China bleibt für deutsche Unternehmen ein wichtiger Absatz-, Beschaffungs- und Produktionsstandort. Aber auch ein herausfordernder: Bei kritischen Rohstoffen, Vorprodukten und Zukunftstechnologien bestehen Abhängigkeiten, gleichzeitig nimmt der Wettbewerbsdruck durch chinesische Produkte zu. Die DIHK plädiert deshalb für ein gezieltes De-Risking. Entscheidend sind dabei eine differenzierte Bewertung der Risiken, verlässliche Rahmenbedingungen und die frühzeitige Einbindung der Wirtschaft.
Das Wichtigste in Kürze
- Die DIHK plädiert für gezielten Abbau strategischer Risiken statt einer pauschalen Entkopplung von China.
- Unternehmen benötigen Unterstützung bei einer breiteren Aufstellung ihrer Beschaffungs-, Produktions- und Absatzmärkte.
- Politik und Behörden sollten Sicherheits- und Wettbewerbsfragen unterscheiden und die Wirtschaft frühzeitig einbeziehen.
- Für mehr Resilienz braucht es Unterstützung und verlässliche Regeln, nicht zusätzliche Bürokratie.
Hintergrund
Mit einem Warenhandelsvolumen von 252,5 Milliarden Euro war China im Jahr 2025 Deutschlands wichtigster Handelspartner; deutsche Importe aus China beliefen sich auf 171,2 Milliarden Euro, die Exporte auf 81,2 Milliarden Euro. Dabei entfallen rund 40 Prozent der deutschen Einfuhren auf Waren, bei denen China mehr als die Hälfte der Bezugsquellen ausmacht. In einer DIHK-Umfrage von September 2026 sprachen sich 60 Prozent der Unternehmen für den Abbau strategischer Abhängigkeiten aus, 49 Prozent plädierten für den Ausschluss chinesischer Unternehmen von kritischer Infrastruktur.
Do & Don'ts
Was die Politik tun sollte
- Handelsbeziehungen ausbauen: Die Europäische Union sollte mittelstandsfreundliche Abkommen zu Handel, Investitionen, Rohstoffen, Digitalem und Wirtschaftssicherheit mit weiteren Drittstaaten schließen. Dabei gilt es, die EU-Nachbarstaaten besonders zu berücksichtigen. Das Lieferkettenabkommen zwischen Neuseeland und Singapur könnte als Vorbild für eine Kooperation mit dem Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership dienen. Globale Regeln der Welthandelsorganisation sollten erhalten und reformiert werden.
- Diversifizierung finanzierbar machen: Förder- und Garantieinstrumente sollten technologieoffen und ohne zusätzliche Bürokratie ausgestaltet werden. Zudem empfiehlt die DIHK flexiblere Schwellen für den ausländischen Wertschöpfungsanteil bei Exportkreditgarantien.
- Sicherheitsrisiken gezielt begrenzen: Kritische Infrastruktur- und Technologiebereiche sollten eng und nachvollziehbar definiert sowie regelmäßig überprüft werden. Für Güter mit doppeltem Verwendungszweck sind klare und verlässliche Exportkontrollregeln wichtig.
- Fairen Wettbewerb sichern: Handelsschutzmaßnahmen sollten mit der Wirtschaft abgestimmt sein, Umgehungen erfassen und sich auf die Verursacher von Handelsverwerfungen richten. Dabei ist entscheidend, dass vor ihrer Einführung die Folgen für vor- und nachgelagerte Branchen geprüft werden. Die bestehenden Instrumente sollten verbessert werden, statt neue Abschottungsmaßnahmen einzuführen.
- Marktüberwachung stärken: Die Wirtschaft plädiert dafür, dass Zoll- und Marktüberwachungsbehörden die Einhaltung von Produkt- und Sicherheitsregeln auch bei Direktimporten und im Onlinehandel wirksam, risikobasiert und digital kontrollieren.
- Rohstoffpartnerschaften voranbringen: Die EU sollte mit den G7, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie weiteren Handelspartnern Rahmen für widerstandsfähige Lieferketten vereinbaren. Zudem gilt es, Rohstoffstrategie und Rohstofffonds mit konkreten Projekten zu unterlegen.
