Die Stimmung in der Wirtschaft hellt sich leicht auf, doch die Aussichten auf das kommende Jahr bleiben verhalten. Das zeigt die Konjunkturumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) im Herbst 2026, die die Stimmungslage von rund 23.000 Unternehmen aus allen Branchen und Regionen abbildet.
26 Prozent der Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut und damit drei Prozentpunkte mehr als im Frühsommer. Fast genauso viele, nämlich 23 Prozent, bewerten sie als schlecht. Besonders im Handel bleibt die Lage düster. Im Aufwind ist dagegen die Elektrotechnik, wo angesichts des anhaltenden KI-Booms mehr als ein Drittel der Betriebe gute Geschäfte meldet.
Mit Blick auf die kommenden zwölf Monate bleibt die Gesamtwirtschaft skeptisch. Die Geschäftserwartungen liegen trotz der Aufhellung deutlich im negativen Bereich. Nur 15 Prozent der Betriebe rechnen mit besseren Geschäften, vor allem in der Elektrotechnik, der Verteidigungsindustrie sowie der Versicherungs- und Kreditwirtschaft. Fast doppelt so viele erwarten dagegen eine Verschlechterung. Nach dem Einbruch der Erwartungen zu Beginn des Iran-Krieges kehren die Werte damit auf das bescheidene Vorjahresniveau zurück.
Für Optimismus sei es trotz der leicht besseren Werte zu früh, erklärt DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov: "Die Konjunktur gönnt uns eine Atempause, mehr aber auch nicht. Was wir derzeit sehen, ist ein Aufschwung auf Pump. Der Staat gibt Geld für Infrastruktur und Verteidigung aus, dazu etwas Rückenwind beim Export. Von selbsttragendem Wachstum sind wir weit entfernt."
Der DIHK-Stimmungsindex, der Mittelwert aus der Beurteilung von Lage und Erwartungen, erholt sich etwas und steigt von zuletzt 88,1 Punkten auf 94,7 Punkte. Damit liegt er weiter im pessimistischen Bereich. Die DIHK erhöht ihre Wachstumsprognose für 2026 von 0,3 Prozent auf ein Prozent. Auch für 2027 rechnet die DIHK mit einem Plus von einem Prozent.
Exporterwartungen verbessern sich, strukturelle Probleme im Inland bleiben
"Dieses Wachstum ist mit Steuergeld und neuen Staatsschulden erkauft. Staatshilfen dürfen nicht über die tiefen strukturellen Probleme des Standorts Deutschland hinwegtäuschen", sagt Melnikov. "Wer wieder nachhaltiges Wachstum will, muss die Bremsen für Investitionen und Innovationen lösen."
Die von den Betrieben genannten Geschäftsrisiken bleiben seit mehreren Umfragen nahezu unverändert. Angesichts der durch den Iran-Krieg gestiegenen Benzin-, Öl- und Gaspreise nennen 67 Prozent der Unternehmen Energie- und Rohstoffpreise als größtes Geschäftsrisiko. Daneben belasten sie vor allem die hausgemachten strukturellen Probleme, insbesondere die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (58 Prozent) und die hohen Arbeitskosten (56 Prozent) sind laut einer Mehrheit der Betriebe große Problemfelder. Diese Werte bewegen sich bereits seit drei Jahren auf diesem hohen Niveau.
Einzig die Auslandsnachfrage bewerten die exportorientierten Industrieunternehmen derzeit etwas besser. Nur noch 38 Prozent sehen den internationalen Absatz als großes Geschäftsrisiko, nach 45 Prozent im Frühsommer 2026. Auch die Exporterwartungen der Industrie, die im Frühjahr mit dem Beginn des Iran-Krieges einen herben Dämpfer erhalten hatten, erholen sich. Sie zeigen sich so aufgehellt, wie seit Beginn des Ukraine-Krieges nicht mehr. Dennoch liegt der Erwartungswert für die Ausfuhren der nächsten zwölf Monate weiter deutlich unter seinem langjährigen Durchschnitt.
