Gestapelte Münzen

Gewerbesteuer-Hebesätze

Die Gewerbesteuer entwickelt sich zur stillen Standortbremse, das zeigt die DIHK-Erhebung zu den Hebesätzen 2026. Dass die Belastung der Betriebe weiter steigt, liegt auch an der angespannten Finanzlage vieler Kommunen. Die DIHK plädiert für strukturelle Reformen und steuergesetzliche Anpassungen.

Für die DIHK-Hebesatzumfrage 2026 wurden die Gewerbesteuer-Hebesätze von 706 Städten und Gemeinden mit mindestens 20.000 Einwohnern erfasst und mit dem Stand zum Jahresende 2025 verglichen. Der einwohnergewichtete bundesweite Durchschnitt steigt von 439 auf 441 Prozent. 613 Kommunen halten ihren Hebesatz konstant, 88 erhöhen ihn, 5 senken ihn.

Zentrale Ergebnisse im Überblick

  • Die regionalen Belastungsunterschiede bleiben erheblich. Die Hebesätze reichen von 250 Prozent in Monheim am Rhein und Leverkusen bis zu 580 Prozent in Oberhausen und Mülheim an der Ruhr. Die Spannweite beträgt damit 330 Hebesatzpunkte.
  • Nordrhein-Westfalen weist mit einem einwohnergewichteten Durchschnitt von 476 Prozent weiterhin die höchste Gewerbesteuerbelastung unter den Flächenländern auf. Von den 214 untersuchten Kommunen des Landes erhöhen 40 ihren Hebesatz.
  • Die höchsten Hebesätze werden weiterhin überwiegend in Nordrhein-Westfalen erhoben. An der Spitze stehen Oberhausen und Mülheim an der Ruhr mit jeweils 580 Prozent, gefolgt von Erftstadt mit 565 Prozent, Elsdorf mit 555 Prozent und Kerpen mit 550 Prozent. Die stärksten Einzelanhebungen verzeichnen Hückelhoven mit 53 Punkten, Kerpen mit 50 Punkten sowie Dülmen und Rees mit jeweils 44 Punkten. In Brandenburg erhöht Königs Wusterhausen den Hebesatz um 45 Punkte.
  • Den stärksten Anstieg des einwohnergewichteten Landesdurchschnitts weist Sachsen-Anhalt auf. Dort erhöht sich der Wert um fünf Punkte von 422 auf 427 Prozent. Es folgen Hessen mit vier Punkten und Baden-Württemberg mit drei Punkten.
  • Ein Drittel der untersuchten Kommunen erhebt einen Hebesatz von weniger als 400 Prozent. Zugleich liegen 217 Kommunen beziehungsweise 30,7 Prozent der erfassten Gemeinden bei mindestens 450 Prozent. Hohe Hebesätze konzentrieren sich dabei häufig auf bevölkerungsreiche Städte. 

Belastung für Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit

Helena Melnikov in braunem Blazer gestikuliert


"Auf jede Kommune, die ihre Gewerbesteuer senkt, kommen fast 18, die sie erhöhen", kommentiert DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov die Ergebnisse der DIHK-Hebesatzumfrage 2026. "Damit entwickelt sich die Gewerbesteuer zur stillen Standortbremse. Die Gewerbesteuerbelastung der Unternehmen steigt weiter. Zwar hält die Mehrheit der Städte und Gemeinden ihre Hebesätze stabil. Doch von 706 untersuchten Kommunen heben 88 den Gewerbesteuerhebesatz an, nur fünf senken ihn. Der einwohnergewichtete Bundesdurchschnitt steigt von 439 auf 441 Prozent."  

Kommunale Finanzprobleme nicht abwälzen

Nach Einschätzung der DIHK spiegelt diese Entwicklung vor allem die angespannte Finanzlage vieler Kommunen wider. Steigende Sozialausgaben, höhere Personal- und Sachkosten, umfangreiche Investitionsbedarfe und ein zunehmender Sanierungsstau treffen auf enge Spielräume. Das kommunale Finanzierungsdefizit lag 2025 bei mehr als 31 Milliarden Euro. "Die Finanzprobleme der Kommunen sind real. Sie dürfen aber nicht auf die örtlichen Unternehmen abgewälzt werden. Höhere Gewerbesteuern schwächen die wirtschaftliche Entwicklung und gefährden langfristig auch die kommunale Steuerbasis", warnt Melnikov. 

"Deutschland zählt ohnehin zu den Hochsteuerländern vor allem auch für Unternehmen. Weitere Hebesatzerhöhungen verschärfen den Wettbewerbsnachteil und entziehen den Betrieben Mittel für Investitionen, Innovationen, Digitalisierung, Dekarbonisierung und Beschäftigung", sagt Melnikov. Besonders betroffen seien mittelständische Unternehmen: "Mittelständler finanzieren Investitionen überwiegend aus eigenen Gewinnen und können auf zusätzliche Belastungen kaum flexibel reagieren. Für viele Familienbetriebe entscheidet der Hebesatz darüber, ob die nächste Maschine angeschafft oder der nächste Ausbildungsplatz geschaffen werden kann. Hohe Hebesätze sind ein Standortsignal, das bei Investitions- und Ansiedlungsentscheidungen zunehmend Gewicht bekommt." 

Kommunen aufgabengerecht und dauerhaft ausstatten

Melnikov fordert strukturelle Reformen: "Bund und Länder müssen die Kommunen aufgabengerecht und dauerhaft ausstatten. Neue Aufgaben dürfen nur mit gesicherter Finanzierung übertragen werden. Zugleich gehören bestehende Aufgaben und Standards auf den Prüfstand. Effizienzreserven müssen genutzt und öffentliche Investitionen klar priorisiert werden", so die DIHK-Hauptgeschäftsführerin. Kurzfristige Entlastungen könnten helfen, ersetzten aber keine Reformen, die kommunale Ausgaben, Aufgaben und Einnahmen dauerhaft ins Gleichgewicht bringen. "Die Vereinbarung von Bund, Ländern und Kommunen, bei neuen Aufgaben ab Oktober eine engere Konnexität einzuhalten, ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Die strukturellen Probleme bei bestehenden Aufgaben und ihrer Finanzierung sind damit aber nicht gelöst." 

Melnikov betont, dass auch der Steuergesetzgeber reagieren sollte: "Der Anrechnungsfaktor der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer sollte steigen. Wo Kommunen über einen Hebesatz von 422 Prozent hinausgehen, greift die neutrale Anrechnung auf Unternehmensebene nicht mehr voll. Personenunternehmen werden dort zusätzlich belastet." 

Die Zahlen zum Download

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Zeitreihe Gewerbesteuer-Hebesätze (Stand 2026)
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Dateiformat: PDF (barrierefrei)
Dateigröße: 85 KB
Stand: Oktober 2026
Seitenumfang: 1 Seiten

Realsteuer-Hebesätze 2026 nach Bundesländern

Relevant im Themenfeld:
Schwerpunkte:
  • Hebesätze deutscher Städte und Gemeinden

Ansprechpartner

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Dr. Kathrin Andrae

Referatsleiterin Öffentliche Finanzen

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Dominik Ohlig

Pressesprecher – Chef vom Dienst