marktindex zeigt: Die Wirtschaftlichkeit bremst den Hochlauf. Solange die Differenz zwischen den Kosten für klimaneutralen Wasserstoff und der Zahlungsbereitschaft der Abnehmer besteht, fehlen nachhaltige Investitionen auf der Angebots- und Nachfrageseite. Die Politik muss das Rad nicht neu erfinden. Bereits existierende effiziente Instrumente müssen nur konsequent, mit klarer Zielsetzung und ausreichender Ausstattung eingesetzt werden, um diese Lücke zu schließen. Das schafft die nötige Investitionssicherheit für die Marktentstehung und Skalierung.“ 

Matthias Belitz, Bereichsleiter Nachhaltigkeit, Energie und Klimaschutz des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI): „Die Zweifel am politischen Kurs beim Wasserstoffhochlauf wachsen. Deshalb sollte sich die Politik auf Maßnahmen konzentrieren, die den Markthochlauf voranbringen. Dazu zählen einfachere, praxistauglichere und technologieoffenere Regeln auf nationaler und EU-Ebene sowie eine nachhaltige Senkung der Stromgesamtkosten. Darüber hinaus braucht es gezielte Impulse, die die Nachfrage nach Wasserstoff stärken.“ 

Peter Müller-Baum, Geschäftsführer VDMA Power-to-X for Applications: „Die Befragung belegt erneut: Die Technologie ist verfügbar, aber die gesetzliche Regulatorik schafft noch keinen zuverlässigen, praxistauglichen Rahmen. Für einen tragfähigen Wasserstoffmarkt bedarf es weniger, aber besserer Regulierung!“

Christian Seyfert, Hauptgeschäftsführer Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft e. V. (VIK): „Der industrielle Wasserstoffhochlauf scheitert weder an fehlendem Know-how noch an mangelnder Investitionsbereitschaft. Die Unternehmen stehen bereit und bringen bereits erste Projekte auf den Weg. Was bislang fehlt, sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, um aus einzelnen Projekten einen tragfähigen Wasserstoffmarkt entstehen zu lassen. Dafür brauchen wir eine verlässliche Infrastruktur, wettbewerbsfähige Wasserstoffpreise und vor allem Instrumente, die die bestehende Wirtschaftlichkeitslücke schließen und langfristige Abnahmeverträge ermöglichen. Die Politik muss jetzt mit gezielten Förderinstrumenten und einer wirksamen Risikoabsicherung Investitionssicherheit schaffen. Denn Wasserstoff ist sowohl für die Defossilisierung als auch für den Erhalt industrieller Wertschöpfung in Deutschland unverzichtbar.“ 

Über den H2-Marktindex 

Der H2-Marktindex dient dazu, die Wahrnehmung von Marktakteuren bezüglich der Entwicklung eines Wasserstoffmarktes in Deutschland zu ermitteln. Zielsetzung ist dabei die Abbildung der Wahrnehmungen von verschiedenen Stakeholdern, die Identifikation von Herausforderungen und möglichen Problemfeldern sowie das Erfassen relevanter Indikatoren zur Messung des Fortschritts des Wasserstoffmarkthochlaufs. Der H2-Marktindex umfasst die vier Themenfelder Innovationsumfeld, politisch-regulatorischer Rahmen, Infrastrukturausbau und Marktentwicklung. Die Indexergebnisse werden auf einer Skala von 0 (negativ) bis 100 (positiv) abgebildet. Zur Erhebung des H2- Marktindex 2026 wurde eine Online-Erhebung von Stakeholdern der Wasserstoffwirtschaft im Zeitraum Mai bis Juli 2026 durchgeführt. Insgesamt sind 431 indexrelevante Rückmeldungen in die Auswertung eingeflossen. 

Weitere Informationen sowie das gesamte Gutachten und eine Zusammenfassung unter www.h2-marktindex.de.

Relevant im Themenfeld:
Schwerpunkte:
  • Klima
  • Wasserstoff

Pressekontakt

Löffelholz, Julia_test

Julia Löffelholz

Pressesprecherin