Volker Treier sitzend gestikulierend 2022

Turnberry Deal als Atempause für "wirkliche Abkommen" mit den USA nutzen

Vor einem Jahr einigten sich die EU und die USA auf den "Turnberry Deal". Im Juli trat das Zollabkommen in Kraft. Was es für die deutsche Wirtschaft bedeutet, erläuterte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier jetzt im Deutschlandfunk.

Das EU-US-Zollabkommen besagt im Kern, dass die Europäische Union die Einfuhrzölle für sämtliche amerikanischen Industriegüter komplett abschafft, während die USA auf die meisten EU-Einfuhren 15 Prozent erheben, darunter auch Autos und Autoteile. Für die Einfuhr von europäischem Stahl und Aluminium in die USA werden 50 Prozent fällig, für Stahlderivate im laufenden Jahr noch 25 Prozent.

Der Turnberry Deal verschaffe der deutschen Wirtschaft bis Ende 2029 zunächst eine "gewisse Periode von Planungssicherheit", sagte Treier im Deutschlandfunk-Interview. Diese Atempause müsse "man nutzen, um wirkliche Verhandlungen und wirkliche Freihandelsabkommen mit den USA abzuschließen". Das Abkommen bedeute "jetzt erstmal eine gewisse Erleichterung – keine Eskalation der Zollstreitigkeit mit den USA, aber auch nicht mehr". Der Deal sei asymmetrisch, räumte er ein. "Aber mit dieser US-Administration war nichts anderes möglich für den Moment." Deshalb sei es besser als die Alternative: eine weitere ungezügelte Eskalation von Zollsätzen.

Impuls für mehr Diversifizierung

Der DIHK-Außenwirtschaftschef kann der Situation auch Positives abgewinnen: "Donald Trump regt uns an, wirklich zu diversifizieren", stellte er fest. Ohne den US-Präsidenten wäre es nicht zu den aktuell ausverhandelten Freihandelsabkommen mit Indien, mit Indonesien oder mit Australien gekommen. Und die seien "ein richtiger Weg, das hätten wir auch so tun sollen, aber Europa und auch Deutschland haben hier lange Zeit viel zu zögerlich agiert". Als gute Idee lobte Treier auch die vom kanadischen Premier in Davos aufgerufene "Allianz der Mittelmächte".

Denn die Situation sei schwierig. Gerade vor dem Hintergrund geopolitischer Rivalitäten sei es wichtig, an der eigenen Wettbewerbsfähigkeit zu arbeiten. "Die Bundesregierung hat mit dem Reformpaket da vorgelegt." Die EU unterstütze mit Bürokratieabbau und – mindestens ebenso wichtig – über neue Abkommen mit anderen Ländern. "Diesen Weg müssen wir jetzt konsequent weiter beschreiten", mahnte der DIHK-Außenwirtschaftschef.

Schließlich sei die deutsche Wirtschaft im internationalen Handel exponiert. "Die USA sind unser wichtigster Absatzmarkt", sagte Treier. "Natürlich sind wir besonders betroffen davon, dass die aktuelle US-Regierung diese Zollspirale da vorantreibt. Mit dem Deal haben wir eine Verschnaufpause." Doch auch die Exporte nach China und die Ausfuhren insgesamt seien rückläufig, erinnerte er. Deshalb suchten sich deutsche Unternehmen andere Absatzmärkte innerhalb Europas, aber auch außerhalb. Abkommen wie mit den Mercosur-Staaten Lateinamerikas könnten ein wenig kompensieren, machten aber "noch lange kein insgesamt gutes Geschäft".

Exportüberschuss heißt Kapitalexport

Die Kritik der USA am deutschen Exportüberschuss müsse immer wieder widerlegt werden: "Ein Exportüberschuss ist ja auch ein Kapitalexport", erklärte der DIHK-Außenwirtschaftschef. "Unglaublich viele deutsche Unternehmen investieren in den Vereinigten Staaten und bauen da Jobs auf. Deshalb sollten wir uns auf diese Debatten gar nicht einlassen."

Grundsätzlich bleibe es aber dabei: "Wir müssen mit anderen Partnern weltweit versuchen, stärker in Verbindung zu treten", so Treiers Resümee. "Es vergeht kein Tag, in dem nicht bei uns ins Haus der Deutschen Wirtschaft Delegationen von vielen Ländern kommen und sagen, bringt uns doch Investitionen eurer Mittelständler in unser Land. Mit denen brauchen wir belastbare Beziehungen, und das sind die Freihandelsabkommen."

Das komplette Interview vom 22. Juli 2026 gibt es zum Nachhören auf der Website des Deutschlandfunk.

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Julia Fellinger

Pressesprecherin