Alternative Handels- und Energiekorridore der Golfregion

Strategische Knotenpunkte des Welthandels

Die Handels- und Energieverbindungen zwischen dem Nahen Osten, Europa und Asien konzentrieren sich auf wenige zentrale Verkehrskorridore. Besonders die Straße von Hormus, die Meerenge Bab al-Mandab am Eingang zum Roten Meer sowie der Suezkanal zählen zu den wichtigsten Nadelöhren des globalen Handels.

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Über die Straße von Hormus wurde vor der Krise ca. 1/5 des weltweiten Handels von Öl und Flüssiggas transportiert. Der Suezkanal ist eine der wichtigsten Handelsrouten zwischen Europa und Asien. Im Jahr 2023 wurden über ihn rund 12 bis 15 Prozent des weltweiten Handels abgewickelt. Im Jahr 2025 lag das Transportvolumen jedoch nur noch bei etwa 70 Prozent der durchschnittlichen Transitmenge des Jahres 2023. 

Die geopolitischen Spannungen der vergangenen Monate haben die Verwundbarkeit dieser Routen erneut deutlich gemacht. Angriffe auf Handelsschiffe und Durchfahrtsbeschränkungen führen zu Unterbrechungen von Lieferketten, steigenden Versicherungsprämien sowie höheren Transportkosten. 

Weiterführender Link: Portwatch

Mit PortWatch stellt der Internationale Währungsfonds (IWF) eine interaktive Plattform zur Verfügung, die Schiffsbewegungen, Hafenaktivitäten und maritime Handelsströme nahezu in Echtzeit visualisiert. Das Tool hilft dabei, die Auswirkungen geopolitischer Krisen, Naturereignisse oder anderer Störungen auf den globalen Seehandel nachzuvollziehen.

Auch die Meerenge Bab al-Mandab ist zunehmend ein Risikofaktor. Die Angriffe der Huthi-Miliz auf die internationale Schifffahrt in den Jahren 2023 und 2024 veranlassten zahlreiche Reedereien, ihre Schiffe über das Kap der Guten Hoffnung umzuleiten. Die Folge waren deutlich längere Transportzeiten – häufig um mehr als zehn Tage – sowie erhebliche Zusatzkosten für Logistik und Versicherung. 

Als eine der wichtigsten Seeverbindungen weltweit verknüpft die Meerenge Bab al-Mandab den Indischen Ozean über das Rote Meer und den Suezkanal mit dem Mittelmeer. 2025 schätzte das ifo Institut, dass knapp 10 Prozent der deutschen Importe über das Rote Meer und damit durch den Suezkanal und die Meerenge nach Deutschland kommen. 

Das Ausmaß der Auswirkungen auf internationale Lieferketten hängt dabei maßgeblich von Dauer und Intensität der sicherheitspolitischen Spannungen in der Region ab. 

Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt vor LNG-Knappheit aufgrund der hohen Abhängigkeit Europas von stabilen globalen Energiehandelsrouten. Dies verdeutlich die Notwendigkeit einer Diversifizierung von Gasimporten, eines beschleunigten Ausbaus von Speicherkapazitäten, erneuerbarer Energien sowie von Alternativrouten.  

Bestehende Alternativrouten gewinnen an Bedeutung 

Die jüngsten Entwicklungen verdeutlichen die strategische Bedeutung der Straße von Hormus für die Energieversorgung und den Welthandel. Da die Meerenge für viele Golfstaaten den wichtigsten Zugang zu internationalen Märkten darstellt, rücken alternative Export- und Transitrouten zunehmend in den Fokus. 

Durch die Sperrung der Straße von Hormus sind insbesondere die Seeanbindungen wichtiger Häfen in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Kuwait, Bahrain und dem Irak erheblich eingeschränkt. Dazu zählt auch der Hafen Jebel Ali in Dubai als bedeutender Umschlagplatz zwischen Europa, Asien und Afrika.  

Energieexporte über bestehende Pipelines 

Bereits heute existieren mehrere Infrastrukturverbindungen, die einen Teil der Energieexporte an der Meerenge vorbeiführen:

  • Saudi-arabische East-West-Pipeline zum Roten Meer (Kapazität: ca. 5–7 Mio. Barrel pro Tag) – Dammam–Yanbu
  • Habshan-Fudschaira-Pipeline der Vereinigten Arabischen Emirate zum Golf von Oman
  • Irak-Türkei-Pipeline zum Mittelmeerhafen Ceyhan

Diese Leitungen erhöhen die Flexibilität der Exporteure, können die Straße von Hormus jedoch nicht vollständig ersetzen. Während die drei Korridore zusammen eine theoretische Kapazität von rund 9 Millionen Barrel pro Tag bieten, wurden über die Straße von Hormus durchschnittlich rund 20 Millionen Barrel pro Tag transportiert.

Alternative Logistikrouten 

Neben Energieexporten rücken auch alternative Gütertransportkorridore stärker in den Fokus:

  • Nutzung der omanischen Tiefwasserhäfen Salalah, Duqm und Sohar als Ausweichstandorte
  • Ausbau der Hafen- und Logistikinfrastruktur an der Ostküste der VAE (Fujairah, Khor Fakkan, Dibba und Al Rughailat) zur direkten Anbindung an den Golf von Oman außerhalb der Straße von Hormus  
  • Alternative Route von der Türkei (Hafen Mersin) Richtung Golf über Irak oder Syrien
  • Landbrücken zwischen dem Arabischen Golf und dem Roten Meer (Jeddah)
  • Verbindungen von Saudi-Arabien über Ägypten nach Europa

Die zunehmenden Risiken entlang etablierter Handelsrouten haben die Staaten der Golfregion dazu veranlasst, verstärkt in alternative Transportwege und neue Infrastrukturprojekte zu investieren. Ziel ist es, die regionale Vernetzung auszubauen, die Resilienz von Lieferketten zu stärken und neue Handelskorridore zwischen der Golfregion, Europa und Asien zu schaffen. 

