Noch im Herbst 2026 will die EU-Kommission Exportzölle auf Aluminium- und Kupferschrott vorschlagen. Weitere Maßnahmen, etwa für Batterien, könnten folgen. Die DIHK sieht darin erhebliche Risiken für Lieferketten, Recyclingwirtschaft und den internationalen Handel. In einem Impulspapier macht sie deutlich, unter welchen Bedingungen Beschränkungen allenfalls vertretbar wären und wie eine zukunftsfähige europäische Rohstoffpolitik stattdessen aussehen sollte.
Das Wichtigste in Kürze
- Die EU-Kommission plant für Herbst 2026 einen Vorschlag für Exportzölle auf Aluminium- und Kupferschrott; weitere Stoffströme könnten hinzukommen.
- Der Großteil der deutschen Wirtschaft lehnt Exportbeschränkungen grundsätzlich ab, weil sie Gegenmaßnahmen provozieren und Lieferketten gefährden.
- Exportbeschränkungen für Schrottmaterialien können die Rentabilität der Kreislaufwirtschaft untergraben, weil sie zu Überangebot und Preisverfall im Binnenmarkt führen.
- Sofern Beschränkungen ausnahmsweise notwendig sind, sollten zeitlich befristete Zölle oder Quoten den Vorzug gegenüber starren Exportverboten erhalten.
- Die künstliche Abschottung von Märkten ist keine nachhaltige Lösung. Vielmehr gilt es, Europa als attraktiven Standort für Recycling und Sekundärrohstoffverarbeitung zu entwickeln.
Hintergrund
Kritische Rohstoffe werden knapper. Sie mit Exportbeschränkungen zu belegen, erscheint immer mehr Staaten als gute Idee: Die Zahl entsprechender Maßnahmen hat sich nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) seit 2009 verfünffacht. Zwischen 2022 und 2024 unterlagen rund 70 Prozent der weltweiten Exporte von Kobalt und Mangan mindestens einer Ausfuhrbeschränkung. Neben China und Indien setzen zunehmend auch Schwellenländer wie Argentinien, Vietnam und Burundi solche Maßnahmen ein; im August 2026 haben auch die USA Exportbeschränkungen für Batterie- und andere Schrotte erlassen.
Die EU hat sich in den vergangenen Jahren vom Netto-Importeur zum Exporteur von Metallschrotten entwickelt, was in Brüssel die Debatte über eigene Beschränkungen befeuert. Ziel ist es, Recyclingkapazitäten aufzubauen, die Kreislaufwirtschaft zu stärken und die Rohstoffversorgung der europäischen Industrie zu sichern. Die deutsche Wirtschaft ist von Exportbeschränkungen doppelt betroffen: als Importeur kritischer Rohstoffe aus Drittstaaten und potenziell als Exporteur von Sekundärrohstoffen in Drittmärkte.
DIHK-Impulse für eine Rohstoffsicherung ohne Verbote
FAQ
Warum lehnt die Wirtschaft Exportbeschränkungen für Schrott grundsätzlich ab?
Exportbeschränkungen klingen nach einer einfachen Lösung, um Sekundärrohstoffe im Land zu halten. In der Praxis führen sie jedoch häufig dazu, dass Handelspartner mit Gegenzöllen oder eigenen Ausfuhrsperren reagieren. Das trifft die deutsche Wirtschaft doppelt: als Importeur kritischer Rohstoffe wie Kobalt oder seltener Erden und als Exporteur von Halb- und Fertigwaren. Zudem braucht eine funktionierende Kreislaufwirtschaft internationale Absatzmärkte für Sekundärrohstoffe.
Was plant die EU-Kommission konkret?
Die EU-Kommission will voraussichtlich im Herbst 2026 Exportzölle auf Aluminium- und Kupferschrott vorschlagen. Hintergrund ist, dass sich die EU in den vergangenen Jahren vom Netto-Importeur zum Netto-Exporteur von Metallschrotten entwickelt hat. Ob und wann ähnliche Maßnahmen für weitere Abfallströme, etwa aus dem Batterierecycling, folgen, ist noch offen.
Unter welchen Bedingungen wären Exportbeschränkungen aus DIHK-Sicht akzeptabel?
Die DIHK erkennt an, dass ein kleiner Teil der Wirtschaft gezielte Maßnahmen in engen Ausnahmefällen für vertretbar hält: wenn strukturelle Marktverzerrungen vorliegen, strategisch wichtige Stoffströme in erheblichem Umfang abfließen und dadurch europäische Wertschöpfungsketten ernsthaft gefährdet werden. In solchen Fällen sind zeitlich befristete Zölle oder Quoten starren Verboten vorzuziehen. Zwingend erforderlich sind eine Folgenabschätzung, die Einbindung betroffener Unternehmen und regelmäßige Überprüfungsklauseln.
Was bedeuten die EU-Pläne für mittelständische Recyclingunternehmen?
Für mittelständische Recycler kann ein Exportverbot besonders problematisch werden, wenn in Europa kurzfristig keine ausreichenden Abnehmer oder Verarbeitungskapazitäten für die betroffenen Materialien vorhanden sind. Schrott, der nicht exportiert werden darf und nicht verwertet werden kann, müsste zwischengelagert werden. Das bindet Kapital und gefährdet die Wirtschaftlichkeit ganzer Recyclingketten.
Was schlägt die DIHK anstelle von Exportbeschränkungen vor?
Die DIHK setzt auf positive Anreize: schnellere Genehmigungsverfahren für Recyclinganlagen, den Abbau bürokratischer Hürden bei der Einstufung von Sekundärrohstoffen, mehr Forschungsförderung entlang der Wertschöpfungskette sowie den konsequenten Einsatz von Handelsabkommen, um diskriminierenden Exportbeschränkungen in Drittstaaten entgegenzuwirken. Europa soll als Recyclingstandort attraktiv werden, nicht durch Abschottung, sondern durch bessere Rahmenbedingungen.
Download
- Publikation
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Umgang mit Exportbeschränkungen für metallische Abfälle und Schrottmaterialien
DIHK-Impulspapier von September 2026 - Zusammenfassung
- Exportbeschränkungen sind aus Sicht der deutschen Unternehmen grundsätzlich kein nachhaltiges Instrument zur Sicherung von Rohstoffversorgung. In einem Impulspapier unterbreitet die DIHK alternative Vorschläge.
- Informationen
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Dateiformat: PDF (barrierefrei)
Dateigröße: 2 MB
Stand: September 2026
Seitenumfang: 8 Seiten
- Relevant im Themenfeld:
- Internationaler Handel
- Schwerpunkte:
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- Zoll
- Bürokratie
Veröffentlicht 22.09.2026
Ansprechpartner
Klemens Kober
Referatsleiter Handelspolitik, transatlantische Beziehungen und EU-Zollfragen