Deutschland ist bei Öl und Gas heute deutlich breiter aufgestellt als noch vor wenigen Jahren. Dennoch bleibt die deutsche Wirtschaft anfällig für geopolitische Krisen im Persischen Golf. Die Auswirkungen zeigen sich vor allem über steigende Weltmarktpreise, höhere Stromkosten und unterbrochene Lieferketten. Besonders betroffen sind energieintensive Industrien sowie Unternehmen, die auf kritische Rohstoffe und chemische Vorprodukte aus der Golfregion angewiesen sind. Bereits jetzt steigen die Preise, während sich die Risiken für Produktion und Versorgung mit wichtigen Materialien erhöhen.
Energieversorgung
Kurzfristig sind in Deutschland keine physischen Versorgungsengpässe zu erwarten, da Deutschland Öl und Gas (inklusive LNG) vorwiegend aus USA, Norwegen, den Niederlanden, Libyen sowie Kasachstan bezieht. Lediglich 6,1 Prozent der deutschen Rohöl-Importe 2025 stammen aus dem Nahen Osten, LNG bezieht Deutschland aus der Region direkt überhaupt nicht. Die wichtigsten Effekte entstehen vielmehr über Preissteigerungen auf den globalen Energie- und Rohstoffmärkten und mögliche Umlenkungseffekte. Die Märkte sind sehr volatil. Unternehmen blicken insbesondere mit Sorge auf die Zeit nach Auslaufen bestehender Lieferverträge, das ist häufig im Herbst der Fall.
Industrieabhängigkeit
In Deutschland decken Öl und Gas rund 40 Prozent des industriellen Energieverbrauchs, insbesondere für Prozesswärme. Steigende Energiepreise wirken direkt auf die Produktionskosten der Industrie.
Indirekte Auswirkung auf die Strompreise
Da in der Stromproduktion Gaskraftwerke in der Regel preissetzend sind, führen steigende Gaspreise zu Erhöhungen der Großhandelsstrompreise.
Befüllung der Gasspeicher
Die aktuellen hohen Preise laufen einer (markt-)wirtschaftlichen Befüllung zuwider: Sie können zu allgemein höheren Gas-/Preisniveaus führen und/oder eine staatliche Intervention notwendig machen. Laut dem Verband der Gasspeicherbetreiber (INES) drohen die aktuellen Marktbedingungen die Wiederbefüllung der Speicher in ausreichendem Maß zu verhindern. Bei einem sehr kalten Winter könnte die Versorgungssicherheit unter Druck gerade und das Gas ausgehen. Industrieunternehmen müssten dann abgeschaltet werden.
Rohstoffe
Die Region am Persischen Golf ist auch ein zentraler Lieferant für zahlreiche kritische Rohstoffe und Zwischenprodukte. Die faktische Sperrung der Straße von Hormus für den Seeverkehr seit dem 2. März gefährdet die entsprechenden globalen Lieferketten erheblich, sodass neue Preisspitzen und Engpässe für die Weltwirtschaft drohen. Deutsche Unternehmen stellt dies vor erhebliche Herausforderungen und schafft neue Unsicherheiten.
Wichtige Rohstoffe im Überblick:
Veröffentlicht 30.07.2026
Ansprechpartner
Dr. Sebastian Bolay
Bereichsleiter Energie, Umwelt, Industrie
Phillip Flore
Referatsleiter Lieferkettendiversifizierung