Investitionen und Beschäftigung bleiben im Keller
Bei Investitionen bleiben die Unternehmen trotz der besseren Geschäftslage und Exportaussichten sehr zurückhaltend. Nicht einmal jedes vierte Unternehmen will seine Investitionen steigern, fast ein Drittel muss sie reduzieren. Wenn Betriebe investieren, fließen die Budgets vor allem in den Ersatz von Maschinen und Anlagen statt in Produktinnovationen oder zusätzliche Kapazitäten. Nur jeder fünfte Industriebetrieb plant Kapazitätserweiterungen und damit nur halb so viele wie noch im Jahr 2018.
Auch die Beschäftigungsabsichten verharren auf niedrigem Niveau. Nur rund jedes zehnte Unternehmen will neue Jobs schaffen, jedes vierte muss Stellen abbauen. Im Vergleich zum Frühsommer gibt es kaum Bewegung. Das zeigt sich auch beim Fachkräftemangel. Stellte die Suche nach geeignetem Fachpersonal vor wenigen Jahren noch für mehr als die Hälfte der Betriebe ein wesentliches Risiko dar, sorgt sich darum heute nur noch gut jedes dritte Unternehmen.
"Solange private Unternehmen nicht wieder mehr investieren, entstehen weder mehr Wachstum noch neue Arbeitsplätze", sagt Melnikov. Die Anlageinvestitionen der Unternehmen liegen noch immer rund zehn Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau. Notwendig seien wettbewerbsfähige Energiepreise, geringere Arbeitskosten, schnellere Genehmigungsverfahren und vor allem weniger Bürokratie, damit die Unternehmen wieder mehr Zeit und Ressourcen für ihr eigentliches Geschäft haben.
"Die zarte wirtschaftliche Erholung, die wir aktuell erleben, darf kein Zwischenhoch bleiben. Die Bundesregierung steht am Scheideweg. Sie kann weitermachen mit Klein-klein oder sie kann die Chance nutzen, um aus der Erholung einen echten Aufbruch zu machen. Dazu gehört ein klares Bild davon, wohin dieses Land wirtschaftlich will, und der Mut, heute die ersten Schritte dorthin zu gehen. Der leichte Rückenwind kann die Starthilfe für beherzte Reformen und nachhaltiges Wachstum sein", sagt Melnikov. Die etlichen, vielversprechenden Reformpläne der Bundesregierung von den Sozialreformen bis zum Bürokratieabbau müssen jetzt endlich umgesetzt werden. "Gerade weil wir auf die Weltlage kaum Einfluss haben, müssen wir unsere Hausaufgaben selbst machen. Wir stärken die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen, wenn wir heute die Bedingungen für Produktion, Investitionen und neue Technologien am Standort Deutschland schaffen und einen Plan für die Wirtschaft von morgen verfolgen."
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Die Umfrageergebnisse sind hier im PDF-Format abrufbar:
- Publikation
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DIHK-Konjunkturumfrage Herbst 2026
- Zusammenfassung
- Grundlage der DIHK-Ergebnisse vom Herbst 2026 sind Befragungen der Unternehmen durch insgesamt 79 IHKs zwischen dem 7. September und dem 2. Oktober 2026. Insgesamt werteten die IHKs 23.500 Antworten aus. Nach Wirtschaftszweigen verteilen sich die Antworten auf die Industrie (25 Prozent), die Bauwirtschaft (7 Prozent), den Handel (21 Prozent) und die Dienstleister (47 Prozent).
- Informationen
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Dateiformat: PDF (barrierefrei)
Dateigröße: 8 MB
Stand: November 2026
Seitenumfang: 32 Seiten
- Relevant im Themenfeld:
- Wirtschafts- und Finanzpolitik
- Schwerpunkte:
-
- Konjunktur
Veröffentlicht 05.11.2026
Pressekontakt
Julia Löffelholz
Pressesprecherin