Neuer Inhalt (3)

Unternehmertum stärken: Mehr Gründungen und erfolgreiche Nachfolgen für einen starken Mittelstand

Die Zukunft des Mittelstands hängt entscheidend davon ab, ob ausreichend Menschen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen und ob bestehende Unternehmen erfolgreich an die nächste Generation übergeben werden können. Aktuelle Zahlen aus den Industrie- und Handelskammern zeigen, dass sowohl bei Unternehmensgründungen als auch bei Unternehmensnachfolgen erheblicher Handlungsbedarf besteht.

Gründungsinteresse steigt, Motive geben Anlass zur Sorge

Die IHKs führten im Jahr 2025 rund 171.000 Einstiegsgespräche und Gründungsberatungen durch – ein Plus binnen Jahresfrist von 14 Prozent. Gleichzeitig zeigt sich jedoch eine bedenkliche Entwicklung: 36 Prozent der Gründungsinteressierten wollen vor allem deshalb gründen, weil ihnen attraktive Erwerbsalternativen fehlen. Dieser Wert liegt so hoch wie seit elf Jahren nicht mehr (DIHK-Report Unternehmensgründung).

Die Zahlen verdeutlichen, dass Gründungen nicht nur aus Innovations- und Wachstumsmotiven erfolgen, sondern zunehmend auch als Alternative zu fehlenden Beschäftigungsmöglichkeiten gesehen werden. Für den Wirtschaftsstandort Deutschland bleibt es daher eine zentrale Aufgabe, die Rahmenbedingungen für unternehmerisches Handeln nachhaltig zu verbessern.

Unternehmensnachfolge wird zur wachsenden Herausforderung

Auch bei der Unternehmensnachfolge steigt der Handlungsdruck weiter. Nach Auswertungen der IHKs standen im vergangenen Jahr rund 5.600 übergabebereiten Unternehmen kein geeigneter Nachfolgeinteressent gegenüber. Dieser Wert erreicht einen historischen Höchststand (DIHK-Report Unternehmensnachfolge).

Die fehlende Nachfolge betrifft häufig auch wirtschaftlich gesunde Betriebe. Gelingt die Übergabe nicht, drohen Unternehmensschließungen, der Verlust von Arbeitsplätzen und der Wegfall wertvoller unternehmerischer Erfahrung. Unternehmensnachfolge entwickelt sich damit zunehmend zu einer der zentralen wirtschaftspolitischen Herausforderungen.

Hinzu kommt, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen zuletzt den höchsten Stand eines ersten Halbjahres seit 13 Jahren erreicht hat. Dies verschärft die Herausforderungen für die Stabilität und Erneuerungsfähigkeit des Mittelstands zusätzlich (DIHK zu den Unternehmensinsolvenzen).

Politische Debatten müssen Unternehmertum stärken

Vor diesem Hintergrund sollten aktuelle wirtschafts- und steuerpolitische Diskussionen daran gemessen werden, ob sie Unternehmertum attraktiver machen oder zusätzliche Belastungen schaffen. Drei aktuelle Handlungsfelder machen dies ganz deutlich:

Bürokratieabbau voranbringen

Drei Viertel aller Gründenden sehen Bürokratie als größtes Hemmnis auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Gleichzeitig verursacht Bürokratie nach aktuellen Schätzungen inzwischen jährlich rund 146 Milliarden Euro wirtschaftliche Kosten.

Die Politik hat den Handlungsbedarf erkannt. Nun kommt es darauf an, dass Unternehmensgründungen tatsächlich schneller, digitaler und unkomplizierter möglich werden. Gerade bei Genehmigungen, Meldepflichten und Verwaltungsverfahren bestehen weiterhin erhebliche Vereinfachungspotenziale.

Ein wichtiger Ansatz ist die angekündigte Beweislastumkehr. Künftig sollte nicht mehr das Unternehmen begründen müssen, warum eine Pflicht entfallen kann, sondern der Staat, warum sie überhaupt notwendig ist. Das wäre ein echter Paradigmenwechsel hin zu mehr Vertrauen und weniger Misstrauen gegenüber Unternehmerinnen und Unternehmern. Entscheidend wird sein, dass daraus spürbare Entlastungen im betrieblichen Alltag entstehen.

Belastungen durch die Einkommensteuer im Blick behalten

Rund 70 Prozent aller Unternehmen in Deutschland sind Einzelunternehmen oder Personengesellschaften und unterliegen damit grundsätzlich der Einkommensteuer. Änderungen am Einkommensteuertarif wirken sich deshalb unmittelbar auf viele Selbstständige und Familienunternehmen aus.

Für diese Unternehmen ist die steuerliche Belastung eng mit ihrer Fähigkeit verknüpft, Investitionen zu finanzieren, Innovationen voranzutreiben und Arbeitsplätze zu schaffen. Gerade Unternehmensgründer und Unternehmensnachfolger finanzieren Investitionen häufig aus Gewinnen, die im Unternehmen verbleiben. Wer mehr Investitionen will, sollte diejenigen nicht stärker belasten, die investieren sollen.

Bedeutung der Erbschaftsteuer für Familienunternehmen

Auch die anstehende Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur erbschaftsteuerlichen Behandlung von Betriebsvermögen wird von vielen Unternehmen aufmerksam verfolgt. Für Familienunternehmen steht dabei die Frage im Mittelpunkt, ob Unternehmensvermögen weiterhin generationenübergreifend erhalten und fortgeführt werden kann. Familienunternehmen machen nach Angaben des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn rund 90 Prozent aller Unternehmen in Deutschland aus – allein schon diese Zahl verdeutlicht, dass weite Teile der deutschen Wirtschaft betroffen sind.

Die Verschonungsregelungen für Betriebsvermögen tragen dazu bei, die notwendige Liquidität im Unternehmen zu halten und diese für Investitionen, Wachstum und Beschäftigung einzusetzen, anstatt sie für Steuerzahlungen aufbringen zu müssen.

Fazit

Deutschland braucht mehr Gründerinnen und Gründer, mehr erfolgreiche Unternehmensnachfolgen und Rahmenbedingungen, die unternehmerischen Mut unterstützen. Die Zukunft des Mittelstands entscheidet sich nicht zuletzt daran, ob Unternehmertum attraktiv bleibt und neue unternehmerische Perspektiven entstehen können. Daran sollte die Wirtschaftspolitik ihr Handeln messen.

Schwerpunkte:
  • Mittelstand

Ansprechpartner

Evers, Marc_quad

Dr. Marc Evers

Referatsleiter Mittelstand, Existenzgründung, Unternehmensnachfolge