Investitionsgipfel

Treier: Investiert wird, wo die Bedingungen überzeugen

Die millionenschwere KI-Kooperation mit dem US-Chiphersteller Nvidia stand im Mittelpunkt des medialen Interesses zum "Invest in Germany Summit" in Berlin. Aus Sicht der DIHK muss Investitionsförderung jedoch auch bei den betrieblichen Alltagsbedingungen ansetzen.

Volker Treier am Geländer

Volker Treier


Um Unternehmern aus dem In- und Ausland den "roten Teppich auszurollen", hatte die Bundesregierung am 19. und 20. Oktober zum Investitionsgipfel in die Bundeshauptstadt geladen. Ein nach Einschätzung von DIHK-Chefanalyst Volker Treier sinnvoller Schritt, der allein die Investitionsschwäche hierzulande aber nicht heilen kann. Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa erläuterte Treier, welche Rolle entsprechende Formate spielen können, warum Investitionen jetzt so wichtig sind und was passieren muss, damit Deutschland wieder ein attraktiver Wirtschaftsstandort wird, der frisches Geld anlockt. 

Welche Bedeutung hat der Investitionsgipfel?

Der Investitionsgipfel ist ein wichtiges Signal: Deutschland wirbt aktiv um internationales Kapital und bringt Politik, Unternehmen und Investoren an einen Tisch. Entscheidend ist aber, dass aus dem Format konkrete und zusätzliche Investitionen werden. Ein Gipfel kann Vertrauen anstoßen, aber investiert wird dort, wo die Bedingungen im betrieblichen Alltag überzeugen. Dafür muss die Bundesregierung die Standortbedingungen dauerhaft verbessern. 

Warum sind Investitionen in Deutschland so wichtig? 

Investitionen sind die Voraussetzung dafür, dass Deutschland auch künftig wettbewerbsfähig und handlungsfähig bleibt. Vor uns stehen immense Herausforderungen: der demografische Wandel, Digitalisierung und künstliche Intelligenz, die Modernisierung unserer Verkehrs- und Energieinfrastruktur oder auch die Stärkung der Resilienz und Sicherheit unserer Wirtschaft. All das erfordert Investitionen nicht nur in Maschinen und Anlagen, sondern auch in Technologien und Innovationsfähigkeit. Wer heute nicht investiert, wird morgen abgehängt und riskiert Wohlstand und wirtschaftliche Unabhängigkeit.

Wie ist der Stand der Investitionen, inwiefern halten sich Investoren zurück?

Die Investitionstätigkeit in Deutschland bleibt deutlich zu schwach. Im ersten Halbjahr 2026 lagen die privaten Investitionen noch immer rund elf Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau. Auch die Ergebnisse der DIHK-Konjunkturumfragen zeigen, dass sich viele Unternehmen mit Investitionen zurückhalten. Unsichere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, steigende Kosten und hohe bürokratische Belastungen verringern die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Investitionen brauchen vor allem Vertrauen. 

Die Unternehmen benötigen deshalb mehr Planbarkeit und Verlässlichkeit in der Wirtschaftspolitik: klare Prioritäten, stabile Rahmenbedingungen und Reformen, die spürbar im betrieblichen Alltag ankommen. Erst wenn die Unternehmen wieder damit rechnen können, dass sich Investitionen hierzulande langfristig lohnen, werden sie ihre Zurückhaltung aufgeben.

Wie könnte Deutschland mehr Investoren anlocken, in welchen Bereichen vor allem sind Investitionen willkommen? 

Deutschland kann mehr Investoren anlocken, wenn es seine Standortvorteile attraktiv gestaltet. Dazu gehören schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren, weniger Bürokratie, niedrigere Energie- und Arbeitskosten, eine moderne Infrastruktur sowie ein international konkurrenzfähiges Steuer- und Regulierungssystem. Investitionen sind grundsätzlich in der gesamten Breite der Wirtschaft willkommen. Vielversprechend sind sie dort, wo sie Wachstum, Produktivität und technologische Souveränität stärken: in Digitalisierung, Zukunftstechnologien wie künstliche Intelligenz oder Halbleiter, in Energie- und Datennetzen, in moderner Verkehrsinfrastruktur, in klimafreundlichen Technologien, in Forschung und Entwicklung sowie in sicherheitsrelevanten und strategischen Industrien. Entscheidend ist, dass der Staat nicht einzelne Geschäftsmodelle vorgibt, sondern verlässliche Bedingungen schafft, unter denen sich private Investitionen am Standort Deutschland wieder lohnen.

Inwiefern investieren deutsche Unternehmen zunehmend im Ausland?

Deutsche Unternehmen investieren zunehmend im Ausland, weil die Standortbedingungen dort attraktiver sind. Laut DIHK-Konjunkturumfrage zu Jahresbeginn nennen 41 Prozent der auslandsinvestierenden Industrieunternehmen Kostenersparnis als Hauptmotiv – der höchste Wert seit 2003. Zugleich erwägen laut DIHK-Energiewendebarometer rund 40 Prozent der Industriebetriebe wegen hoher Energiekosten, ihre Produktion in Deutschland einzuschränken oder ins Ausland zu verlagern. Das ist ein Auftrag für den Standort Deutschland, die Kostenbelastung zu reduzieren.

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Sven Ehling

Pressesprecher | Visuelle Kommunikation