Anja Schwarz

"Damit kommt neues Wissen ins Haus"

Ob KI, Nachhaltigkeit oder neue Fertigungstechnologien: Zusatzqualifikationen ermöglichen es Betrieben und Auszubildenden, auf neue Anforderungen flexibel zu reagieren. Anja Schwarz von der DIHK erläutert im Interview, wie sie die duale Ausbildung ergänzen und welche Chancen sie Unternehmen und jungen Menschen eröffnen.

Anja Schwarz ist Leiterin des Referats Metall- und Elektroberufe, Forschungs- und Strukturfragen bei der DIHK. Im Jahr 2018 war sie unter anderem beteiligt an der Entwicklung der kodifizierten Zusatzqualifikation für die Metall- und Elektroberufe.

Frau Schwarz, warum ist das Angebot von Zusatzqualifikationen so wichtig, vor allem mit Blick auf unsere dynamische Arbeitswelt?

Zusatzqualifikationen (ZQs) erweitern gezielt Kompetenzprofile von Azubis. Die Palette reicht von sogenannten Soft Skills, zum Beispiel in der Kommunikation, über digitale Fähigkeiten und Fremdsprachen bis hin zu konkreten berufsspezifischen Fachkompetenzen. Außerdem können sie eine Brücke sein, um neue Entwicklungen schrittweise und flexibel in die betriebliche Ausbildungspraxis zu integrieren. So geraten Unternehmen nicht unter Druck, dies bereits als Mindeststandard verpflichtend tun zu müssen, insbesondere wenn beispielsweise der Einsatz von KI bei ihnen noch keine Rolle spielt. Zusatzqualifikationen können für Unternehmen auch ein Impuls sein, um sich verstärkt mit Zukunftsthemen auseinanderzusetzen. 

Wie können Unternehmen damit im Wettbewerb um Auszubildende punkten? 

Unternehmen sollten damit werben, in ihrer Ausbildung auch Zusatzqualifikationen anzubieten. Das kann ihnen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen und sie als Arbeitgeber attraktiver machen. Doch dieses Angebot ist sicher nur ein Baustein im Wettbewerb um Azubis. Denn nicht alle Schulabgänger fühlen sich sofort davon angesprochen, noch zusätzliche Qualifizierungen erwerben zu können. Solche Entscheidungen fallen deshalb auch oft erst im Laufe der Ausbildung. 

Können auch kleinere Betriebe von Zusatzqualifikationen profitieren? 

Das Angebot von Zusatzqualifikationen ist keineswegs von der Größe eines Unternehmens abhängig. Natürlich müssen dafür Kapazitäten zur Verfügung stehen. Doch für die Durchführung von ZQs bieten auch Bildungsdienstleister Unterstützung an. Kleinere Betriebe können von ihnen profitieren, indem sie sich neues Wissen ins Haus holen. Ein Beispiel dafür ist die Zusatzqualifikation "Additive Fertigungsverfahren" bei metalltechnischen Berufen: Die Auszubildenden erwerben Kompetenzen im Bereich 3-D-Druck und können diese dann im Unternehmen weitergeben. 

Welcher Mehrwert bietet sich dadurch für die Auszubildenden? 

Durch ihren Erwerb können sich Auszubildende fachlich wie auch persönlich weiterentwickeln. Mit dem offiziellen IHK-Zertifikat weisen sie über die Ausbildung hinausreichende Qualifikationen nach und heben sich auf diese Weise von anderen Azubis ab. Mit einer Zusatzqualifikation haben sie außerdem bereits den ersten Schritt auf dem Weg ihrer beruflichen Fortbildung getan. 

Wie erfahren Unternehmen davon, welche Zusatzqualifikationen es in ihrer Region gibt? 

Da Zusatzqualifikationen bundesweit oder regional geregelt sein können, empfehle ich natürlich den Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen der IHKs vor Ort. Die Webseiten der regionalen IHKs bieten viele Informationen zu ihren jeweiligen Angeboten. Bei offenen Fragen lässt sich das weitere Vorgehen am besten im Gespräch abstimmen.

Zusatzqualifikationen: Auswahl und Umsetzung

IHK-Berufsbildungsmagazin POSITION

Dieser Beitrag ist in Ausgabe IV/2026 des IHK-Berufsbildungsmagazins POSITION erschienen.

Das Magazin richtet sich vor allem an Ausbildende, Prüferinnen und Prüfer sowie Personalverantwortliche in den IHK-Mitgliedsunternehmen.

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Schwerpunkte:
  • Position - Magazin für Ausbilder
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  • Ausbildung

Autorin

Sabine Biskup

Sabine Biskup

Redakteurin bei der UNIVERSUM Verlag GmbH