Investitionen in neue Infrastruktur und Logistik

Die Golfregion baut an alternativen Handelskorridoren 

Die Golfstaaten investieren verstärkt in Häfen, Bahnverbindungen, Energieinfrastruktur und Logistikzentren, um die regionale Vernetzung auszubauen und neue Handels- und Transportkorridore zwischen Europa, Asien, Afrika und der Golfregion zu schaffen.  

Laut der US-Großbank Goldman Sachs werden im Nahen Osten sieben Pipelinevorhaben gebaut, geplant oder auf eine mögliche Reaktivierung oder Erweiterung geprüft. Zusammen mit bestehenden Leitungen könnte die Kapazität zur Umgehung der Straße von Hormus bis Ende 2028 auf gut 14 Millionen Barrel Öl täglich steigen. Das entspräche mehr als 60 Prozent der gesamten Vorkriegs-Ölexporte der Förderländer am Persischen Golf. 

Insbesondere Saudi-Arabien treibt im Rahmen seiner wirtschaftlichen Diversifizierungsstrategie den Ausbau von Logistik- und Verkehrsinfrastruktur voran. Parallel dazu werden bestehende Energiekorridore erweitert und alternative Exportwege entwickelt. Dazu zählt insbesondere der Ausbau von Infrastruktur entlang der Ost-West-Pipeline, die Energietransporte vom Persischen Golf an das Rote Meer ermöglicht und damit zusätzliche Verschiffungsoptionen über den Suezkanal eröffnet. 

Die Vereinigten Arabischen Emirate erweitern zudem ihre Energieexportinfrastruktur außerhalb der Straße von Hormus. Neben der bestehenden Habshan-Fujairah-Pipeline wird derzeit eine weitere Rohölpipeline zwischen Abu Dhabi und Fujairah errichtet. Das bereits vor den jüngsten geopolitischen Spannungen initiierte Projekt soll nach derzeitiger Planung 2027 in Betrieb gehen und die Exportkapazitäten über den Golf von Oman deutlich erhöhen. 

Darüber hinaus verfolgen die Vereinigten Arabischen Emirate eine gezielte Strategie zur Reduzierung ihrer Abhängigkeit von der Straße von Hormus. Hierzu werden die Häfen an der Ostküste am Golf von Oman ausgebaut und besser mit den Wirtschaftszentren des Landes vernetzt. Im Juli 2026 vereinbarte DP World gemeinsam mit den Behörden des Emirats Fujairah die Entwicklung der Hafenprojekte Al Rughailat Container Port und Dibba Al Fujairah Port. Die Projekte sollen die Container- und Logistikkapazitäten außerhalb des Arabischen Golfs weiter erhöhen. 

Auch die Vernetzung innerhalb der Golfregion wird weiter ausgebaut. Mit der GCC Railway entsteht ein grenzüberschreitendes Schienennetz, das künftig alle sechs Mitgliedstaaten des Golfkooperationsrates (GCC) miteinander verbinden soll. Dadurch sollen Güter schneller und effizienter innerhalb der Region transportiert und gleichzeitig die Anbindung an internationale Transportkorridore verbessert werden. 

Über die Golfregion hinaus gewinnen neue Landverbindungen in Richtung Europa zunehmend an Bedeutung. Der irakische Infrastrukturkorridor Development Road soll den Tiefwasserhafen Al-Faw am Persischen Golf über Schienen- und Straßenverbindungen mit der Türkei verknüpfen und damit einen direkten Zugang zu europäischen Märkten schaffen. 

Daneben rücken weitere Korridore zwischen der Golfregion und Europa in den Fokus. Diskutiert werden Verbindungen über Jordanien, Ägypten und das Mittelmeer sowie neue Bahn- und Straßenachsen zwischen Saudi-Arabien, Jordanien, Syrien und der Türkei. In diesem Zusammenhang gewinnt auch die mögliche Reaktivierung von Abschnitten der historischen Hedschas-Bahn wieder an Aufmerksamkeit. Solche Projekte könnten den Güterverkehr zwischen der Arabischen Halbinsel und Europa stärken und zusätzliche Alternativen zu bestehenden Transportwegen schaffen. 

Die Erfahrungen der vergangenen Monate zeigen, dass sich alternative Handels- und Energiekorridore kurzfristig durch organisatorische Maßnahmen und die Nutzung bestehender Infrastruktur stärken lassen. Der langfristige Ausbau der Resilienz gegenüber geopolitischen Risiken erfordert jedoch erhebliche Investitionen in Häfen, Schienenverbindungen und Energiekorridore, deren volle Wirkung erst in den kommenden Jahren sichtbar werden wird. Für deutsche Unternehmen entstehen daraus sowohl zusätzliche Exportmöglichkeiten als auch neue Geschäftschancen in den Bereichen Infrastruktur, Logistik und industrielle Ausrüstung. 

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Ansprechpartnerin

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Elisabeth Strahl

Referatsleiterin Nah- und Mittelost, Nordafrika