Abhängigkeiten von China verringern: DIHK setzt auf Diversifizierung statt auf neue Auflagen

Neue Empfehlungen aus der IHK-Organisation: China ist mit Importen von rund 171 Milliarden Euro Deutschlands wichtigstes Lieferland – Unternehmen fordern bessere Bedingungen für widerstandsfähige Lieferketten

Die deutsche Wirtschaft will ihre Abhängigkeiten von China verringern, warnt dabei aber vor zusätzlicher Bürokratie und staatlichen Eingriffen. In einem neuen Impulspapier für den Umgang mit China-Risiken legt die DIHK Empfehlungen aus der IHK-Organisation vor. Die Erfahrungen der IHK-Mitgliedsunternehmen zeigen: Die Betriebe brauchen bessere Bedingungen, um neue Lieferanten und Märkte zu erschließen – keine zusätzlichen Berichtspflichten und Investitionskontrollen.  

Wie groß die Herausforderung ist, zeigen die Handelszahlen: 2025 importierte Deutschland Waren im Wert von rund 171 Milliarden Euro aus China. Damit bleibt China mit Abstand Deutschlands wichtigstes Lieferland, noch vor den USA mit nicht einmal 100 Milliarden Euro Warenwert. Gerade bei einzelnen Rohstoffen, Vorprodukten und Technologien bestehen hohe Abhängigkeiten, die Unternehmen durch zusätzliche Bezugsquellen verringern wollen. 

Volker Treier 04

Volker Treier


"Die Abhängigkeiten von China sind in Teilen unserer Wirtschaft erheblich. Das lässt sich nicht wegdiskutieren", sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. "Aber mit mehr Formularen und Kontrollen wird noch keine einzige alternative Lieferkette aufgebaut. Die Betriebe brauchen zusätzliche Lieferanten, neue Absatz- und Bezugsmärkte sowie bessere Investitionsbedingungen." 

Der Handlungsdruck ist groß: Nach einer DIHK-Umfrage vom September sprechen sich 60 Prozent der befragten Unternehmen dafür aus, dass die EU strategische Abhängigkeiten reduzieren soll. 67 Prozent fordern ein geschlossenes europäisches Auftreten gegenüber China. Zwei Drittel der Betriebe spüren einen wachsenden Wettbewerbsdruck durch chinesische Anbieter. 55 Prozent befürworten zumindest eher stärkere handelspolitische Maßnahmen gegenüber China, auch wenn diese für den eigenen Betrieb Nachteile bringen könnten. 

Ein pauschaler Rückzug aus China ist für die Wirtschaft dennoch keine Lösung. Viele Betriebe setzen stattdessen auf eine China-plus-X-Strategie: Sie halten an bestehenden Geschäftsbeziehungen fest und erschließen parallel zusätzliche Produktionsstandorte, Bezugsquellen und Absatzmärkte, vor allem in Süd- und Ostasien. 

Diversifizierung kostet – und braucht politische Rückendeckung 

Die Empfehlungen setzen daher bei den Voraussetzungen an: neue Handels- und Rohstoffabkommen, leichter zugängliche Finanzierungs- und Garantieinstrumente sowie gezielte Investitionen in Forschung, Technologie und die europäische Rohstoffversorgung. Das gilt besonders für kleine und mittlere Unternehmen, für die der Aufbau zusätzlicher Lieferbeziehungen mit erheblichen Kosten und Risiken verbunden ist. 

Kritisch sieht die DIHK Pläne für zusätzliche Meldepflichten im Rahmen eines europäischen Diversifizierungsinstruments und für neue Kontrollen von Auslandsinvestitionen. Auch staatliche Eingriffe in die Rohstoffpreisgestaltung oder eine pauschale staatliche Lagerhaltung außerhalb sicherheitsrelevanter Bereiche lehnt sie ab. Bei kritischer Infrastruktur und sicherheitsrelevanten Technologien hält sie dagegen gezielte Schutzmaßnahmen für notwendig. 

Entscheidend sei, Risiken präzise zu bestimmen und wirtschaftliche Abhängigkeiten nicht pauschal mit Sicherheitsgefahren gleichzusetzen. "De-Risking darf nicht zum neuen Bürokratieprogramm werden", warnt Treier. "Wenn Europa seine wirtschaftliche Sicherheit stärken will, muss es vor allem selbst wettbewerbsfähiger werden. Dazu gehören offene Märkte, technologische Stärke und eine breitere Rohstoffbasis. China durch neue Abhängigkeiten von anderen Ländern zu ersetzen, wäre keine Lösung." 

Fairer Wettbewerb statt neuer Abschottung 

Zugleich fordern die Unternehmen wirksameren Schutz vor unfairen Handelspraktiken. Bestehende Instrumente sollen schneller und konsequenter greifen, ihre Folgen für die gesamte Wertschöpfungskette aber sorgfältig geprüft werden. Zudem müsse die Einhaltung europäischer Produkt- und Sicherheitsstandards, etwa bei Direktimporten und im Onlinehandel, besser kontrolliert werden. 

Ziel der Empfehlungen ist eine China-Politik, die wirtschaftliche Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit zusammendenkt: strategische Risiken begrenzen, faire Wettbewerbsbedingungen durchsetzen und zugleich Raum für wirtschaftliche Zusammenarbeit lassen. 

Das Impulspapier finden Sie hier zum Download:

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Empfehlungen aus der Wirtschaft zum China De-Risking
Informationen
Dateiformat: PDF (barrierefrei)
Dateigröße: 780 KB
Stand: Oktober 2026
Seitenumfang: 9 Seiten

Relevant im Themenfeld:
Schwerpunkte:
  • Außenwirtschaft
  • Diversifizierung
  • Lieferketten

Pressekontakt

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Julia Fellinger

Pressesprecherin