Chips Act 2.0: Resilienz stärken, Unternehmen einbinden

Europa will seine Abhängigkeit von wenigen Halbleiterstandorten verringern. Die DIHK sieht hierfür im geplanten Chips Act 2.0 Chancen, mahnt aber zu praxistauglichen Regeln, besseren Standortbedingungen und klaren Grenzen für Eingriffe in Krisenzeiten.

Hintergrund

Nachdem die EU 2023 mit dem ursprünglichen Chip-Gesetz erstmals koordiniert auf kritische Schwachstellen in der globalen Halbleiter-Lieferkette reagiert hatte, soll der Chips Act 2.0 die europäische Halbleiterwirtschaft nun konkret weiterentwickeln und kritische Abhängigkeiten von wenigen Ländern verringern. Im Gesetzesvorschlag der EU-Kommission vorgesehen sind unter anderem Maßnahmen zur Förderung von Forschung und Innovation, zur Ankurbelung der Nachfrage und zur Unterstützung strategischer Projekte. Außerdem enthält der Entwurf Regeln für Monitoring und Krisenfälle, etwa zur Erhebung von Informationen und zu vorrangigen Aufträgen. 

In ihrer Stellungnahme vom 10. September 2026 spricht sich die DIHK für eine widerstandsfähigere und stärker vernetzte Halbleiterwirtschaft aus – und dafür, Unternehmen jeder Größe frühzeitig einzubeziehen. Neben der Chipproduktion gelte es auch weitere Teile des Mikroelektronik-Ökosystems in den Blick zu nehmen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach Auffassung der DIHK ist es wichtig, kritische Abhängigkeiten zu verringern, sie sieht Autarkie im globalisierten Halbleitersektor aber weder als realistisches noch als sinnvolles Ziel.
  • Forschung, Produktion und Markterfolg sollten enger zusammenwirken. Kleine und mittlere Unternehmen sowie Start-ups und Scale-ups brauchen dafür guten Zugang zu Fördermitteln und Pilotanlagen.
  • Staatliche Hilfen sollten gezielt, zeitlich begrenzt und an den tatsächlichen Marktbedingungen ausgerichtet sein.
  • Meldepflichten und Kriseninstrumente sollten verhältnismäßig bleiben und Geschäftsgeheimnisse schützen.

DIHK-Forderungen 

Im Einzelnen kommt es nach Auffassung der DIHK auf die folgenden Punkte an:

Standortbedingungen verbessern:

Öffentliche Mittel sollten vorrangig in eine verlässliche Energieversorgung, Fachkräfte, Flächen, Rohstoffe und moderne digitale sowie verkehrliche Infrastruktur fließen.

Unternehmen beteiligen: 

Industrie, kleine und mittlere Unternehmen sowie Fachleute aus Forschung und Technologie sollten Nachfrageinitiativen und strategische Programme frühzeitig mitgestalten.

Zugang zu Forschung und Förderung erleichtern: 

Kleine und mittlere Unternehmen sowie Start-ups sollten unkompliziert auf Pilotanlagen, Fertigungsplattformen und Finanzmittel zugreifen können. Berichts- und Dokumentationspflichten sollten dazu passen.

Beihilfen gezielt einsetzen: 

Förderungen sollten europäisch abgestimmt sein, sich an den Marktchancen orientieren und auf klar begründete Ausnahmefälle beschränkt bleiben. Dabei sollte die gesamte Halbleiterwertschöpfungskette berücksichtigt werden.

Genehmigungen vereinfachen und beschleunigen: 

Schnellere Verfahren sollten allen Industrieprojekten offenstehen, nicht nur anerkannten Halbleiterinitiativen und strategischen Vorhaben. Digitale Verfahren sollten bestehende Systeme einbinden und Nachweise wiederverwendbar machen.

Internationale Partnerschaften ermöglichen: 

Die Regeln für strategische Projekte sollten die Zusammenarbeit mit Unternehmen aus Partnerstaaten berücksichtigen und mit den Vorgaben der Welthandelsorganisation vereinbar sein.

Krisenregeln verhältnismäßig gestalten: 

Informationspflichten sollten auf das erforderliche Maß begrenzt, freiwillige Beteiligung klar erkennbar und vertrauliche Unternehmensdaten geschützt werden. Für vorrangige Aufträge brauche es klare Regeln zu Voraussetzungen und Haftung.

Gremien und Finanzierung klar ordnen: 

Die EU sollte bestehende und neue Gremien regelmäßig auf Überschneidungen prüfen. Für Forschung und Wettbewerbsfähigkeit brauche es im nächsten mehrjährigen Finanzrahmen eine verlässliche Finanzierung.

Häufig gestellte Fragen

Ist der Chips Act 2.0 auch für Betriebe außerhalb der Chipproduktion relevant? 

Der Vorschlag betrifft auch Unternehmen, die Halbleiter einsetzen oder Teil der Lieferkette sind. Dazu zählen etwa die Automobilindustrie, Rechenzentren, industrielle Automatisierung, Luftfahrt und Gesundheitswesen.

Was sind Nachfragebeschleuniger?

Die EU-Kommission möchte die Nachfrage und die Zusammenarbeit zwischen Anbietern und Anwendern von Halbleitern stärken. Die DIHK hält es für wichtig, dass Unternehmen und Forschungseinrichtungen an der konkreten Ausgestaltung entsprechender "Nachfragebeschleuniger" beteiligt sind.

Warum ist Versorgungssicherheit bei Chips so wichtig?

Halbleiter stecken in vielen Produkten und Infrastrukturen. Störungen in der Versorgung können deshalb weitreichende Folgen für Unternehmen und ganze Wertschöpfungsketten haben. Die DIHK setzt auf mehr Widerstandsfähigkeit und breitere internationale Partnerschaften – nicht auf vollständige Unabhängigkeit.

Welche Rolle spielen regionale Cluster?

Cluster können Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Behörden vernetzen. So lassen sich Wissenstransfer und Fachkräfteentwicklung unterstützen. Entscheidend ist aus Sicht der DIHK, an bestehende regionale Netzwerke anzuknüpfen und zusätzliche Strukturen mit erkennbarem Mehrwert zu schaffen.

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DIHK-Stellungnahme Chips Act 2.0
DIHK-Stellungnahme vom 10. September 2026 zum Entwurf eines Chips Act 2.0 der EU-Kommission
Informationen
Dateiformat: PDF (barrierefrei)
Dateigröße: 184 KB
Stand: Oktober 2026
Seitenumfang: 11 Seiten

Relevant im Themenfeld:
Schwerpunkte:
  • Digitalisierung
  • Industrie

Ansprechpartner

Petri, Thorben_quad

Thorben Petri

Referatsleiter Europäische Wirtschaftspolitik