- Kreislaufwirtschaft und Innovation fördern: Eine wettbewerbsfähige Kreislaufwirtschaft und Investitionen in Forschung und Entwicklung können dazu beitragen, Rohstoffabhängigkeiten durch Produktinnovationen zu verringern.
- Handels- und Entwicklungspolitik verbinden: Das Programm Global Gateway sollte strategischer und mittelstandsfreundlicher umgesetzt werden. Gleichzeitig ist es wünschenswert, dass EU-Unternehmen stärker von europäischen Fördermitteln profitieren.
- Technologische Stärke ausbauen: Gezielte Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie in Hochtechnologie-Ökosysteme können Europas Position in strategisch wichtigen Bereichen stärken und die Widerstandsfähigkeit gegen wirtschaftlichen Druck erhöhen.
- China+X ermöglichen: Unternehmen sollten zusätzliche Produktionsstandorte sowie Beschaffungs- und Absatzmärkte aufbauen können, ohne ihre Aktivitäten in China zwangsläufig aufzugeben. Dafür braucht es bürokratiearme Instrumente seitens der Politik.
Was die Politik vermeiden sollte
- Keine pauschale Entkopplung: Ob eine Abhängigkeit als strategisch gelten kann, ist anhand der wirtschaftlichen Bedeutung der Waren, möglicher Versorgungsrisiken, ihrer Ersetzbarkeit und verfügbarer Alternativen zu bewerten. In unkritischen Bereichen sollte der Staat nicht unnötig in Lieferketten eingreifen.
- Abhängigkeiten nicht politisieren: Die EU ist gut beraten, ihre Rolle als verlässliche Handelspartnerin nicht durch eine Instrumentalisierung gegenseitiger Abhängigkeiten zu gefährden. Der geplante Industrial Accelerator Act sollte nicht im Widerspruch zu Handelsabkommen stehen.
- Keine neue Lieferkettenbürokratie: Behörden sollten vorhandene Daten aus Zoll-, Statistik- und Genehmigungsverfahren nutzen. Ein potenzielles neues Diversifizierungsinstrument schafft besser Anreize, als Unternehmen mit zusätzlichen Berichts- und Meldepflichten oder Zollkosten zu belasten.
- Keine zusätzliche Prüfung von Auslandsinvestitionen: Ein Prüfverfahren für Investitionen europäischer Unternehmen im Ausland könnte Rechtsunsicherheit und Bürokratiekosten erhöhen. Alternativ sollten bestehende Exportkontroll- und Sanktionsregeln genutzt werden.
- Keine staatliche Preissteuerung und Lagerhaltung außerhalb des Sicherheits- und Verteidigungsbereichs: Stattdessen sollte die Politik Rohstoffpartnerschaften und Aufbereitungsanlagen unterstützen sowie private Lagerhaltung und Einkaufsgemeinschaften fördern.
- Kein pauschaler Entschädigungsfonds: Ein Solidaritätsfonds für wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen könnte Fehlanreize setzen und sollte die unternehmerische Risikovorsorge nicht ersetzen.
- Forschungskooperationen nicht pauschal beenden: Europäische Unternehmen sollten in nicht sicherheitskritischen Bereichen Zugang zu chinesischen Innovationsnetzwerken behalten.
- Abhängigkeiten nicht nur verlagern: Der Abbau strategischer Abhängigkeiten von China macht nur Sinn, wenn nicht neue Abhängigkeiten von einzelnen anderen Handelspartnern geschaffen werden. Die DIHK spricht sich für breite, an gemeinsamen Interessen ausgerichtete Koalitionen aus.
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Empfehlungen aus der Wirtschaft zum China De-Risking
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Dateiformat: PDF (barrierefrei)
Dateigröße: 780 KB
Stand: Oktober 2026
Seitenumfang: 9 Seiten
Veröffentlicht 25.10.2026
Aktualisiert 26.10.2026
Ansprechpartner
Klemens Kober
Referatsleiter Handelspolitik, transatlantische Beziehungen und EU-Zollfragen